{"id":2300,"date":"2009-12-04T00:02:36","date_gmt":"2009-12-03T23:02:36","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=2300"},"modified":"2009-12-04T00:02:36","modified_gmt":"2009-12-03T23:02:36","slug":"die-welt-ist-uberall-anders","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2300","title":{"rendered":"Die Welt ist \u00fcberall anders"},"content":{"rendered":"<p>Da meine Abendstunde ausgefallen ist, konnte ich am Donnerstag in die Alte Schmiede gehen und das war wahrscheinlich zukunftsweisend. Denn Angelika Reitzer hielt ihre erste Moderation bei den Textvorstellungen und lud dabei drei j\u00fcngere bis sehr junge Autorinnen ein, aus ihren unver\u00f6ffentlichten Texten zu lesen.<br \/>\nN\u00e4mlich March H\u00f6ld, Patricia Josefine Marchart und Anna Weidenholzer.<br \/>\nDer Name Anna Weidenholzer ist mir im letzten halben Jahr mehrmals aufgefallen. Zuerst im Sommer, glaube ich, als ich durch Cornelia Travnicek auf den FM4 Wettbewerb gesto\u00dfen bin und da war sie auch mehrmals auf diesen Listen.<br \/>\n2003 auf Platz neun, habe ich gefunden und heuer ist sie mit &#8220;Kavkas Butterbrote&#8221; ebenfalls in der Wortlaut-Anthologie enthalten. Dazwischen gab es noch den Marianne von Willemer Anerkennungspreis 09, den Hauptpreis hat Angelika Reitzer gewonnen und vor einer Woche den Alfred Gesswein Literaturpreis, also eine sehr aufstrebende Karriere, der 1984 in Linz geborenen, die wie ich dem alten Schmiede Programm entnehme, Absolventin der Leondinger Akademie f\u00fcr Literatur ist und bei einem der letzten Kolik-Slams in der Gesellschaft der Literatur hat sie, glaube ich, auch gelesen.<br \/>\nSehr interessant eine neue Autorin kennenzulernen, drei Autorinnen, obwohl den Namen Patricia Josefine Marchart habe ich schon gekannt.<br \/>\nVon ihr, die 1971 geboren wurde, lagen zwei B\u00fccher von Jung und Jung  am B\u00fcchertisch auf. Ich habe sie mir angesehen, dann ein bi\u00dfchen mit Angelika Reitzer gesprochen, denn von ihr habe ich am Dienstag im Leporello geh\u00f6rt und da ging es um eine tolle Sache, die irgendwie auch zum Thema passt.<br \/>\nDenn das N\u00d6-Literaturhaus hat sich da ein ganz besonderes Projekt ausgedacht, Antonio Fian und Angelika Reitzer in zwei nieder\u00f6sterreichische Hauptschulen geschickt, um mit Sch\u00fclern aus der dritten Deutsch-Leistungsgruppe ein Buchprojekt zu erarbeiten, um  ganz bewu\u00dft einen Schwerpunkt gegen die Elitef\u00f6rderung zu setzen.<br \/>\nDas Gespr\u00e4ch wurde zwar bald durch die Ankunft von Kurt Neumann und zwei der Autorinnen unterbrochen, aber da habe ich Patricia Josefine Marchart kennengelernt und die ist eine sehr temperamentvolle Frau. Sorgte sich mit March H\u00f6ld, wie lange sie lesen sollten und \u00fcberlegten, ob sie einen Wecker mitlaufen lassen sollten.<br \/>\nGustav Ernst erschien und die Lesung begann mit Anna Weidenholzer, die aus der Erz\u00e4hlung &#8220;Hinter den Augen&#8221; las, die Angelika Reitzer an Ingeborg Bachmann erinnerte, in einem Supermarkt und einem Wohnblock spielt und von einer Kellnerin handelt, die den einsamen \u00e4lteren Herren Bierw\u00e4rmer zum Bier serviert und beim Recherchewochenende der Leondinger Akademie ist Anna Weidenholzer in ein Altersheim gegangen und hat sich von einer sechsundachtzigj\u00e4hrigen Frau ihr Leben erz\u00e4hlen lassen.<br \/>\nDie verschiedenen Todesarten kommen in &#8220;Hinter den Augen&#8221; auch vor und das erinnert mich nat\u00fcrlich an Josepha Stock aus der &#8220;Radiosonate&#8221;.<br \/>\nAngelika Reitzer fragte in der Diskussion, glaube ich, auch dem Realismus nach, als ob das noch immer etwas nicht so Anerkanntes w\u00e4re.<br \/>\nZuerst kam aber die 1976 geborene Burgenl\u00e4nderin March H\u00f6ld, die gerade ihr Studium am Leipziger Literatur Institut abgeschlossen hat und mit verschiedenen Perspektivwechseln von einer Reise in den Untergrund des Moskauer U-Bahnsystems &#8220;Der Tag lebt weiter&#8221;, las. Sp\u00e4ter h\u00f6rte ich, da\u00df sie sich Sorgen machte, ob sie auch gut gelesen hat und sie stellte Armin Baumgartner, den ich schon lange nicht mehr gesehen habe, als den vor, der ihren Text lektorierte und ich habe sie im Anschlu\u00df ein bi\u00dfchen \u00fcber das Leipziger Literaturinstitut ausgefragt.<br \/>\nVerlag hat sie noch keinen, die Arbeit ist auch noch nicht ganz fertig, war aber sehr interessant und sehr verschieden von denen der beiden anderen Autorinnen.<br \/>\nDann kam Patricia Josefine Marchart, die sehr temperamentvoll zu sein scheint und Angelika Reitzer in ihrer Vorank\u00fcndigung  lebhaft unterbrochen hat. Sie hat aus dem Erz\u00e4hlzyklus &#8220;Gemischter Satz&#8221; zwei Geschichten gelesen und dazu erz\u00e4hlt, da\u00df sie sich beim Schreiben einen bestimmten Wein dazu vorgestellt hat und ein Wein, den man aus bestimmten Sorten mischt, hei\u00dft ja auch so.<br \/>\nGelesen hat sie &#8220;Aus einem Haus&#8221; und &#8220;Schwestern unter sich&#8221; und bei dieser Geschichte, wo es um zwei f\u00fcnfunddrei\u00dfigj\u00e4hrige Schwestern geht, die erfahren, da\u00df ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind, hat sie sich beim Lesen unterbrochen und erstaunt ausgerufen &#8220;Wie grausig, ich wu\u00dfte gar nicht, da\u00df ich so schreiben kann!&#8221;<br \/>\nAls ich vorhin \u00fcber Anna Weidenholzer nachgegooglet habe, habe ich herausgefunden, da\u00df Patricia Josefine Marchart mit &#8220;Schwestern unter sich&#8221;, den zweiten  Marianne von Willemer Anerkennungspreis bekommen hat und denke mir, da\u00df Angelika Reitzer sie aus diesem Grund zu den Textvorstellungen eingeladen hat. Wie sie auf March H\u00f6ld gekommen ist, wei\u00df ich dagegen nicht, ebenso nicht, wie und wo Patricia Josefine Marchart das Schreiben gelernt hat? Sie d\u00fcrfte aber schon l\u00e4nger schreiben, da ihre B\u00fccher 2002 und 2005 erschienen sind und die professionellen Schreibschulen gibt es bei uns noch nicht sehr lang.<br \/>\nVerlag f\u00fcr den &#8220;Gemischten Satz&#8221; hat sie ebenfalls noch keinen, obwohl sie, als sie aus der &#8220;Schwesterngeschichte&#8221; einen Teil gek\u00fcrzt hat, ausgerufen hat, da\u00df sie das macht, damit sich die Leute das Buch auch kaufen.<br \/>\nEin \u00e4u\u00dferst interessanter Abend mit sehr viel Werkstattcharakter also. Wieder schade, da\u00df sich nur relativ wenige Leute f\u00fcr die jungen Talente interessieren und etwas habe ich noch erfahren, als ich mich am Mittwoch mit Alexandra Millner \u00fcber die Schreibf\u00f6rderer der F\u00fcnfzigerjahre, Hans Weigel und Hermann Hakel unterhalten habe, das Studium der Sprachkunst hat vier Lehrende, neben Robert Schindel und Sabine Scholl sind auch Gustav Ernst und Ferdinand Schmatz dabei.<br \/>\nUnd die Ohrenschmaussiegertexte sind im Donnerstag Standard abgedruckt.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da meine Abendstunde ausgefallen ist, konnte ich am Donnerstag in die Alte Schmiede gehen und das war wahrscheinlich zukunftsweisend. 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