{"id":2393,"date":"2009-12-21T19:53:05","date_gmt":"2009-12-21T18:53:05","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=2393"},"modified":"2009-12-21T19:53:05","modified_gmt":"2009-12-21T18:53:05","slug":"allzu-kritisches","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2393","title":{"rendered":"Fehlerkultur"},"content":{"rendered":"<p>Das Weihnachtswinterwetter mit Schnee und K\u00e4lte ist eingetroffen, das Wochenende in Harland vor\u00fcber und mein Bericht \u00fcber die Literatur der F\u00fcnfzigerjahre wohl ein bi\u00dfchen unverst\u00e4ndlich ausgefallen, denn nicht nur Rudi Lasselsberger mailte launig, da\u00df ich den Gerhard Fritsch zu einem Thomas machte und mich beim Konrad Bayer verschrieben habe, sondern auch meine  kritische Leserin Maria Heidegger hat sich mit einem Rundumschlag gemeldet, zu dem ich, obwohl ich auf ihre Kommentare schon geantwortet habe, in einem eigenen Artikel Stellung nehmen will.<br \/>\nDenn das, wie gehen wir mit Fehlern oder auch mit Schw\u00e4chen um, ist sicher interessiert. Beim KAV, dem Wiener Krankenanstaltenverbund, der die Wiener Gemeindespit\u00e4ler verwaltet, verwendet man einen eigenen Begriff, den der &#8220;Fehlerkultur&#8221;, damit ist der Umgang mit Kunst- oder Beinahefehler, die nicht passieren sollen, aber immer wieder vorkommen, denn nobody is perfect, gemeint und wir leben auch in einer Gesellschaft, in der man immer stark und perfekt sein mu\u00df.<br \/>\nWie ist das nun beim Schreiben? Denn da geht es eigentlich um nichts, so da\u00df man keine Abteilung f\u00fcr Fehlerkultur br\u00e4uchte, wenn eine ein s zuviel oder zuwenig schreibt.<br \/>\nSollte man meinen, denn dem ist nicht so, wurden wir ja  wahrscheinlich alle in einer \u00f6ffentlichen Schule sozialisiert, wo wir von klein auf das Konkurrenzdenken lernten und die Hand \u00fcber das Heft zu legen, wenn der Nachbar abschreiben wollte.<br \/>\n&#8220;Frau Lehrer, ich bin besser!&#8221; und wo das nicht so ist, braucht es Ritalin oder andere Psychopharmaka und dann gibt es die Kreativit\u00e4t und den weitverbreiteten Wunsch in uns zu singen, zu tanzen, zu malen und zu schreiben und unserem Leben dadurch einen besonderen  Sinn zu geben.<br \/>\nDann gibt es die literarischen Wettbewerbe, da schicken drei-, vierhundert Leute ihre Texte hin und einer bis zwei oder drei werden ausgew\u00e4hlt.<br \/>\nWas passiert mit der Kreativit\u00e4t der anderen, wo wird die endgelagert, bis sie vielleicht in den Seniorenheimen von einer engagierten Ergotherapeutin aufgeweckt werden wird? Die Behindertenvereine haben da schon zugelegt und bieten f\u00fcr ihre Klienten Kreativwerkst\u00e4tten an, wo gemalt, get\u00f6pfert und geschrieben wird. Ein Beispiel ist der &#8220;Ohrenschmaus&#8221; und vor Weihnachten druckt der Standard die Siegertexte und \u00d61 sendet sie auch!<br \/>\nWas passiert aber mit den anderen, der sogenannten Normalbev\u00f6lkerung, die nicht so gut, wie Peter Handke, Cornelia Travnicek oder Thomas Bernhard schreibt?<br \/>\nD\u00fcrfen die es nicht trotzdem probieren, wenn es Spa\u00df macht und gef\u00e4llt?<br \/>\nDoch, denke ich und schreibe so gut ich kann, mit und ohne Rechtschreibpr\u00fcfung. Denn mir w\u00e4re die Rechtschreibung an sich egal, ich habe inzwischen aber gelernt, verst\u00e4ndlich sollte es schon sein und m\u00f6chte Mut und Beispiel geben, es selber zu probieren, auch wenn es vielleicht nicht so sch\u00f6n, wie die Texte von Robert Menasse, Elfriede Jelinek oder Gert Jonke wird.<br \/>\nDer eifrige Literaturzeitschriftenleser Otto Lambauer hat in seinem Blog von einem Text von Peter Landerl in der Zeitschrift Kolik berichtet, in dem der Literaturwissenschaftler klagt, da\u00df die Texte, die heute eingereicht werden, einfallslos und beliebig sind. Gut gemachtes Handwerk, wie man es in Leipzig oder Hildesheim lernt. Vielleicht weil alle nach demselben Muster schreiben, um bei den Wettbewerben bei den ersten drei zu sein und das ist schade, finde ich und denke, da\u00df wir uns selber sehr viel nehmen, wenn wir immer auf die sogenannten Fehler schauen, statt wertsch\u00e4tzend und offen auf die Arbeiten anderer zuzugehen und erst einmal zuh\u00f6ren. Ich versuche das jedenfalls und kann auch einmal \u00fcber einen Fehler hinwegsehen, bzw. mich freuen, wenn ich selber besser bin!<br \/>\nIch habe schon geschrieben, da\u00df ich mir mit der Kritik, auf die ich vor drei\u00dfig Jahren, in Arbeitskreisen, wie zum Beispiel, den der schreibenden Frauen, gesto\u00dfen bin, schwer getan habe. Die war nicht sehr konstruktiv. Das hat sich inzwischen ge\u00e4ndert. Die heutigen Autoren, die Schreibwerkst\u00e4tten anbieten, sind da anders, zumindest die Schreibp\u00e4dagogen.  Da habe ich im November so ein Seminar mit Doris Nussbaumer mitgemacht und Anni B\u00fcrkl hat hier auch einmal ein Beispiel angef\u00fchrt.<br \/>\nDas &#8220;Schauen wir, wie der Text bei uns wirkt, was er in uns ausl\u00f6st, was habe ich verstanden und was nicht?&#8221;, ist sicherlich viel konstruktiver, als ein Rundumschlag, der zu Beschimpfungen und pers\u00f6nlichen Untergriffen f\u00fchrt. Denn irgendwie sind wir alle verletzbar, zumal wenn wir \u00fcber Pers\u00f6nliches schreiben.<br \/>\nIch habe einmal, als wir Besuch von einer Amerikanerin hatten, mich mit dieser in Englisch unterhalten, worauf ich von meiner Tochter unterbrochen wurde, die meinte, da\u00df ich eine f\u00fcrchterliche Aussprache h\u00e4tte.<br \/>\n&#8220;Gut!&#8221;, habe ich gedacht, h\u00f6re ich mir an, wie sie Englisch spricht. Und es kam nichts. Sie hat nicht gesprochen. Als ich nachfragte, sagte sie mir, da\u00df sie sich das nicht trauen w\u00fcrde, um keine Fehler zu machen.<br \/>\nUnd das ist es, denke ich, nicht! Nur durch Fehler lernt man und so gesehen, habe ich durch das Literaturgefl\u00fcster viel gelernt und durch Frau Heidegger, mit Kritik umzugehen. Auch wenn ein pers\u00f6nlicher Untergriff nicht sein mu\u00df! Ein Hinweis: &#8220;Das ist falsch geschrieben und bei dem Text bist du ein bi\u00dfchen unverst\u00e4ndlich!&#8221;, hilft aber, es besser zu machen!<br \/>\nIch frage mich nat\u00fcrlich, was ist das, da\u00df wir gelernt haben, auf vermeintliche Schw\u00e4chen anderer herumzuhacken, warum tun wir das? Und wenn es zur Folge hat, da\u00df wir selbst verstummen, um keine Fehler zu machen, kann es das doch auch nicht sein!<br \/>\nAlso ich traue mich und schreibe das Literaturgefl\u00fcster als meine literarische Visitenkarte, als schreibende Frau, nicht als Dichterin, das sind f\u00fcr mich Friederike Mayr\u00f6cker und Marie Therese Kerschbaumer, aber als meine pers\u00f6nliche Lebensform, die mir sehr wichtig ist und ich m\u00f6chte alle ermuntern, das auch zu tun!<br \/>\nSo gut, wie man es kann, denn der Literaturwissenschaftler Peter Landerl hat ja die Authentizit\u00e4t und Ehrlichkeit in den literarischen Texten vermi\u00dft. Schreiben wir so gut wir k\u00f6nnen, h\u00f6ren wir den anderen zu und wenn wir besser sind, freuen wir uns!<br \/>\nSo sieht es die Psychologin und Psychotherapeutin, die ich hauptberuflich bin und damit m\u00f6chte ich die Weihnachtsw\u00fcnsche, die ich gerade von Judith Wolfsberger vom Writersstudio bekommen habe, weitergeben.<br \/>\n&#8220;Ich w\u00fcnsche euch&#8221;, hat sie geschrieben &#8220;da\u00df ihr eure Schreibprozesse und eure Texte wertsch\u00e4tzt, ganz egal, ob sie frisch und ungehobelt, abgelegen und zerkaut oder abgeschlossen und gl\u00e4nzend sind!&#8221;<br \/>\nIn diesem Sinne w\u00fcnsche ich allen Lesern und Kritikern ein sch\u00f6nes Weihnachtsfest mit viel Freiraum und Kreativit\u00e4t, Mut, Wertsch\u00e4tzung und Toleranz und das sch\u00f6ne japanese paper blank mit dem original Schreibwerkstatt Kugelschreiber und einigen <a href=\"http:\/\/Schreibwerkstatt.de\">Schreibwerkstatt.de<\/a> Visitenkarten ist auch gekommen. Das ist auch ein Forum zum Mut holen und hat gleich den passenden Artikel n\u00e4mlich, &#8220;Bestseller, Welterfolge &#8211; das schaffe ich nie!&#8221;<br \/>\nNachzulesen auf <a href=\"http:\/\/www.schriftsteller-werden.de\">www.schriftsteller-werden.de<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Weihnachtswinterwetter mit Schnee und K\u00e4lte ist eingetroffen, das Wochenende in Harland vor\u00fcber und mein Bericht \u00fcber die Literatur der F\u00fcnfzigerjahre wohl ein bi\u00dfchen unverst\u00e4ndlich ausgefallen, denn nicht nur Rudi Lasselsberger mailte launig, da\u00df ich den Gerhard Fritsch zu einem &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2393\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-2393","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2393","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2393"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2393\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2393"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2393"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2393"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}