{"id":2529,"date":"2010-01-01T09:58:29","date_gmt":"2010-01-01T08:58:29","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=2529"},"modified":"2010-01-01T09:58:29","modified_gmt":"2010-01-01T08:58:29","slug":"ins-neue-jahr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2529","title":{"rendered":"Ins neue Jahr"},"content":{"rendered":"<p>Ins neue Jahrzehnt, in dem ich sechzig werde, was mich nicht besonders aufregt und literarisch einiges bringen kann. Es soll ja einige M\u00e4nner und auch Frauen geben, die dann vom Literaturhaus oder sonstwo ein sch\u00f6nes Fest bekommen, aber das mache ich mir seit 1987 ohnehin selber, an die zwanzig sch\u00f6ne B\u00fccher habe ich ebenfalls selbstgemacht und seit eineinhalb Jahren das Literaturgefl\u00fcster, also warten wir ab und lassen uns ins neue Lebensjahrzehnt gleiten.<br \/>\nEin besonderer Silvestertyp war ich  nie. Wenns nach mir ginge, verbr\u00e4chte ich den letzten Tag im Jahr nicht anders, wie die anderen. Schreibend, lesend, korrigierend oder bei einer Literaturveranstaltung. Da das nicht geht, waren wir diesmal bei Ruth Asp\u00f6ck eingeladen und das war auch ein bi\u00dfchen literarisch. Bei einer ebenfalls sehr bem\u00fchten, schreibender, verlegender und feministischer Frau, die ich schon lang kenne und eine gute Freundin ist. Dann haben wir diesmal, was wir nicht oft tun, den Silvester in Wien verbracht.<\/p>\n<div id=\"attachment_2535\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/20091231-183011.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2535\" src=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/20091231-183011.jpg?w=300\" alt=\"Ruth Asp\u00f6ck, Eva Jancak\" title=\"Ruth Asp\u00f6ck, Eva Jancak\" width=\"300\" height=\"168\" class=\"size-medium wp-image-2535\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2535\" class=\"wp-caption-text\">Ruth Asp\u00f6ck, Eva Jancak<\/p><\/div>\n<p>Zwar waren wir in den letzten Jahren einige Male bei Hilde Schm\u00f6lzer in H\u00fctteldorf eingeladen, aber die wohnt fast an der Autobahn, so da\u00df wir jedesmal nach Harland zur\u00fcckgefahren sind. Diesmal sind wir schon am Nachmittag nach Wien. Vorher waren wir in St. P\u00f6lten am Markt, um ein paar Gl\u00fccksbringer zu kaufen und bei einem wundersch\u00f6nen Fr\u00fchjahrswetter auf der Rudolfsh\u00f6he essen. Dann nach Wien, weil nicht  klar war, wann das Fest beginnt und ob wir nicht vorher mit Robert Eglhofer auf den Silvesterpfad gehen sollen. Der ging dort dann alleine hin und soll mich f\u00fcr das Etcetera interviewen, wof\u00fcr er ein Ger\u00e4t bei sich hatte, es kam aber nicht dazu.<br \/>\nDaf\u00fcr hat Ruth Asp\u00f6ck viel gekocht und stolz die Men\u00fckarte pr\u00e4sentiert, zuerst vier G\u00e4nge leicht und fein, mit gef\u00fcllter Tomate und H\u00fchnerragout mit Wildreis, aber auch sehr \u00fcppig mit selbstgemachten Frittaten in der Suppe und Birne Helene mit Schlagobers, Eis und Schokoladesauce und dann noch ein Mitternachtsbuffet mit mehreren Salaten und K\u00e4se, wor\u00fcber Hilde Schm\u00f6lzer, die disziplinierte, frauenbewegte sehr st\u00f6hnte, es war aber toll und fein.<\/p>\n<p>Das Radio ist um Mitternacht zwar eingegangen, so da\u00df kein Donauwalzer ins neue Jahrzehnt begleitete, aber das vers\u00e4umt man sowieso nicht und auch in einem Innenstadthinterhof lassen sich  Raketen sehen und h\u00f6ren tut mans auch. Sieben Personen, in denen zwei in diesen Jahrzehnt sechzig, vier siebzig und eine achtzig werden und sch\u00f6ne literarische Gespr\u00e4che.<br \/>\nBeim Heimgehen lie\u00df sich noch die Jugend beobachten, die ihre Bierdosen in der Hand hielten und mehr oder weniger l\u00e4rmten. In der Neubaugasse vor der Bushaltestelle auf den Nachtbus gewartet, der  nicht gekommen ist, drei  \u00e4ltere Damen haben uns dabei Gesellschaft geleistet. Jetzt m\u00fcssen wir nach Harland fahren, um dort noch ein Wochenende zu verbringen, bevor das Feiern vorbei und alles wieder normal werden wird.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/20091231-222602.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/20091231-222602.jpg?w=300\" alt=\"\" title=\"20091231-222602\" width=\"300\" height=\"168\" class=\"alignright size-medium wp-image-2537\" \/><\/a><\/p>\n<p>Bei Lillyberry habe ich diese Tage den R\u00fcckblick auf die gelesenen B\u00fccher gefunden und das f\u00fchrt zu den Neujahrsvors\u00e4tzen, die dieses Jahr weniger gro\u00dfartig sind, als im vorigen, wo ich meine Patientenverf\u00fcgung machte und mich in diese Organtransplantationswiderspruchsliste eintragen lie\u00df.<br \/>\nDiesmal geht es ums Lesen und ums Schreiben und da hat mich Leselustfrust angeregt, ein wenig bewu\u00dfter zu lesen und zwar nicht Monat f\u00fcr Monat meine Lesestatistik der Welt bekannt geben, das nicht. Ich will aber selber wissen, wieviele B\u00fccher ich im Jahr lese.<br \/>\nIch werde das demn\u00e4chst f\u00fcr 2009 abz\u00e4hlen, da ich fast jedes Buch besprochen habe, l\u00e4\u00dft sich das relativ einfach machen und f\u00fcrs n\u00e4chste Jahr werde ich mir die Monatszahl merken. F\u00fcnfzig bis sechzig sind es 2009 gewesen, w\u00fcrde ich so  sch\u00e4tzen. Als ich es im Kopf nachzuz\u00e4hlen versuchte, bin ich auf zweiundvierzig gekommen. Mal sehen, was ich vergessen habe.<br \/>\nInteressant, ich kann keine Highlights angeben, denn ich habe schon lange nicht mehr das Lieblingsbuch. Fr\u00fcher war es einmal &#8220;Onkel Toms H\u00fctte&#8221;,  als Studentin war ich eine Zeiltlang von &#8220;Don Carlos&#8221; sehr fasziniert, dann war es der Leonhard Kakabsa  in Doderers &#8220;D\u00e4monen&#8221;, die psychologisch Versierten, werden jetzt Aussagen \u00fcber das Psychogramm meiner Seele machen, aber auch Thomas Bernhard hat mich vor zehn bis f\u00fcnfzehn Jahren eine Weile fasziniert. Inzwischen ist er mir zu negativ und ein Lieblingsbuch und einen Lieblingsautor habe ich schon lang nicht mehr.<br \/>\nDazu bin ich zu vielseitig interessiert. Ich lese auch sehr aufmerksam und wertfrei, kritisiere wenig, bin aber auch selten so begeistert, da\u00df ich denke, der oder die kann mehr als ich.<br \/>\nDas letzte Mal ist mir das beim Bachmannpreistext von Uwe Tellkamp passiert, als der entsprechende Roman erschienen ist, war ich nicht mehr so begeistert, obwohl ich ihn ausgelesen habe.<br \/>\nSo k\u00f6nnte ich auch das Lieblingsbuch von 2009 nicht angeben. &#8220;Atemschaukel&#8221; war sicher ein wichtiges Leseerlebnis, die B\u00fccher der Cornelia Travnicek auch und der Bachmann-Celan Biefwechsel ebenfalls sehr interessant.<br \/>\nJa doch, da gibt es eine Stelle, die ich mehrmals gelesen habe und das war aus &#8220;Drehschluss&#8221; von Claudia Rossbacher, n\u00e4mlich die, wo Clara am Galgen h\u00e4ngt, ihr Lover liegt mit abgeschnittener Hand am Boden und der Polizist kommt gerade noch im letzten Moment dazu. Psychologisch auch sehr interessant und offenbar sehr gut geschrieben.<br \/>\nIch will 2010 ein wenig bewu\u00dfter lesen, vielleicht findet sich ein Lieblingsbuch und jedes Buch besprechen. Das habe ich durch das Literaturgefl\u00fcster auch gelernt und da bin ich besser geworden, denn am Anfang habe ich einige B\u00fccher ausgelassen oder habe \u00fcber sie hinweggeschrieben. Jetzt kann ich, glaube ich, jedes besprechen und das ist vielleicht ein Beinahefehler, auf den noch keiner meiner Leser gekommen ist, ich bespreche sehr offen. Im Internet habe ich da etwas gefunden, was Spoilerwarnung hei\u00dft, n\u00e4mlich, da\u00df es unh\u00f6flich w\u00e4re, den T\u00e4ter zu verraten, aber f\u00fcr mich sind meine Buchbesprechungen Erinnerungspunkte. Ich will mich an das Buch erinnern k\u00f6nnen, deshalb schreibe ich sehr genau und nat\u00fcrlich subjektiv.<br \/>\nRichtig, Judith Gruber-Rizy hat einmal gesagt, da braucht mans gar nicht mehr lesen. Doch, nat\u00fcrlich, denn eine Seite kann nur ein pers\u00f6nlicher Eindruck sein und wie Frau Heidegger anmerkte, auch manchmal  unverst\u00e4ndlich. Also selber lesen. N\u00f6rgeln will ich nicht so sehr und das mu\u00df nicht sein. Auch das habe ich im letzten Jahr herausgefunden. Man kann \u00fcber jedes Buch wertfrei schreiben und trotzdem ist es keine Gef\u00e4lligkeitsrezension, denn ich bin immer ehrlich.<br \/>\nAlso 2010 nach den Lieblingsb\u00fcchern suchen und was das Schreiben betrifft, da soll  wieder der gro\u00dfe Roman entstehen, mit dem es vielleicht einmal ein Fest im Literaturhaus geben wird, mal sehen ob und wie mir das gelingt?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ins neue Jahrzehnt, in dem ich sechzig werde, was mich nicht besonders aufregt und literarisch einiges bringen kann. 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