{"id":2549,"date":"2010-01-02T20:02:13","date_gmt":"2010-01-02T19:02:13","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=2549"},"modified":"2010-01-02T20:02:13","modified_gmt":"2010-01-02T19:02:13","slug":"helden-der-kunst-helden-der-liebe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2549","title":{"rendered":"Helden der Kunst, Helden der Liebe"},"content":{"rendered":"<p>In diesem bei Sonderzahl erschienenen Roman von Gustav Ernst fahren zwei \u00e4ltere Autoren mit dem Auto von Wien nach Frankfurt, um  an einer Lesung bzw. Diskussionsveranstaltung teilzunehmen, wof\u00fcr sie siebenhundert bzw. neunhundert Euro Honorar bekommen sollen. W\u00e4hrend der Fahrt machen sie Halt an verschiedenen Autobahnrastst\u00e4tten, trinken Kaffee, Wein, Bier, e\u00dfen gemischten Salat, vor allem aber reden sie \u00fcber ihre Prostatabeschwerden, ihre Frauenbeziehungen, ihre Romane, die zu Bestsellern oder nicht dazu wurden. \u00dcber die letzten drei\u00dfig Jahre ihres Literaturlebens halt, an das sie sich erinnern oder nicht erinnern k\u00f6nnen. Dabei geraten sie in Streit, betrinken sich und werden vom Kellner aus dem Lokal geworfen. Am Schlu\u00df scheinen sie sich noch verfahren zu haben, so da\u00df sie vielleicht gar nicht ankommen werden.<br \/>\nDazwischen finden immer wieder literarische Gesellschaften statt. Die erste beginnt im Hotel Intercont in Berlin, in der ein italienischer Autor seine Wiener \u00dcbersetzerin anruft und sie bittet ihr den Beipackzettel seines Schlafmittels zu \u00fcbersetzen. In den anderen, die sich vom Cafe Pr\u00fcckel am Vormittag bis zum Cafe Engl\u00e4nder nach Mitternacht durch sieben Wiener Cafes ziehen, treffen Dichter und Dichterinnen aufeinander, halten Monologe und Dialoge, in denen sie so alles \u00fcber  den Literaturbetrieb und die Leiden und die Freuden, die man damit hat, von sich geben.<br \/>\nSo tritt ein Dichter auf, der zwar noch nichts geschrieben hat, aber mit dem Roman, den er schreiben w\u00fcrde, wenn er  die n\u00f6tige Zeit h\u00e4tte, durchaus Erfolg haben k\u00f6nnte. Oder sie schimpfen \u00fcber den Literaturliebhaber, der gar kein echter Autor ist. Der Dichter Kieninger soll einen mit zehntausend Euro dotierten Literaturpreis an junge Autoren vergeben und wird dabei von der Mutter eines jungen Autors und Gattin eines wohlhabenden Rechtsanwaltes, die ihn dazu egagierte, beschimpft, w\u00e4hrend die Dichterin Barbara in einem Vorzimmer sitzt und das Gesamtwerk Maria Ebner von Eschenbach f\u00fcr einen Katalog kurzfassen soll, um den Vorschu\u00df abzuarbeiten, den ihr der Verlag f\u00fcr ein Buch bezahlt hat, das sie nach Ausbruch ihrer Psychose nicht mehr schreiben kann. Es wird von Schriftstellern erz\u00e4hlt, die von Kollegen angerufen werden, die geh\u00f6rt haben, da\u00df sie in einer Jury sitzen und wollen, da\u00df man sich  bei der Preisvergabe f\u00fcr sie  einzusetzen soll, w\u00e4hrend sich andere \u00fcber die Langweiler, Dampfplauderer, Spr\u00fccheklopfer, ect. \u00e4rgern, die den Wildgans, Bachmann oder Toleranzpreis bekommen haben und und und.<br \/>\n&#8220;Ernst durchleuchtet das literarische Leben mit satirischer Verve und schwungvollen drive&#8221;, steht auf der Buchr\u00fcckseite und es ist ein Buch, da\u00df ich vor drei\u00dfig Jahren mit Begeisterung und Neugier etwas \u00fcber den Literaturbetrieb zu erfahren, verschlungen h\u00e4tte. Inzwischen wei\u00df ich einiges davon und habe auch schon viel  dar\u00fcber geschrieben.<br \/>\nGelesen habe ich es trotzdem mit Interesse. Suchtcharakter war kaum mehr da. Ich habe mich auch nicht besonders angestrengt, ob ich   Vera, Elfi, Kaltenegger, Kovac, Kieninger, Gerry, Friedrich, Luc, ect.  erkennen k\u00f6nnte. Habe schon an reine Kunstfiguren gedacht, bis Brigitte Schwaiger nicht zu verkennen war und die Wiener \u00dcbersetzerin wird wohl Karin Fleischanderl sein, sonst k\u00f6nnte ich keine Zuordnungen treffen und es liest sich nat\u00fcrlich mit Wehmut, was da alles an mir vorbeigegangen ist&#8230;..<br \/>\nInteressant und spannend war es doch, ein angenehmes Literaturvergn\u00fcgen und ich habe das Buch auch schon in der Hand gehabt, weil es im letzten Jahr auf der Liste der Buchpr\u00e4mienb\u00fccher stand. Ob es eine bekommen hat und ich es vorgeschlagen habe, wei\u00df ich nicht mehr, aber, da\u00df mir beim Durchbl\u00e4ttern auf der Buch Wien oder sonstwo, die Stelle mit dem Literaturliebhaber, der kein richtiger Autor ist, aufgefallen ist, no na.<br \/>\nAnsonsten kenne ich den Dichter und Literaturvermittler sehr lang und habe auch schon \u00fcber ihn gefl\u00fcstert.<br \/>\nWahrscheinlich durch die Wespennester in den Siebzigerjahren, da habe ich ja meine Texte hingeschickt. Als ich 1980 in der alten Schmiede im Literatureck gelesen habe, war er mit Marie Therese Kerschbaumer eingeladen, dar\u00fcber was zu sagen und ich sehe ihn  auch immer bei Literaturveranstalten.<br \/>\nInzwischen macht er das Kolik, da habe ich anfangs auch  hingeschickt, jetzt schicke ich nichts mehr aus. War aber vor einigen Jahren bei einer Lesung in der alten Schmiede, wo er und Helmut Eisendle ihre neuen B\u00fccher vorgestellt haben. Da ist es auch um alternde Dichter gegangen, die \u00fcber ihren Sex und ihre Krankheiten geschrieben haben. Das habe ich, kann ich mich erinnern, in der Diskussion angemerkt, wie die B\u00fccher gehei\u00dfen haben, wei\u00df ich nicht mehr. Helmut Eisendle ist 2003 an Krebs verstorben, im Literaturhaus wird demn\u00e4chst ein Buch \u00fcber ihn vorgestellt.<br \/>\nVon Gustav Ernst habe ich &#8220;Einsame Klasse&#8221; vor langer Zeit gelesen und eines seiner St\u00fccke im Volkstheater gesehen. Er ist ja auch Dramatiker und &#8220;Herzgruft&#8221; habe ich mir vor kurzem bei Buchlandung um einen Euro gekauft. Dann ist er, das habe ich auch schon mehrmals geschrieben, mit Robert Schindel soetwas, wie Hans Weigel und Hermann Hakel von heute, in der Leondinger Akademie und bei Studium der Sprachkunst t\u00e4tig und  2008 ist dieser Roman \u00fcber den \u00f6sterreichischen Literaturbetrieb erschienen.<br \/>\nWem es interessiert, ist er sicher zu empfehlen. Der Bernhardsche Schimpfton taucht manchmal auf, Werner Kofler hat, glaube ich, auch in dieser Art geschrieben und Norbert Gstrein einmal eine solche Novelle. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem bei Sonderzahl erschienenen Roman von Gustav Ernst fahren zwei \u00e4ltere Autoren mit dem Auto von Wien nach Frankfurt, um an einer Lesung bzw. Diskussionsveranstaltung teilzunehmen, wof\u00fcr sie siebenhundert bzw. neunhundert Euro Honorar bekommen sollen. 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