{"id":2555,"date":"2010-01-04T00:09:46","date_gmt":"2010-01-03T23:09:46","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=2555"},"modified":"2010-01-04T00:09:46","modified_gmt":"2010-01-03T23:09:46","slug":"lektionen-des-verborgenen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2555","title":{"rendered":"Lektionen des Verborgenen"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Lektionen des Verborgenen&#8221;, dtv, 2001,  ist eine Mutter-Tochter-Geschichte, die Identit\u00e4tssuche, der 1964 in M\u00fcnchen geborenen, seit 1983 in Italien lebenden Helena Janeczek und  beginnt \u00e4hnlich, wie bei Lily Brett, mit dem Essen oder dem Hungern, dem St\u00fcckchen Brot, das vom Boden aufgehoben wurde und der disziplinierten Siebzigj\u00e4hrigen, die ihrer Tochter vorwirft, zu fett zu sein und sich selbst die gr\u00f6\u00dften Vorw\u00fcrfe macht, weil sie mit zwanzig das Ghetto von Zawiercie, die Eltern und den Bruder Jerzy mit zwei Groschen in der Tasche verlie\u00df, weil sie nicht in den \u00d6fen verbrennen wollte, wie das die Familie sp\u00e4ter tat.<br \/>\nF\u00fcnfzig Jahre sp\u00e4ter reist Jelena mit ihrer Mutter nach Warschau, Krakau, Auschwitz, Zawiercie, um all diese Orte kennenzulernen und ein Buch dar\u00fcber zu schreiben.<br \/>\nSie denkt auch \u00fcber ihr Leben nach, das in Deutschland begann, weil es ihre Eltern, der Vater lungenkrank mit einem falschen Pa\u00df, der ihm die Lager ersparte, die Mutter Auschwitz \u00fcberlebend, zuf\u00e4llig dorthin verschlug. Die der Tochter nicht viel von ihrer Jugend erz\u00e4hlten, so da\u00df diese, wieder \u00e4hnlich, wie bei Lily Brett, die Traumatisierungen der Mutter und ihre eigenen \u00c4ngste schildert.<br \/>\nDa der kranke Vater nicht als Arzt arbeiten kann, steigt die Mutter in den italienischen Schuhhandel ein,  die Tochter wird von einem deutschen Kinderm\u00e4dchen aufgezogen, lernt in der Schule  Jesus lieben, bevor sie in die j\u00fcdische Gemeinde M\u00fcnchen kommt und sich dort als schlechte J\u00fcdin f\u00fchlt.<br \/>\nEs gibt aber auch eine starke Gemeinsamkeit zu der Mutter mit der sie  Holocaustb\u00fccher liest. Das der Ruth Kl\u00fcger gef\u00e4llt der Mutter nicht, w\u00e4hrend sich Mutter und Tochter \u00fcber den Film vom Hitlerjungen Salomon so emp\u00f6ren, da\u00df sie schimpfend das Kino verlassen und  vermuten, nun f\u00fcr antisemitisch gehalten zu werden.<br \/>\nDie Tochter geht nach dem Tod des Vaters nach Italien, studiert und heiratet, das Studium bringt sie lange nicht zu Ende, was der Mutter gro\u00dfe Sorgen macht. Hat Schwierigkeiten mit den \u00c4mtern und der Aufenthaltsgenehmigung, obwohl ihr die als EU-B\u00fcrgerin zusteht. Identit\u00e4tsverwirrungen auch mit den j\u00fcdischen Tanten und Onkeln und Gro\u00dfeltern, die Helena nie gesehen hat, aber trotzdem in ihr Gebet einbezieht, wie sie auch ihre drei Vornamen von ihnen hat und es drei Sprachen in ihrem Leben gibt. Das Polnisch der Eltern, das sie nicht kann und doch versteht, das Deutsch in dem sie sozialisiert wurde und das, wie ihr Pa\u00df, doch nicht das ihre ist, so da\u00df sie Italienisch lernte und inzwischen akzentfrei spricht.<br \/>\nLangsam und z\u00f6gernd tastet sich Helena  Janeczek an die Vergangenheit der Mutter heran. Der Erz\u00e4hlton bleibt  immer dokumentierend sachlich, w\u00e4hrend Lily Brett, als sie mit ihrem Vater Auschwitz und Krakau bereiste, von Gespenstern verfolgt wurde.<br \/>\nZum Schlu\u00df findet Helena zu ihrem deutschen Kinderm\u00e4dchen zur\u00fcck und schreibt das Buch \u00fcber die Vergangenheit der Mutter auf Italienisch, von Moshe Kahn ins Deutsche \u00fcbersetzt.<br \/>\nGefunden habe ich es vor fast einem Jahr, als ich mich zu den &#8220;Haus&#8221;-Recherchen auf die Baumgartner H\u00f6he  machte und dabei \u00fcber die Ein-Euro-Buchlandungskiste auf der Mariahilferstra\u00dfe stolperte.<br \/>\nJetzt habe ich es  gelesen und es war, wie im Klappentext steht, ein beeindruckendes Zeugnis im Umgang von Erinnern und Vergessen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Lektionen des Verborgenen&#8221;, dtv, 2001, ist eine Mutter-Tochter-Geschichte, die Identit\u00e4tssuche, der 1964 in M\u00fcnchen geborenen, seit 1983 in Italien lebenden Helena Janeczek und beginnt \u00e4hnlich, wie bei Lily Brett, mit dem Essen oder dem Hungern, dem St\u00fcckchen Brot, das vom &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2555\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-2555","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2555","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2555"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2555\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2555"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2555"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2555"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}