{"id":2563,"date":"2010-01-07T23:07:13","date_gmt":"2010-01-07T22:07:13","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=2563"},"modified":"2010-01-07T23:07:13","modified_gmt":"2010-01-07T22:07:13","slug":"menasse-lesung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2563","title":{"rendered":"Menasse-Lesung"},"content":{"rendered":"<p>Nach drei veranstaltungslosen Wochen, die erste Lesung im neuen Jahr. Robert Menasse liest in der alten Schmiede aus &#8220;Ich kann jeder sagen&#8221;, hat Emily Walton vor ein paar Tagen in ihren Blog geschrieben,  ich hatte es im Programm angestrichen und mich darauf gefreut. Robert Menasse ist sehr interessant, wenn auch ein bi\u00dfchen zynisch. So habe ich mich einmal bei einer Generalversammlung der GAV mit ihm angelegt, als er zuerst gegen Arthur West und dann gegen Walter Baco scheinbar aus heiterem Himmel hergefahren ist und ihm gesagt, da\u00df ich nicht will, da\u00df er andere beschimpft. Dann ist er mit Robert Schindel einmal aus dem PEN-Club ausgetreten, weil der sehr reaktion\u00e4re Mitglieder h\u00e4tte, aber eigentlich h\u00e4tten beide dort gar nicht Mitglieder sein d\u00fcrfen, gibt es ja diesen Ausschlie\u00dfungsparagraphen. Da habe ich ihm einen Brief geschrieben, das ist schon lange her und bevor sein &#8220;Don Juan&#8221; erschienen ist, war ich bei einer Lesung in der alten Schmiede. Da hat er  Paul Jandl, der die Lesung moderierte, ziemlich fertig gemacht. Das mag ich nicht so sehr, hab aber nichts gesagt.  Jetzt gibt es den Erz\u00e4hlzyklus &#8220;Ich kann jeder sagen&#8221;, der  schon im Herbst erschienen ist. Auf der Buch Wien bin ich in eine Diskussion hineingekommen und da hat mir sehr imponiert, wie der wortgewaltige Menasse sich f\u00fcr die Studentenbesetzung eingesetzt hat und zu der Bildungsmisere, die wir derzeit haben, eine \u00e4hnliche Meinung, wie ich hat.<br \/>\nEs war wieder etwas schwierig p\u00fcnktlich hinzukommen, weil um sechs noch eine Stunde und ich wu\u00dfte nicht genau, wie voll die alte Schmiede ist. Dann ist der Klient fr\u00fcher gekommen, so da\u00df ich zu Fu\u00df gehen konnte und habe auf der Wiedner Hauptstra\u00dfe, die Trude Kloiber getroffen, die spazieren gehen wollte. Ich habe sie schon einmal in dem Durchhaus, wo sie wohnt, getroffen, als ich zum Daniel Glattauer ins Thalia wollte, da ist sie mitgegangen und auch diesmal hat sie sich mir angeschlossen. Das finde ich sehr imponierend. Es war gar nicht so voll und wir haben einen Platz bekommen. Vor mir ist der Dr. Mosca gesessen, der mich heute angerufen hat, weil er die Termine meiner n\u00e4chsten Lesungen wissen wollte, hinter mir der Norbert Leser. Sonst gar nicht so viele Bekannte und Kurt Neumann hat sehr sch\u00f6n eingeleitet. Den Erz\u00e4hlband mit dem Untertitel &#8220;Vom Ende der Nachkriegsordnung&#8221;, ein Zyklus von vierzehn Ich-Erz\u00e4hlungen, die alle mit verst\u00f6renden Pointen arbeiten und gleichzeitig unterhaltend, als auch irritierend sind. Alle vierzehn Erz\u00e4hlerstimmen sind M\u00e4nner, der zeitliche Rahmen geht von 1989 aus. Es gibt einen Prolog von einem der nicht anfangen kann und einen Epilog vom nicht aufh\u00f6ren k\u00f6nnen, dazwischen alle Erz\u00e4hlformen bis zum Essay.<br \/>\nZwei dieser Geschichten hat Robert Menasse gelesen &#8220;Lange nicht gesehen&#8221; und &#8220;Romantische Irrt\u00fcmer&#8221; und sie waren wirklich gut erz\u00e4hlt. Jeweils mit dem schweren Hintergrund einer verst\u00f6renden Vergangenheit. Im Fernsehen l\u00e4uft die Dokumentation des Mauerfalls und dem Ende der DDR und zwei ehemalige Mustersch\u00fcler treffen sich und gehen eine ungew\u00f6hnliche Liebesbeziehung ein, die durch eine Sachwaltergeschichte eines nichtblinden Mannes endet, der die \u00f6ffentliche Ordnung st\u00f6rt, weil er die Augen vor der Gegenwart verschlie\u00dft,  daher alle anrempelt und trotzdem nicht entm\u00fcdigt werden kann.<br \/>\nSehr kompliziert, wie auch die Geschichte mit der verst\u00f6renden Pointe des Erz\u00e4hlers, der in Weimar und in Dresden i\u00dft und kotzt und sich doch nicht in die Elbe st\u00fcrzt, weil er einem faden Gesch\u00e4ftsmann auf die Frage, wie er den Nachmittag verbringen wird, zur Antwort gibt, sie in Buchenwald totzuschlagen. Dann schaut er sich im Fernsehen die Bombarderung Dresdens an und stellt sich an die Elbe, um von einer Frau gerettet zu werden, obwohl er gar nicht springen wollte, um am n\u00e4chsten Tag nichts mehr zu erz\u00e4hlen zu haben. Wieder sehr raffiniert erz\u00e4hlt, offenbar ist Robert Menasse doch ein hervorragender Erz\u00e4hler und  hat im Gespr\u00e4ch mit Kurt Neumann  noch erz\u00e4hlt, wie dieser Romanzyklus, wo die M\u00e4nner um f\u00fcnfzig um einen gro\u00dfen Tisch sitzen und einen Tag aus ihrem Leben erz\u00e4hlen &#8220;Als John F. Kennedy ermordet wurde, war ich so richtig gl\u00fccklich&#8221; entstanden ist.<br \/>\nEine Geschichte aus dem Zyklus wollte nicht so richtig gelingen, die wurde dann der &#8220;Don Juan&#8221;. Dann kam noch eine Theaterarbeit, da schimpfte Robert Menasse wieder ein bi\u00dfchen \u00fcber die Schauspieler und die Regisseure und einer Dame, die eine Frage stellte, hat er auch eine ganz andere Antwort gegeben, aber erz\u00e4hlt, da\u00df er nach einer Lesung, einem jungen M\u00e4dchen ein Buch signierte, das sie ihrem Papa schenken wollte, weil sie ihn erst durch die Lesung verstanden hat. Da f\u00e4llt mir die Anna ein, die ja von Robert Menasse sehr begeistert ist und ein paar junge Leute waren auch im Publikum.<br \/>\nIch bin mit der Trude Kloiber nach Hause gegangen und haben noch \u00fcber die Lesung gesprochen, wobei Trude die These aufstellte, da\u00df Menasses Zynismus vielleicht von seinem Lampenfieber kommt, ich wei\u00df aber nicht, ob das stimmt. Das Buch haben wir nicht gekauft, ich habe aber heute sehr viele geschenkt bekommen. War doch die Irmgard Gelter am Nachmittag bei mir und hat mir nicht nur Khalid Gibrans &#8220;Der Prophet&#8221;, mitgebracht, sondern auch noch einen Sto\u00df B\u00fccher \u00fcbers Stottern und zur Sprachentwicklung aus den Siebzigerjahren. Eine Erinnerung an unsere Arbeit an der II. HNO Klinik\/ Sprachambulanz. Ich hab sie in mein Praxiszimmer einger\u00e4umt. Meine zwei Stottererb\u00fccher sind ja auch ein Teil meiner Biografie.<br \/>\nDie Weisheiten des ber\u00fchmten Dichterphilosophen werde ich lesen und von Robert Menasses Nachkriegsgeschichten habe ich mir auch sehr viel gemerkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach drei veranstaltungslosen Wochen, die erste Lesung im neuen Jahr. 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