{"id":2792,"date":"2010-02-10T22:09:52","date_gmt":"2010-02-10T21:09:52","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=2792"},"modified":"2010-02-10T22:09:52","modified_gmt":"2010-02-10T21:09:52","slug":"widerstand-im-haiderland","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2792","title":{"rendered":"Widerstand im Haiderland"},"content":{"rendered":"<p>Der 4. Febuar hat ein zweites historisches Datum. Wurde da ja im Jahr 2000 die schwarz blaue Regierung in \u00d6sterreich angelobt, die heftige Proteste und Widerstand ausl\u00f6ste.<br \/>\nZehn Jahre ist das her. Zu feiern gibt es nicht sehr viel, obwohl wir  jetzt wieder eine gro\u00dfe Koalition haben, ist es doch recht schwarz geworden und nine elefen hat es seither auch gegeben, den BAWAG Skandal, die Wirtschaftkrise, die Uni- Proteste u. u. u.<br \/>\nEs gibt aber einen Film von Frederick Baker, den haben wir gerade gesehen und das gibt Anla\u00df \u00fcber die letzten zehn Jahre nachzudenken. Denn da ist nicht nur politisch sehr viel geschehen.<br \/>\nAls es klar war, da\u00df es eine blau schwarze Regierung geben wird, hat es auf einmal \u00fcberall Widerstand und Demonstrationen gegeben und ich bin mit meiner Freundin Elfi noch vor dem vierten Februar zur \u00d6VP Zentrale marschiert. Ab da war jeden Tag was los, dazwischen habe ich sehr viel geschrieben. So meinen Beitrag f\u00fcr den Luitpold Stern Preis, den es leider auch nicht mehr gibt.<br \/>\n2000 habe ich ihn das erste Mal gewonnen, zwar nur in den hinteren R\u00e4ngen mit einem dreihundert Schilling Buchgutschein, wo ich mir das Buch der Judith Hermann eingetauscht habe.<br \/>\nEnde J\u00e4nner, die Sanktionen wurden gerade verk\u00fcndet, habe ich das &#8220;Dichterfr\u00fchst\u00fcck am Himmelsgrund&#8221; geschrieben, wo sich der junge Dichter namens Jura und der alte Professor im Cafe Wolke treffen und \u00fcber die blau schwarze Koalition resumieren. Das Thema hat &#8220;Wissen ist Macht&#8221; gelautet, da ist die Einf\u00fchrung der Studiengeb\u00fchren gerade richtig gekommen oder nicht nat\u00fcrlich, aber jetzt haben wir gerade keine und sehr viel besser ist das auch nicht &#8230;.<br \/>\nIch habe jedenfalls das erste Mal einen Preis gewonnen, die Preisverleihung war im Juni, da gab es einen Blumenstrau\u00df und eine Urkunde, damit bin ich mit dem Alfred ins Volkstheater, wo es damals Widerstandslesungen nach der Vorstellung gegeben hat. Die Gerstl hat an diesem Abend gelesen.<br \/>\nAm 4. Februar bin ich mit der Elfi auf den Ballhausplatz, wir sind weit hinten gestanden, haben nichts gesehen und nichts mitbekommen, nur da\u00df die Eier und die Tomaten flogen und es sehr laut war. Dieter Schrage hat ja so einen Text geschrieben von einem Beamten mit der Aktentasche, der sie verstohlen \u00f6ffnet, um mit heimlicher Freude, die Widerstandstomaten herauszunehmen&#8230;<br \/>\nDie neue Regierung ist unterirdisch zum Bundespr\u00e4sidenten marschiert und dieser hat sehr b\u00f6s geschaut und wir sind am n\u00e4chsten Tag zum Schifahren nach Obergail gefahren, denn es waren Energieferien und ich habe alles durch das Radio mitbekommen. Die ganze Aufregung, der Staatssekret\u00e4r Morak hat etwas der Kreativit\u00e4t der K\u00fcnstler gesprochen, da\u00df die ja in geistigen Widerstand gehen k\u00f6nnen und das, glaube ich, eher zynisch gemeint und die Bachmanngeschwister haben \u00fcberlegt dem Land K\u00e4rnten den Namen ihrer Schwester f\u00fcr den Preis zu entziehen. Da hat der Schindel, glaube ich, vermittelt und ich habe in dieser Woche einige politische Geschichten geschrieben. Die vom &#8220;Widerstand beim Zwiebelschneiden&#8221; erst sp\u00e4ter. Da war der Anla\u00df eine &#8220;Von Tag zu Tag Sendung&#8221;, wo der Herbert Scheibner aufgetreten ist und ein Anrufer sich \u00fcber die Polizei beschwerte und er ihn zurechtgewiesen hat. Der Text ist in der Milena Widerstandsanthologie enthalten, die sehr bekannt geworden und den Kreisky Preis bekommen hat.<br \/>\nEs gab in der ersten Februarwoche  jeden Tag Demonstrationen und am 19. Februar, die gro\u00dfe auf dem Heldenplatz, wo sich im Anschlu\u00df die Donnerstagsdemonstrationen gebildet haben und ich sehr oft mitgegangen bin und dann gabs auch die Widerstandslesungen jeden Donnerstag, die die El Awadalla und die Traude Korosa organisiert haben. Da habe ich mehrmals gelesen. Im Volkstheater nie, denn als ich mich da angemeldet habe, kam der Sommer und dann waren keine mehr. Aber die Widerstandslesung am Ballhausplatz hat es sehr lang gegeben und es waren auch sehr starke Texte, die ich da gelesen haben. Ich bin in diesem Jahr auch in die Schreibwerkstatt der Gewerkschaft eingeladen worden und da sind einige politische Texte entstanden, die man zum Teil im &#8220;Best of &#8211; Lesebuch&#8221; nachlesen kann. &#8220;Emmas Frauenleben&#8221; z. B., das auch in dem &#8220;..bis sie gehen, 4 Jahre Widerstandslesungen Buch&#8221; enthalten ist, das El Awadalla und Traude Korosa herausgegeben haben.<br \/>\n&#8220;Das Dichterfr\u00fchst\u00fcck&#8221; ist in der Volksstimmeanthologie 2000, enthalten. Dann gab es noch die Milena Anthologie &#8220;Viechereien&#8221;, die auch sehr politische Texte enth\u00e4lt.<br \/>\nIch habe im Fr\u00fchjahr 2000 auch einen Roman \u00fcber die ersten hundert Tage der Regierung geschrieben. &#8220;Die Viertagebuchfrau&#8221;,  da sind alle Aufregungen und Unsicherheiten enthalten. Es war ja eine sehr starke Zeit mit vielen Demonstrationen und Kulturaktivit\u00e4ten. Leider hat sich der Dampf, wie Andreas Khol in dem Film vielleicht auch ein wenig zynisch erl\u00e4uterte, totgelaufen. Aber damals gab es an jeder Ecke Widerstandskultur. Im Volksstheater, im Burgtheater, in der Gruppe 80 haben sie Jandls &#8220;Humanisten&#8221; gezeigt. Elfriede Jelinek hat f\u00fcr die Donnerstagslesungen ihr St\u00fcck &#8220;Das Lebewohl&#8221; geschrieben, es gab die Schlingensief Aktion vor der Oper und eine Zeitlang auch politische Filme im Filmcasino mit live Diskussionen.<br \/>\nWo ist das alles hin?, k\u00f6nnte man fragen. Der ganze Aufwand ist verbufft, hat sich zu Tode gelaufen, was eigentlich sehr traurig ist.<br \/>\nDer Film war aber interessant und hat die  Erinnerungen aufgeweckt. Es hat zwar viel gefehlt. Die Lesungen wurden nicht gezeigt, wohl aber die alte Dame, die ehemalige \u00d6VP W\u00e4hlerin, die aus Protest wegen dem gebrochenen Sch\u00fcssel Versprechen, zwei Jahre jeden Donnerstag mitgegangen ist,  bis auf den Gr\u00fcndonnerstag, da ist sie, weil katholisch, zu Hause geblieben. Robert Menasse ist aufgetreten, Marlene Streeruwitz, Doron Rabinovici und Elfriede Jelinek hat man auch gesehen, damals ist sie noch auf die Stra\u00dfe, bzw. auf den Ballhausplatz gegangen und hat mit Z\u00f6pfen der Ur-Auff\u00fchrung ihres St\u00fcckes applaudiert.<br \/>\nDamals war es igendwie sehr frei, man ist sehr nahe an das Geschehen herangekommen, als vor ein paar Jahren die rot schwarze Regierung unter Gusenbauer angelobt wurde, war gerade der Aktionstag f\u00fcr Kunst und Kultur und ich wollte ins Museumsquartier, die Polizei hatte aber sehr viel abgesperrt&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 4. Febuar hat ein zweites historisches Datum. 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