{"id":2798,"date":"2010-02-13T13:11:21","date_gmt":"2010-02-13T12:11:21","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=2798"},"modified":"2010-02-13T13:11:21","modified_gmt":"2010-02-13T12:11:21","slug":"abschreiben-kopieren-textmontagen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2798","title":{"rendered":"Textmontieren, Abschreiben, Schreibwettcamp"},"content":{"rendered":"<p>Auch von mir ein Beitrag zu &#8220;Helene Hegemann&#8221;, denn mit den Themen plagiatieren, Jungstars, gehypte und \u00fcbersehene Literatur habe ich mich schon lang besch\u00e4ftigt und meine Erfahrungen damit gemacht.<br \/>\nSo kann ich mich an drei Plagiate erinnern. In diesen F\u00e4llen waren es direkte Abschreibungen, das erste ist bei einem Limes-Literaturwettbewerb 1988 passiert. Ich habe auch einen Text hingeschickt, bin nicht in die engere Auswahl gekommen, einen der Anerkennungspreise hat Manfred Wieninger bekommen, der damals in aller Munde war. Von der N\u00d6N hochgelobt, mehrere Stipendien gleichzeitig, da\u00df das Schreibblockaden ausl\u00f6sen kann, ist vorstellbar.<br \/>\nInternet, wo man das Plagiat auf einen Blick erkennen kann, hat es damals noch nicht so gegeben, trotzdem ist man draufgekommen. Das Heft mit den Siegertexten war schon gedruckt, Alois Eder hat sehr gut reagiert, eine Stellungnahme,  sowie einen Brief an Norbert Tefelski geschrieben und einen seiner Texte im Limes  Nummer zw\u00f6lf abgedruckt.<br \/>\nManfred Wieningers Reaktion war sehr heftig, er hat alles hinschmei\u00dfen wollen und auch eine Lesung, die ich mit ihm in St. P\u00f6lten haben sollte, abgesagt. Da habe ich dann allein vor sehr wenigen Zuh\u00f6rern gelesen. Inzwischen ist das ber\u00fchmte Gras \u00fcber die Geschichte gewachsen. Manfred Wieninger schreibt wieder, es gibt die Harland Krimis mit Marek Miert, die eigentlich in St. P\u00f6lten spielen, ein Lexikon der St. P\u00f6ltner Stra\u00dfennamen,  er hat auch das  Nazi Lager bei den Viehofener Seen aufgedeckt und eine gro\u00dfe Aktion geplant, wo demn\u00e4chst alle St. P\u00f6ltner Haushalte eine Postkarte mit der Nachricht &#8220;Ich bin gesund, es geht mir gut!&#8221;, das, was die H\u00e4ftlinge schreiben durften, bekommen werden.<br \/>\nDie zweite Plagiatsgeschichte habe ich selbst entdeckt und zwar in der Schreibwerkstatt der Gewerkschaft, die ich einige Jahre besucht habe. Da gab es ein Ehepaar, deren Texte mir eigentlich positiv aufgefallen sind, das sehr bewundert wurde, weil es im &#8220;Augustin&#8221; publizierte. Jetzt habe ich die Schreibwerkstatttexte des Augustins gar nicht so oft gelesen. Den Text der Frau H. aber schon, aus Interesse, wie sie schreibt und bin auf Bekanntes gesto\u00dfen. Beim zweiten, dritten Satz hatte ich gewu\u00dft, woher das ist. Wie weit es Wort f\u00fcr Wort von Christa Stippingers &#8220;Kress&#8221; abgeschrieben war, wu\u00dfte ich nicht, war aber doch so sicher, da\u00df ich dem Augustin eine Karte schrieb, danach sind wir nach Frankfurt zur Messe gefahren und auf dem R\u00fcckweg habe ich in Harland, in dem Wespennest, in dem der Text abgeduckt war, nachgeschaut. Er war fast Wort f\u00fcr Wort abgeschrieben, der Anfang fehlte und das Wort Schnitzel wurde einmal durch Fleischleibchen oder so ersetzt. Es gab auch einen anderen Titel. Die Helden der Geschichte waren bei Frau H. ein t\u00fcrkisches Ehepaar und das ist lustig, denn der Kress ist ein \u00f6sterreichischer Arbeiter und seine Frau eine Serbin, so hat er Dialekt geredet, sie gebrochenes serbisches Gastarbeiterdeutsch. Frau H.s T\u00fcrken taten das auch. Ich habe sie bei der n\u00e4chsten Schreibwerkstatt darauf angesprochen, ihre Reaktion war sehr verwundert und ich habe mich gewundert, da\u00df die Texte Wort f\u00fcr Wort \u00fcbernommen und daher sehr leicht nachweisbar waren.<br \/>\nDann gibt es noch den vorigen Ohrenschmaus, wo das Siegergedicht, zum Gl\u00fcck, noch bevor es auf die Zotter-Schokolade-Schleife kam, als von Astrid Lindgren erkannt wurde.<br \/>\nBei &#8220;Axolotl Roadkill&#8221; ist das anders. Das ist ja, wenn ich es richtig verstanden habe, kein echtes Plagiat, sondern die sehr junge Autorin hat, wie sie auch angab, im Stil der Nullerjahre, in denen sie aufgewachsen ist, kopiert und \u00fcbernommen, &#8220;weil es ja keine wirkliche Originalit\u00e4t, nur Echtheit gibt&#8230;&#8221;<br \/>\nDabei hat sie, wie sie angab, eine Seite Zitate aus dem Buch &#8220;Strobo&#8221; des Bloggers Airen verwendet. Deef Pirmasens von Gef\u00fchlskonserve.de, der das Ganze vor einer Woche aufgedeckt hat, hat inzwischen mit dem Autor, noch viel mehr Zitate gefunden,  es wurde auch von anderen \u00fcbernommen, was die Autorin ebenfalls nicht bestritten, sondern in das Buch geschrieben hat, da\u00df alles L\u00fcge sei oder so.<br \/>\nDa stellt sich nat\u00fcrlich die Frage, wieso das Lektorat, das nicht vorher  mit der Autorin Satz f\u00fcr Satz durchgegangen ist, um alle Rechte einzuholen. In der Erstauflage fehlt der Hinweis auf den Blogger Airen, in der zweiten, die noch vor der Aufdeckung erschienen ist, wird er erw\u00e4hnt, inzwischen h\u00e4ufen sich die Entdeckungen. Ein jeder will einen bekannten Satz erkennen und auch ein Filmemacher hat sich inzwischen gemeldet und behauptet, da\u00df der Film, der vorher erschienen ist, von ihm ist.<br \/>\nVor der Entdeckung haben die \u00e4lteren M\u00e4nner, wie Maxim Biller, die Aussagekraft und das Talent der jungen Frau gelobt und waren begeistert und der Blogger Deef Pirmasens ist auf das Ganze gekommen, weil er sich sagte, da\u00df eine Sechzehnj\u00e4hrige gar nicht an den T\u00fcrstehern des Szenelokals Berghain, das in dem Buch geschildert wird, vorbeigekommen w\u00e4re. Es geht um Gewalt, Drogen und Sexerfahrungen einer Minderj\u00e4hrigen. Ein umgekehrter Kindesmi\u00dfbrauch also, denn eigentlich sollte eine Sechzehnj\u00e4hrige keine solchen Erfahrungen haben. Hat sie auch nicht, denn sie hat montiert. Wer den Vertrag unterschrieben hat, scheint auch nicht so klar zu sein, denn es gibt ja einen ber\u00fcmten Vater, der die junge Frau in die Szene hineingebracht hat und eine schwere Kindheit mit einer alkoholkranken Mutter, die bei anderen der Grundstein einer Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung ist&#8230;<br \/>\nDie interessanteste und eigentlich unertr\u00e4glichste Frage ist auch, wieso wollen wir das lesen?<br \/>\nWenn eine Sechzehn, siebzehn oder jetzt schon fast achtzehnj\u00e4hrige S\u00e4tze schreibt oder \u00fcbernimmt, bei denen es von Gewalt, Blut, Orgien, ect. nur so wimmelt, da\u00df die FAZ, die beide Textstellen gegen\u00fcberreiht, die Warnung gibt: &#8220;Achtung, die S\u00e4tze sind teilweise sexuell sehr explizit und k\u00f6nnen Gef\u00fchle der Leser verletzten!&#8221;, m\u00fc\u00dfte sich doch eigentlich das Jugendamt einschalten, statt, da\u00df es zu einem sogenannten Kultroman hochgepusht wird, der die Auflagenzahl ins Unermessliche springen l\u00e4\u00dft und Frau Hegemann so und so mi\u00dfbraucht \u00fcberbleibt und sowohl durch den Negativ- als auch den Positiv-Hype \u00fcberfordert ist. Da m\u00fc\u00dften wir uns eigentlich selber an der Nase nehmen und uns fragen, was ist los, da\u00df wir nur noch sowas lesen wollen?<br \/>\nDer andere interessante Aspekt ist, da\u00df das Buch &#8220;Strobo&#8221;, in dem der Blogger Airen, der 1981 geboren wurde und anonym bleiben will, seine eigenen Erfahrungen beschreibt, im Sommer bei einem kleinen  Untergrundverlag erschienen ist und damit l\u00e4ngst nicht so ber\u00fchmt geworden ist, sondern nur seine kleine Fangemeinde hatte. Der profitiert sicherlich davon. Helene Hegemann bleibt f\u00fcr Leipzig nominiert, ob sie den Preis gewinnt, wird spannend sein.<br \/>\nUnd im literaturcafe ist inzwischen eine F\u00e4lschung des Sternaufmachers von 1971, &#8220;374 Schriftsteller erkl\u00e4ren \u00f6ffentlich, wir haben abgeschrieben&#8221;, wo die Portraits von G\u00fcnther Grass ect zu sehen sind, erschienen. Literaturcafe.de hat dazu geschrieben, da\u00df das die Leute f\u00fcr echt gehalten und sich nur emp\u00f6rt haben, da\u00df Goethe darauf zu sehen ist.<br \/>\nNoch etwas ist interessant, es gibt inzwischen einen neuen Artikel bei literaturcafe und da geht es, um ein anderes Buch und zwar um &#8220;M\u00f6chtegern&#8221; von Milena Moser. Da wird ein Thema aufgegriffen, mit dem ich mich auch schon lang besch\u00e4ftige und zwar  auf eine sehr explosive Art, n\u00e4mlich mit einer Casting Show f\u00fcr M\u00f6chtegernautoren, wo eine \u00e4ltere Autorin, die zuf\u00e4llig ein Buch namens &#8220;Road Kill,&#8221; die Zuf\u00e4lle h\u00e4ufen sich, wie man sieht, geschrieben hat, in eine solche Show gehen und das beste Talent unter den hoffnungsvollen Kanditaten herausfiltern soll. In dem Roman scheint sich die Heldin Mimosa Mein, wie ich der Leseprobe entnommen habe, anders zu entscheiden, der Verlag und das Literaturcafe haben aber eine eigene Schreibshow daraus gemacht. Man bekommt eine Aufgabe, kann seinen Text dazu hinschicken und einer gewinnt ein Seminar bei Milena Moser in der Schweiz und bekommt die Reise dazu bezahlt. Bei Face book und bei Twitter kann man das Ganze auch verfolgen. Die Aufgabe  dieser Woche ist: &#8220;Beschreiben Sie eine schlaflose Nacht!&#8221;<br \/>\nIch machs vielleicht f\u00fcr meinen n\u00e4chsten Text, hinschicken werde ichs,  gaube ich, nicht, denn da habe ich sicher keine Chance und \u00fcber das erfolglose Schreiben und \u00fcber Verwechslungen habe ich schon viel geschrieben. Da das jetzt schon lang ist, nur zwei Beispiele. In der Volksstimmeanthologie 1998, gibt es die Erz\u00e4hlung &#8220;Die Verwechslung&#8221;, die ich geschrieben habe, nachdem es damals so ein Marktgeheimnis, um einen Peter Handke Roman gab. Da geht die erfolglose Autorin in eine Buchhandlung und findet dort ihr Manuskript in dem Buch eines ber\u00fchmten Autors. In &#8220;Wilden Rosenwuchs&#8221; kommt das in l\u00e4ngerer Form nochmals vor.<br \/>\nDas Thema Schreiben hat viele Aspekte und ist sehr interessant. Der Urheberschutz ist einer davon, ein anderer, wie mu\u00df man hei\u00dfen, aussehen, alt sein, schreiben, um Erfolg zu haben, der Dritte nat\u00fcrlich, wie geht es der jungen Frau und f\u00fcr mich sehr interessant, warum ist nur das (gute) Literatur, das sehr gewaltt\u00e4tig ist???<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch von mir ein Beitrag zu &#8220;Helene Hegemann&#8221;, denn mit den Themen plagiatieren, Jungstars, gehypte und \u00fcbersehene Literatur habe ich mich schon lang besch\u00e4ftigt und meine Erfahrungen damit gemacht. So kann ich mich an drei Plagiate erinnern. 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