{"id":2824,"date":"2010-02-16T23:02:48","date_gmt":"2010-02-16T22:02:48","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=2824"},"modified":"2010-02-16T23:02:48","modified_gmt":"2010-02-16T22:02:48","slug":"andrea-winkler-lesung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2824","title":{"rendered":"Andrea Winkler Lesung"},"content":{"rendered":"<p>Heute eine Sprachakrobatin in der alten Schmiede. Andrea Winklers Lesung aus &#8220;Drei, vier T\u00f6ne, nicht mehr&#8221;.<br \/>\nKurt Neumann hat wieder eingeleitet. Vorher hat er auf den Zsolnay Lektor Herbert Ohrlinger gewartet, mit dem war ich einmal in einer Jury f\u00fcr das Nachwuchsstipendium, 1992, da hat sich Andrea Winkler nicht beworben und ich ihren Namen noch nicht gekannt. Es war sehr voll  im Schmiedemuseum. Gerade noch den letzten Platz bekommen, vor mir ist Friedrich Achleitner gesessen und hat auf eine Frau gewartet.<br \/>\n&#8220;Drei, vier T\u00f6ne, nicht mehr&#8221;, ist der dritte Prosaband, der 1972 in Freistadt geborenen Autorin.<br \/>\n &#8220;Arme N\u00e4rrchen&#8221; und &#8220;Hanna und ich&#8221;, erschienen vorher, dann gibts noch ein Buch \u00fcber die &#8220;Poetologischen Denkwege zu Friederike Mayr\u00f6cker&#8221;.<br \/>\nAndrea Winkler ist eine, hat Kurt Neumann erkl\u00e4rt, die die Sprache nicht als Transportmittel f\u00fcr beliebige  Botschaften ben\u00fctzt, sondern als Substanz dessen, was sich Menschen mitteilen k\u00f6nnen. Sprache als Welt, Welt als Sprache. Etwas, was ich schon wu\u00dfte, habe ich mir im Vorjahr ja die Bachmannlesungen angeh\u00f6rt und in meiner Parodie darauf, ein bi\u00dfchen die Winklerische Sprache ben\u00fctzt. Es ist mir  nat\u00fcrlich nicht gelungen, aber ich wu\u00dfte, was mich erwartet und Christiane Zintzen war in ihren Blog auch ganz sicher, da\u00df kein Juror an der Dame Winkler vorbeigehen kann. Wie wir inzwischen wissen, konnte man, aber das mit der Sprachk\u00fcnstlerin stimmt, obwohl ich keine Freundin der blo\u00dfen Wortr\u00e4usche bin.<br \/>\n&#8220;Drei, vier T\u00f6ne, nicht mehr,- elf Rufe&#8221;, hat Andrea Winkler dazugelesen und erkl\u00e4rt, da\u00df sie aus der Textsammlung den ersten und den letzten Text lesen wird. Dann ist es losgegangen, das Erz\u00e4hlen, in dem das Erz\u00e4hler-Ich von einem &#8220;Palais mit einer Freitreppe und Rosenst\u00f6cken an beiden Seiten spricht&#8221;, einen Dialog mit einem Du f\u00fchrt und immer &#8220;Bretter aus einen Kasten nehmen will, um daraus ein Flo\u00df zu bauen und auf Reisen zu gehen&#8221; und &#8220;Das bin ich nicht, das ist mein Zorn, das ist meine Angst!&#8221;, ist auch immer wieder vorgekommen. Immer wieder diese S\u00e4tze eingebettet in viele andere, sehr melodisch und sehr sch\u00f6n, ohne Sinn und Handlung, ohne Geschichte und Weltgeschehen, wie ich schon von Klagenfurt wu\u00dfte und es auch nicht  erwartete, obwohl es einer realistischen Schreiberin nat\u00fcrlich fehlen mu\u00df. Igendwo verwandelte sich der Dialog zu einem Monolog,  das Flo\u00df, die Bretter und das Palais blieben da und ich dachte, das ist jetzt ein langer Text oder ist es schon der zweite?, als Andrea Winkler mit &#8220;Ein Buch das langsam verklingt&#8221; zum Ende kam.<br \/>\nDann folgte ein Gespr\u00e4ch \u00fcber das gewaltigen Sprachmonument, das Katja Gasser mit der Frage einleitete &#8220;Was hei\u00dft hier erz\u00e4hlen?&#8221; und klagte, da\u00df sie in einer Umgebung lebt, die die gro\u00dfen geschlossenen Texte, handfeste Prosa und  gewaltige Jahrhundertromane fordert, aber das gibt es hier nicht. Aber gibt es einen Erz\u00e4hlanla\u00df?<br \/>\n&#8220;Doch!&#8221;, antwortete Andrea Winkler und l\u00e4chelte fein.<br \/>\n&#8220;Den Satz, sehen Sie dahinten ein Palais?, hat mir ein Freund erz\u00e4hlt!&#8221;, sprach von einem Ich, das sich nicht festhalten lassen will und beantwortete  die Frage, was und wieviel  Wirklichkeit, die Kritiker in ihre Prosa hineininterpretieren und, wie sie mit dem Vorwurf umgehen w\u00fcrde, da\u00df es keine handfeste Prosa ist?, da\u00df sie es nicht nicht anders kann und Kurt Neumann beeilte sich zu erkl\u00e4ren, da\u00df Andrea Winklers politische Botschaft, das Bewu\u00dftsein der Spracheingebung ist und ich dachte, da\u00df man beides versuchen sollte,  die Handlung und die sch\u00f6ne Sprache, was vielleicht nicht so einfach ist, sonst w\u00e4re es schon geschrieben&#8230;.<br \/>\nDer Wartholzer Siegertext von 2008 tr\u00e4gt \u00fcbrigens diesen Titel, woran man sehr gut sehen kann, wie literarisches Arbeiten passiert. Eine Geschichte der sp\u00e4teren Textsammlung in Wartholz vorgetragen und gewonnen, eine andere 2009 in Klagenfurt und damit \u00fcbergeblieben.<br \/>\n&#8220;Es hat mir sehr gefallen, obwohl es nicht das Meine ist!&#8221;, hat Thomas Northoff im Zeitschriftensaal erkl\u00e4rt und ich schlie\u00dfe mich ihm an. Nat\u00fcrlich ist es sch\u00f6n in der Sprache gebadet zu werden und sich mit wortgewaltigen S\u00e4tzen bewerfen zu lassen, auch wenn ich anders schreibe, das zwar realistischer, aber nicht so sprachgewaltig ist. Es ist schon ein Dilemma mit der Literatur, da\u00df die Gewalt in der Winklerischen Prosa aber fehlt, ist  positiv und bez\u00fcglich der Plagiatsdebatte ist noch etwas geschehen.<br \/>\nEs wurde in der letzten Woche ein zweiter Plagiatsskandal entdeckt und das ist wohl ein wirklicher und zwar hat Piper am 10. 2. den Krimi &#8220;D\u00f6ner for one&#8221; von Jens Lindner vom Markt genommen. Im Dezember ist das Buch erschienen,  am 27. 12. hat es ein Blogger besprochen und dabei entdeckt, da\u00df es mit anderen Personen  &#8220;Einmal ist keinmal&#8221; von Janet Evanovich nacherz\u00e4hlt. Er hats den Verlagen gemeldet und auf Jens Lindners Homepage gibt es eine Stellungnahme, die mich an den &#8220;Wilden Rosenwuchs&#8221; erinnert, obwohl das kein Plagiat ist, denn das Buch wurde 2006 geschrieben und Jens Lindner kennt es sicher nicht.<br \/>\nHat aber, wie er schreibt, seine Texte immer wieder zur\u00fcckbekommen, dann eine Leseprobe mit dem Evanovich Plot an eine Agentin geschickt, die wollte das ganze Manuskript, er hatte keines und auch keine Zeit es zu schreiben, so hat er den Roman als Grundlage genommen und Piper hat gleich angebissen&#8230;.<br \/>\nBei mir war es eine schwedische Erfolgsautorin mit einer Schreibblockade, die in einem Verlagsregal, das abgelehnte Manuskript einer verstorbenen Maria Schneider entdeckt und es mitnimmt, um die Ideen der Autorin aufzugreifen, aber keine Zeit hat, so da\u00df sie es nur auf Schwedisch \u00fcbersetzt&#8230; <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute eine Sprachakrobatin in der alten Schmiede. 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