{"id":2832,"date":"2010-02-19T00:25:44","date_gmt":"2010-02-18T23:25:44","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=2832"},"modified":"2010-02-19T00:25:44","modified_gmt":"2010-02-18T23:25:44","slug":"silberbote","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2832","title":{"rendered":"Silberbote und offener B\u00fccherschrank"},"content":{"rendered":"<p>Ein Abend im Literaturhaus in Memorian Ernst Sch\u00f6nwiese, dem Begr\u00fcnder der ber\u00fchmten Literaturzeitschrift, die  von 1936-1936 und dann noch einmal von 1946-1952 existierte.<br \/>\nVorher wollte ich mir den offenen B\u00fccherschrank ansehen, den es seit 5. Februar in der Zieglergasse, Ecke Westbahnstra\u00dfe gibt.<br \/>\nDa steht ein schr\u00e4ger Kasten voller B\u00fccher auf der Stra\u00dfe und man kann sich nehmen oder hinbringen was man will. Leselustfrust hat vorige Woche davon berichtet.  Die Meinungen zu dieser Aktion sind eher skeptisch. Man bef\u00fcrchtet Vandalismus und Flohmarktverk\u00e4ufer, dagegen gibts eine wei\u00dfe Schleife auf den B\u00fcchern. Ich finde es toll, denn ich stehe ja auf Gratisb\u00fccher und kenne auch gen\u00fcgend Leute, die ihre B\u00fccher loswerden wollen.<br \/>\nAlso w\u00e4re es gut, wenn die  Leute den Kasten mit den zweihundert B\u00fccher einfach stehen und die, die das wollen, sich daraus bedienen lassen, denn man mu\u00df ja nicht unbedingt hineinkotzen oder den Inhalt zerst\u00f6ren, denke ich und es war auch alles sehr geordnet, als ich um halb sieben eingetroffen bin.<br \/>\nAllerdings ist es bezeichnend, da\u00df der Begr\u00fcnder dieser Aktion, Frank Gassner, 1700 Euro f\u00fcr die Material-  und Beh\u00f6rdenkosten brauchte und das Projekt des Vereins Werkimpuls  nur bis Juni bewilligt ist. Sollte man doch meinen, da\u00df es relativ einfach ist, seine alten B\u00fccher irgendwohin zu stellen, so da\u00df sich die, die sie lesen m\u00f6chten,  sie nehmen k\u00f6nnen.<br \/>\nRuth Asp\u00f6ck war vor mir da und hat ein paar Restexemplare ihrer Donau Edition hinterlassen. Wer daran interessiert ist, hingehen.<br \/>\nRudolf Brunngrabers &#8220;Zucker aus Cuba&#8221; habe ich gesehen und noch einiges anderes. Ich habe auch etwas gefunden und ein doppeltes Morgenschtean Exemplar hinterlassen.  Martin Suters &#8220;Business Class&#8221; und Schalom Asch &#8220;Die Zauberin von Kastilien&#8221; aus dem Jahr 1929, z.B. Da st\u00f6rt der wei\u00dfe Aufkleber allerdings ein bi\u00dfchen auf dem sch\u00f6nen alten Buch.<br \/>\nIm Literaturhaus war es sehr voll. Viele \u00e4ltere Leute, die ich noch nie gesehen habe.  Norbert Leser und einige Stammbesucher nat\u00fcrlich schon. Hubert Christian Ehalt hat eingeleitet und davon erz\u00e4hlt, da\u00df die Wiener Vorlesungen, die den Abend mitgestaltet haben, f\u00fcr das Querdenken und das Sperrige stehen und man sich das auch von diesen Abend erwarten d\u00fcrfe. Nun habe ich Ernst Sch\u00f6nwiese bisher nicht als Querdenker gesehen, sondern f\u00fcr eher konservativ gehalten.<br \/>\nVon Joseph P. Strelka, der den Sch\u00f6nwiese Band &#8220;Kunstprosa&#8221;, herausgegeben hat, die anderen bei Beerenkamp erschienenen B\u00e4nde, wurden noch von Paul Wimmer herausgegeben, habe ich, hab ich gerade in meinem Katalog gesehen, die Anthologie &#8220;Das zeitlose Wort&#8221; aus dem Jahr 1964 und ein noch \u00e4lteres Abverkaufb\u00e4ndchen \u00fcber &#8220;Kafka, Musil, Broch&#8221;.<br \/>\nDas scheinen auch die Vorlieben des 1905 geborenen und 1991 verstorbenen Ernst Sch\u00f6nwiese gewesen sein. In einem Arbeiterhaushalt wurde er geboren und war in der ber\u00fchmten Volkshochschule in der Zirkusgasse t\u00e4tig und in einem Intellektuellen Stammtisch im Kaffee Herrenhof. Die erste Auflage des Silberbootes, in dem Kafka, Broch und Musil ver\u00f6ffentlicht wurden, ist 1935 bis 1936 erschienen und wurde, wie Joseph P.Strelka gen\u00fc\u00dflich referierte, von der deutschen Reichsbank unterst\u00fctzt.<br \/>\nDann kam das Exil in Budapest und die R\u00fcckkehr nach dem Krieg, da wurde Sch\u00f6nwiese Programmdirektor des Senders Rotwei\u00dfrot, hat noch einmal das  Silberboot herausgebracht, selbst geschrieben und sich der Mystik zugewandt.<br \/>\nAlexandra Millner hat den Abend moderiert und die Vortragenden vorgestellt. Ursula Seeber vom Literaturhaus, die \u00fcber Sch\u00f6nwiese dissertierte. Dann kam eine junge Frau und erz\u00e4hlte, da\u00df sie, als sie Germanistik studierte, kein Wort von Sch\u00f6nwiese geh\u00f6rt hat und ihn erst kennenlernte, als sie \u00fcber Mela Hartwig forschte und referierte, was Sch\u00f6nwiese der Jugend bringen k\u00f6nne.<br \/>\nAber viele jugendliche Besucher habe ich nicht gesehen. Daf\u00fcr waren  Eleonore Zuzak und ihr Bruder da, so da\u00df ich jemand hatte mit dem ich mich unterhalten konnte. Mit Alexandra Millner und Nahid Bagheri-Goldschmied habe ich auch gesprochen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Abend im Literaturhaus in Memorian Ernst Sch\u00f6nwiese, dem Begr\u00fcnder der ber\u00fchmten Literaturzeitschrift, die von 1936-1936 und dann noch einmal von 1946-1952 existierte. Vorher wollte ich mir den offenen B\u00fccherschrank ansehen, den es seit 5. 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