{"id":2858,"date":"2010-02-21T22:09:02","date_gmt":"2010-02-21T21:09:02","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=2858"},"modified":"2010-02-21T22:09:02","modified_gmt":"2010-02-21T21:09:02","slug":"willi-auf-kur","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2858","title":{"rendered":"Willi auf Kur"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Kunstst\u00fcck, denn wie bespricht man ein Buch, das genau achtzig Seiten hat, handgeschrieben, wie ein Schulsch\u00f6nschreibheft und von Zierleisten, Zeichnungen, Kreisen, Sonnen, Wellenlinien, umgeben ist?<br \/>\nErraten, es geht um &#8220;Willi auf Kur&#8221; von Rudolf Lasselsberger,  erschienen 2007, in der Fr\u00f6hlichen Wohnzimmer Edition. Die achtzig Seiten waren Auflage des Verlags und ob mir das Kunstst\u00fcck gelungen ist, wird mir vielleicht der Autor schreiben, liest er ja regelm\u00e4\u00dfig das Literaturgefl\u00fcster und ist bekannt f\u00fcr seine Kommentare.<br \/>\nDas Besprechen von Fr\u00f6hlichen Wohnzimmer B\u00fcchern ist \u00fcberhaupt nicht einfach, bei Peter Pessls &#8220;Der Brief mit der Aufschrift&#8221;,  habe ich mich noch gedr\u00fcckt. Aber ich habe mir am ersten J\u00e4nner vorgenommen, da\u00df ich jedes gelesene Buch besprechen will und  behauptet, da\u00df ich das auch kann.<br \/>\nNun denn, Willi ist brav und f\u00e4hrt auf Kur nach Bad Hall, nach dem er einen Unfall hatte,  bezahlt an der Rezeption 385 Euro 89, bezieht sein Zimmer, kontrolliert den Blutdruck, freut sich auf das Mittagessen, besucht vielleicht am Nachmittag die Tassilo-Therme und nimmt bei der Moorpackung die Badehaube&#8230;<br \/>\nDer Egger Hans aus Bad Goisern und 73, erwischt ihn manchmal beim S\u00fcndigen in der Konditorei, wo es Apfelstrudel oder Brandteigkrapferl gibt und will nichts auf Cassette sprechen, weil er ein ganz normales Leben gehabt hat und es nichts zu Erz\u00e4hlen gibt.<br \/>\nIn der Rezension von Helmuth Sch\u00f6nauer steht etwas von angesoffenen Kur\u00e4rzten, die es in der klassischen \u00f6sterreichischen Literatur \u00fcber Kurorte geben soll, aber nicht bei Rudolf Lasselsberger. Es kommt auch kein Kurschatten vor, wohl aber das Rauschen des Regens und  Nachrichten \u00fcber Israel, der Hisbollah und der Waffenlobby und nat\u00fcrlich die Speisepl\u00e4ne, die Mittag und die Abendessen tauchen regelm\u00e4\u00dfig im Kuralltag auf.<br \/>\n&#8220;Semmelkn\u00f6del mit Champigonsauce, Salat vom Bufett, Reisauflauf mit Kompott.&#8221;<br \/>\nDann kommt das Denken an den Postdienst und die Schwierigkeiten mit dem Vorgesetzten, die den Braven erwarten, wenn die Kur vor\u00fcber ist. Davor allerdings noch das \u00e4rztliche Abschlu\u00dfgespr\u00e4ch und die Unzufriedenheit des Herrn Doktors, denn die Blutwerte sind an der Grenze, aber immerhin zwei Kilo  abgenommen, denn wir wissen es schon, Rudolf Lasselsberger hat es \u00f6fter wiederholt, Willi ist brav.<br \/>\nDann gibt es die zweite Ebene, da sitzt der Autor, ein paar Monate sp\u00e4ter im Cafe Eiles und bem\u00fcht sich akribisch seinen Seitenauftrag zu erf\u00fcllen und alles so sch\u00f6n, wie m\u00f6glich hinzuschreiben.<br \/>\n&#8220;Und sch\u00f6n schreiben, hast gh\u00f6rt!? Und sonst gehts dir gut, ja? Na dann. Genau.&#8221;<br \/>\nDiesen Auftrag h\u00e4lt er manchmal nicht ein und so ist das Lesen  ziemlich anstrengend, wechselt die Schrift doch von klein zu gr\u00f6\u00dfer  ziemlich oft hin\u00fcber und manchmal wird der Einser f\u00fcr die Sch\u00f6nschrift, vielleicht doch nicht ganz gewonnen und da Rudi Lasselberger ein bi\u00dfchen ungew\u00f6hnlich abzuteilen pflegt, ist das Lesen ganz sch\u00f6n schwierig. Daf\u00fcr verw\u00f6hnt er uns mit seinen Zeichnungen und hat,  wohl um die Seiten aufzuf\u00fcllen, seine Gasthausrechnungen und Kurprogramme eingedruckt und als H\u00f6hepunkt ein Autogramm von Hermann Nitsch.<br \/>\nEin Bericht des Alltagslebens also. Ein bissi e\u00dfen, trinken, zunehmen, abnehmen, Trinkgeld geben, die Beziehungsproblematik kommt auch  gelegentlich vor. Und dann die Lasselsbergersche Sprache, die irgendwie eine besondere ist, dankebitte, ein bissi, ach was&#8230;<br \/>\nDen Lasselbergerschen Aktionismus habe ich schon in meinen Lesungsbericht \u00fcber die M\u00e4nner in Schwierigkeiten, in der alten Schmiede am 2.2. beschrieben und den Rudi Lasselsberger kenne ich schon ziemlich lang.<br \/>\n1956 wurde er in N\u00d6 geboren, lebt in St. Leonhard am Forst und in Wien, seit 1981 ist er in der GAV, 1987\/88 war er Linzer Geschichtenschreiber, da hab ich ihn auch kennengelernt, denn 1987 wurde ich zur Schreibwerkstatt des Max von der Gr\u00fcn Preises  eingeladen. Und in Linz war man mit dem Rudi damals nicht sehr zufrieden, hat er doch seine Stadtschreiber Geschichten, die er f\u00fcr die Ober\u00f6sterreichischen Nachrichten oder so verfassen sollte,  so kritisch ausgef\u00fchrt, da\u00df sie ihn, wenn ich jetzt nichts Falsches fl\u00fcstere, wieder ausgeladen haben. Ist er ja ein Aktionist, schmei\u00dft mit Mozartkugeln und Erdn\u00fcssen ins Publikum und schreibt Mails an den Falter, in denen er sein Buch und das Literaturgefl\u00fcster preist und etwas von einem Fortsetzungsband &#8220;Mein Jahr mit Willi&#8221; verk\u00fcndet.<br \/>\nWo der erscheinen wird, ist vielleicht noch nicht so klar, denn die Fr\u00f6hliche Wohnzimmer Edition, habe ich von Ruth Asp\u00f6ck geh\u00f6rt, macht nur noch Anthologien. Vielleicht bietet sich der Ritter Verlag an. Ich kann es jedenfalls empfehlen, auch wenn ich mir beim Besprechen schwer getan habe. Aber jetzt bitte ein Lob, denn der Willi haben wir geh\u00f6rt, ist ja sehr brav und schreibt sch\u00f6n in Schulschrift, meistens jedenfalls&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Kunstst\u00fcck, denn wie bespricht man ein Buch, das genau achtzig Seiten hat, handgeschrieben, wie ein Schulsch\u00f6nschreibheft und von Zierleisten, Zeichnungen, Kreisen, Sonnen, Wellenlinien, umgeben ist? Erraten, es geht um &#8220;Willi auf Kur&#8221; von Rudolf Lasselsberger, erschienen 2007, &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2858\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-2858","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2858","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2858"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2858\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2858"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2858"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2858"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}