{"id":2867,"date":"2010-02-25T22:31:46","date_gmt":"2010-02-25T21:31:46","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=2867"},"modified":"2010-02-25T22:31:46","modified_gmt":"2010-02-25T21:31:46","slug":"jonke-und-jung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2867","title":{"rendered":"Jonke und Jung"},"content":{"rendered":"<p>In der alten Schmiede gab es heute einen gemischten Abend. Jochen Jung las zuerst aus seiner Novelle &#8220;Das s\u00fc\u00dfe Messer&#8221; und stellte dann  mit Kurt Neumann und Klaus Amann den neuen Gedichtband von Gert Jonke &#8220;Alle Gedichte&#8221; vor.<br \/>\nEine Lesung des &#8220;S\u00fc\u00dfen Messer&#8221;, des ehemaligen Residenz-Verlegers habe ich schon im September bei &#8220;Rund um die Burg&#8221; geh\u00f6rt.<br \/>\nEs ist das vierte Buch des Verlegers und Kritikers, den Kurt Neumann als leidenschaftlich literarischen Menchen vorstellte.<br \/>\nDas erste war eine M\u00e4rchensammlung &#8220;Ein dunkelblauer Schuhkarton&#8221;. Da war ich, glaube ich, bei der Lesung bei Buch und Wein in der Sch\u00e4ffergasse oder war das schon die Pr\u00e4sentation des Erz\u00e4hlbandes &#8220;Alles Fieber&#8221;?<br \/>\nDas wei\u00df ich nicht mehr so genau, nur, da\u00df an dem Tag eine andere gro\u00dfe Veranstaltung war und da\u00df es bei der Lesung, um eine Busfahrt gegangen ist. Dann gabs noch den Roman &#8220;Venezuela&#8221;, erschienen 2005, der an mir vorbeigegangen ist. Da\u00df der Verleger von vormals Residenz, der in den Siebziger- und Achtzigerjahren,  der \u00f6sterreichische Verlag war, seit dem Rausschmi\u00df Jung u. Jung,  selber schreibt, wie in Deutschland Michael Kr\u00fcger, ist sehr interessant. F\u00fcr mich besonders, denn ich habe in den Siebziger- und Achtzigerjahren alle meine Manuskripte an Residenz geschickt und zur\u00fcckbekommen, denn Jochen Jung hat gro\u00dfe Anspr\u00fcche und nahm nicht jeden, nur Jonke, Bernhard, Frischmuth, Henisch ect.<br \/>\nJetzt schreibt er selber und macht wohl die Erfahrung, da\u00df er auch mit Wasser kocht und die Novelle von dem s\u00fc\u00dfen Messer, Kurt Neumann hat sie in der Einleitung sehr gelobt, ist, w\u00fcrde ich mal sagen, durchaus traditionell im Stil.<br \/>\nEs geht um einen Tag im Leben einer f\u00fcnfzigj\u00e4hrigen Frau, die eine Tochter und einen Malermeister als Liebhaber hat. Am Abend soll ihr Geburtstag gefeiert werden, am Morgen holt sie ihre Tochter aus dem Krankenhaus ab, lernt in der Tiefgarage einen Versicherungsanwalt kennen, der ihr den Finger in der Autort\u00fcr einzwickt, daf\u00fcr v\u00f6gelt sie ihn am Nachmittag, w\u00e4hrend er im Lehnstuhl mit seiner toten Frau Agnes spricht, ihr alles erz\u00e4hlt und die beste Flasche Wein \u00f6ffnet,  hat er sich doch vorgenommen, wenn ich wieder eine Frau v\u00f6gle, mache ich sie auf. Nach dem Geburtstagsessen zu viert, gibt es Blut im Wohnzimmer, Ute bleibt allein zu\u00fcck und hat beim Einschlafen, die Vision, es mit zwei Liebhabern zu versuchen.<br \/>\nDie Fantasien eines \u00e4lteren Mannes w\u00fcrde ich mal sagen. Dann kam die Sensation, n\u00e4mlich ein Gedichtband von Gert Jonke, der bislang keinen solchen hatte.  Jochen Jung wollte einen machen, hat Klaus Amann von der Uni Klagenfurt kontaktiert und der dachte zuerst, es gibt nur zehn. N\u00e4mlich das vom &#8220;Lendkanal&#8221;, das Jonke gern nach Lesungen las und dann noch ein paar andere, bis er auf eine K\u00e4rntner Literaturzeitschrift der Sechzigerjahre gesto\u00dfen ist, in der der junge Jonke mit dem jungen Werner Kofler Gedichte ver\u00f6ffentlicht hat.<br \/>\nDer eine war siebzehn, der andere achtzehn, sie gingen zu den St. Veiter Lyriktagen und trugen ihre Gedichte vor, was Koflers Lehrer sehr mi\u00dffiel und auch Jonkes Gro\u00dfmutter bangte, um den Schulerfolg des Enkelsohns. Sie ging aufs Jugendamt und Jonkes Vormund bestellte ihn zu sich und erteilte Schreibverbot, so da\u00df keine Gedichte mehr erschienen sind, sondern erst der &#8220;Geometrische Heimatroman&#8221; nach der Vollj\u00e4hrigkeit. Dann kam der Bachmannpreis. Jonke \u00fcbersiedelte nach Wien, viele B\u00fccher und St\u00fccke entstanden, aber nicht mehr viele Gedichte, obwohl Jonke diese \u00f6fter aus den Prosast\u00fccken herausmontierte und sie mit ver\u00e4nderter Zeilensetzung, ansonsten unver\u00e4ndert, ver\u00f6ffentlichte, denn Jonkes Prosa ist sehr lyrisch. Er wollte  immer die Ratio mit der Emotion verbinden, sah das als seinen Schreibauftrag und betrachtete sein Schreiben als Forschungsauftrag, wie Klaus Amann in seinem Vorwort erw\u00e4hnte.<br \/>\nDie alte Schmiede war nicht besonders voll, aber einige bekannte Dichtergesichter habe ich doch gesehen. Julian Schutting, Thomas Northoff, Herbert J. Wimmer, Heinz R. Unger und die Brigitte, die Nachbarin der Familie Lindner, die mir erz\u00e4hlte, da\u00df sie mit Gert Jonke befreundet war.<br \/>\nJochen Jung hat in seiner Einleitung erw\u00e4hnt, da\u00df er es als Ehre betrachtet, als Vorprogramm f\u00fcr Gert Jonke zu fungieren und vor so vielen Autoren zu lesen. Ich war auch eine davon, obwohl Jochen Jung mich nicht pers\u00f6nlich kennt, mir nur in den Achtzigerjahren emp\u00f6rt geschrieben hat, als ich ihm auf Anraten  Gerald Bisingers &#8220;Zwischen H\u00fctteldorf und Heiligenstadt&#8221; ein zweites Mal schickte. Beim &#8220;Verr\u00fcckten Traum der Thea Leitner hat er mir als Inspiration gedient.<br \/>\nMit Gert Jonke habe ich einmal im Literaturhaus bei einer Antikriegslesung gegen den Irakkrieg gelesen, bei der Poet Night ist er auch \u00f6fter aufgetreten. B\u00fccher hab ich auch von ihm. Das &#8220;Insektarium&#8221;, &#8220;Die Schule der Gel\u00e4ufigkeit&#8221;, &#8220;Der ferne Klang&#8221;, den &#8220;Geometrischen Heimatroman&#8221;, in der Neuauflage von Jung und Jung. Einige davon stammen von den B\u00fcchert\u00fcrmen bei der Literatur im M\u00e4rz, die es leider nicht mehr gibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der alten Schmiede gab es heute einen gemischten Abend. 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