{"id":2888,"date":"2010-03-01T21:32:22","date_gmt":"2010-03-01T20:32:22","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=2888"},"modified":"2010-03-01T21:32:22","modified_gmt":"2010-03-01T20:32:22","slug":"der-nebelfurst","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2888","title":{"rendered":"Der Nebelf\u00fcrst"},"content":{"rendered":"<p>Der 2001 erschienene Roman &#8220;Der Nebelf\u00fcrst&#8221; von Martin Mosebach ist eine Farce auf das Wilhelminische Deutschland von 1898.<br \/>\nDa stolpert der verhindete Reiseschriftsteller Theodor Lerner, der sich mit Auftr\u00e4gen des Berliner Lokalanzeigers versucht, in eine \u00fcppige Dame namens Hanhaus und wird von ihr in einem schrottreifen Schiff nach Spitzbergen geschickt, um f\u00fcr Deutschland die B\u00e4reninsel zu annektieren.<br \/>\nDie Dame m\u00f6chte ihre Gesch\u00e4fte  machen und \u00fcberredet Lerners Chefredakteur diesen den Auftrag zu \u00fcbergeben, um einen verungl\u00fcckten Ballonfahrer aus dem Eismeer zu retten und beginnt in Berlin und Frankfurt die Kohlevorr\u00e4te der Insel zu verkaufen, w\u00e4hrend sich Theodor Lerner und Kapit\u00e4n R\u00fcdiger mit einem russischen Kapit\u00e4n auf der Insel herumschlagen, da dieser gleichfalls einen Anspruch auf sie hat.<br \/>\nDie Regierungen lassen die wackeren Helden in Stich, so erh\u00e4lt Lerner von Redakteur Krusenstern vom Casseler Tagblatt den Spitznamen &#8220;Nebelf\u00fcrst&#8221; und trifft auf der R\u00fcckfahrt im Zug ein Bankierehepaar aus L\u00fcbeck mit der rauchenden Nichte Ilse.<br \/>\nIn Frankfurt wartet schon Frau Hanhaus mit ihrem Sohn Alexander, quartiert sich in Pensionen und Hinterh\u00f6fen ein und macht Gesch\u00e4fte mit der Insel. Theodor stolpert mit und verliebt sich in die schwarze Varieteek\u00fcnstlerin des Schumann-Theaters Mademoiselle Louloubou. Aus dieser Liebe wird nichts und auch nichts aus der zu der wiedergefundenen Ilse.<br \/>\nDazu h\u00e4lt ihn Frau Hanhaus zu sehr auf Trab und auch Alexander intrigiert geschickt hinein. So wird das Geld knapp und die Polizei ist den dreien auf den Fersen, es gibt zwar einen Herrn  Sholto Douglas, aber der verschwindet unverrichteter Dinge, so da\u00df die gesch\u00e4ftst\u00fcchtige Dame auf die Idee kommt, den Zoodirektor Dr. Heck, die Eisb\u00e4ren der B\u00e4reninsel zu verkaufen. Leider wird Alexander noch vor dem Abschlu\u00df verhaftet, so da\u00df aus dem Gesch\u00e4ft nichts wird. Frau Hanhaus beschlie\u00dft daraufhin Russin zu werden und l\u00e4chelt sich einen russischen Botschafter an, w\u00e4hrend Theodor Lerner ins Reiseb\u00fcro des Karl Riesel geht und sich von dem sch\u00f6nen Fr\u00e4ulein Ilse, die Verbindungen zur B\u00e4reninsel mit der Hurtig Route heraussuchen l\u00e4\u00dft. Theodor Lerners geprellter Bruder, der Apotheker von Linz am Rhein, erh\u00e4lt daraufhin einen Brief, da\u00df dieser mit dem Reiseb\u00fcro einen Vertrag abgeschlossen hat, Gesellschaftsreisen und Sporttouren nach Norwegen, zur B\u00e4reninsel und Spitzwegen zu arrangieren, w\u00e4hrend seine Gattin Ilse ihm einen kleinen Vaterlandsverteidiger geb\u00e4ren wird, obwohl es ja in Deutschland, wie sich Theodor sicher ist, nie mehr Krieg geben wird&#8230;<br \/>\nSo weit so gut, die Farce des Martin Mosebachs \u00fcber das koloniale Denken im Wilhelminischen Deutschland, wenn nicht in Wikepedia und in Meyers Konversationslexikon stehen w\u00fcrde, da\u00df es wirklich einen Theodor Lerner gegeben hat, der 1989 im Auftrag eines Hamburgers Syndikats, die B\u00e4reninsel in deutschen Besitz nahm.<br \/>\nOb er dabei \u00c4hnliches wie Mosebachs Romanfiguren erlebte, wei\u00df ich nicht. Er hat jedenfalls 1902, die Dichterin Ilse von Stach geheiratet, von der er sich aber wieder scheiden lie\u00df.<br \/>\n1931 ist er in Frankfurt am Main gestorben, eine Inselgruppe in der Liefde Bai und einem Kap am K\u00f6nig Karl Land in Spitzbergen ist jedenfalls nach ihm genannt und der 1951 in Frankfurt geborene Jurist und Schriftsteller Martin Mosebach, der 2007 den B\u00fcchner Preis bekommen hat, ist, wie ich Wikipedia entnehme, in den verschiedensten literarischen Genres t\u00e4tig.<br \/>\nDurch den B\u00fcchnerpreis bin ich auf ihn aufmerksam geworden, bei Buchlandung habe ich das Buch um einen Euro gekauft und noch eines, das &#8220;Mein Frankfurt&#8221; hei\u00dft und ein literarischer Stadtf\u00fchrer ist, das ich noch nicht gelesen habe, mir aber, als ich es vorhin durchbl\u00e4tterte, interessant erschienen ist. Das w\u00e4re die passende Lekt\u00fcre f\u00fcr eine  Frankfurt-Reise, aber das, habe ich mir vorgenommen, tue ich erst wieder, wenn mich jemand dorthin zum Lesen einl\u00e4dt.<br \/>\nVon dem 2007 erschienenen Roman &#8220;Der Mond und das M\u00e4dchen&#8221;, in dem er, wie ich gerade gelesen habe, seine Hassliebe zu Frankfurt abgearbeitet hat, habe ich im Ex Libris geh\u00f6rt und Sigrid L\u00f6ffler meint, habe ich weiter gelesen, &#8220;Mosebach schreibe in einem sehr verschmuckten und verspreizten Prunkstil mit affektierten Vokabeln und verzopften Phrasen aus der b\u00fcrgerlichen Mottenkiste des neunzehnten Jahrhunderts&#8230;&#8221;<br \/>\nEin wenig antiquiert habe ich Stil auch gefunden und vielleicht ein bi\u00dfchen zu parodistisch ausformuliert.  Gustav Seibt nennt das Buch  &#8220;Einen brillanten Hochstaplerroman&#8221; und ich habe ein wenig gelernt \u00fcber das neunzehnte Jahrhundert und auch etwas \u00fcber eine Frankfurt-Liebe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 2001 erschienene Roman &#8220;Der Nebelf\u00fcrst&#8221; von Martin Mosebach ist eine Farce auf das Wilhelminische Deutschland von 1898. 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