{"id":2910,"date":"2010-03-05T22:38:34","date_gmt":"2010-03-05T21:38:34","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=2910"},"modified":"2010-03-05T22:38:34","modified_gmt":"2010-03-05T21:38:34","slug":"an-den-schreibplatzen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2910","title":{"rendered":"An den Schreibpl\u00e4tzen"},"content":{"rendered":"<p>Den ersten Teil des Julian Schutting Colloquiums in der alten Schmiede habe ich vers\u00e4umt. Da wurden n\u00e4mlich gestern, moderiert von Martin Kubaczek, &#8220;Nachtseitiges&#8221;, &#8220;Jahrhundertnarben&#8221; und &#8220;An den Mond&#8221; mit dem Literaturwissenschaftler Klaus Amann, dem Dichter  Franz Josef Czernin und der Lektorin Astrid Graf, die lange beim Residenz Verlag t\u00e4tig war, erkundet.<br \/>\nHeute ging es um das Schutting Buch &#8220;Am Schreibplatz&#8221;, das 2010 bei Jung und Jung erschienen ist und offenbar so neu ist, da\u00df es Franz Josef Czernin kaufte, als ich es mir beim B\u00fcchertisch angesehen habe.<br \/>\nJulian Schutting ist ein sehr lyrischer Dichter und einer, der \u00fcber sein Schreiben auf eine sehr sympathische Art und Weise viel erz\u00e4hlt. Ich kenne ihn noch aus der Zeit, als er Jutta hie\u00df und ich habe auch einige Jutta Schutting B\u00fccher &#8220;Baum in O.&#8221;, &#8220;Der Wasserb\u00fcffel&#8221;,  &#8220;Am Morgen vor der Reise&#8221;, beispielsweise, wenn ich mich nicht irre.<br \/>\nHilde Schm\u00f6lzer hat in ihrem &#8220;Frau sein und schreiben&#8221; aus dem Jahre 1982, ein Jutta Schutting Interview.<br \/>\nVom Julian habe ich vom &#8220;Tod meiner Mutter&#8221; und &#8220;Jahrhundertnarben&#8221; und ich war auch bei einigen Lesungen. Dann kann ich mich an eine GAV-GV erinnern, wo er f\u00fcr eine Aufnahme der neuen Mitglieder ohne Bewertung stimmte und ziemlich allein dabei war. Sonst scheint er, der  an die vierzig B\u00fccher geschrieben hat, hohe Anspr\u00fcche an sein Schreiben zu stellen und es ist bei dem Gespr\u00e4ch auch \u00fcber den Manierismus gegangen, der laut Schutting von den Manieren kommen soll. Er ist auch so etwas, wie ein altmodischer Dichter, einer der zu Fu\u00df die Stadt erkundet und den Seerosenteich im P\u00f6tzleinsdorfer Park beobachtet.<br \/>\n&#8220;Auf der Wanderschaft. \u00dcber das Vergn\u00fcgen vom Gehen&#8221; ist voriges Jahr erschienen und einer, der auf einer elektrischen Schreibmaschine schreibt oder mit den Bleistiften, rechts und links auf seinem Schreibplatz ausgelegt, dort hat er auch einige Papierb\u00f6gen und an denen scheint er, wie er erkl\u00e4rte, seine Texte zu montieren, seine Beobachtungen, die er in Schichten aufbaut. Er sieht auch viel aus dem Fenster und hat aus dem neuen Buch ein St\u00fcck gelesen, wie er fr\u00fchmorgens im T\u00fcrkenschanzpark sieben oder acht Arbeiter beobachtet und dann zw\u00f6lf aus ihnen macht, von der Zw\u00f6lftonmusik schreibt und von einem Hinrichtungskommando, das ihm dazu eingefallen ist, wie er bei seinen Kursen f\u00fcr die Schule der Dichtung ausf\u00fchrte. Ein Dichter, der nur beobachtet und nicht erz\u00e4hlt, wie er betonte, obwohl Klaus Amann dabei widersprach und meinte kein Trivialged\u00e4chtnis zu haben.<br \/>\nUm die Liebe ging es nat\u00fcrlich auch und um die Frage, ob Schuttings Liebe, nun die Geliebte oder das Schreiben sei, wobei Stellen zitiert wurden, wo die Geliebte so intensiv vorgestellt wurde, da\u00df ihre  Anwesenheit nur gest\u00f6rt h\u00e4tte und da\u00df er, als sie angerufen hat, entt\u00e4uscht war, da\u00df es nicht der Mechaniker war, der die  Schreibmaschine reparieren sollte. Es gab auch eine Diskussion \u00fcber das Politische der Texte, wobei Klaus Amann meinte, da\u00df das die Entscheidung des Dichters zum Schreiben sei und das ist der \u00dcbergang zu meinem Schreibplatz, wo ich nicht montiere und eine erz\u00e4hlende Schreiberin bin, mich aber ebenfalls sehr intensiv daf\u00fcr entschieden habe und da ist in der letzten Woche viel passiert.<br \/>\nDie Vorarbeiten zu den ungedruckten B\u00fcchern fertig, Andrea Stifts Text gekommen, das Einleitungsreferat f\u00fcr die Mittleren geschrieben und die Lesungstexte abgestoppt.<br \/>\nFrei f\u00fcr das Neue und da wollte ich, habe ich vorige Woche, geschrieben, mindestens ein Monat, wie Julian Schutting in Wien herumspazieren und schauen, was sich diesbez\u00fcglich beobachten l\u00e4\u00dft&#8230;<br \/>\nMitnichten, das klappt bei mir nat\u00fcrlich nicht. Mittwochmittag war ich so weit, habe mein Paper blank hervorgeholt, die bisherigen Notizen durchgelesen und die Materialsammlung bez\u00fcglich Downsyndrom und Plagiatsgeschichten hergerichtet. \u00dcber das Downsyndrom habe ich schon im Internet recherchiert und Ludwig Lahers Buch gelesen. Gestern Nachmittag hatte ich zwei Stunden Zeit zur Hauptb\u00fccherei zu marschieren und wollte heute den ganzen Tag  herumfahren, um neue Personen und Themen zu finden.<br \/>\nIm Uni Festsaal hab ich dann gedacht, wozu herumrennen, wenn ich schon die ersten Szenen im Kopf  habe?<br \/>\nDie habe ich heute geschrieben, das hei\u00dft aus den ersten zwei eine gemacht, n\u00e4mlich Johannes Staudingers Besuch bei der Therapeutin und seine Begegnung mit Mimi, die ihm von ihren B\u00fcchern erz\u00e4hlt. Den Titel &#8220;Mimis B\u00fccher&#8221; habe ich auch, noch ungef\u00e4hr drei Szenen im Kopf und die Erkenntnis, da\u00df ich eine schnelle Schreiberin bin. Eine, die eher spontan arbeitet und nicht viel auf dem Rei\u00dfbrett skizziert, sondern wie gehabt, immer drei, vier Szenen im Voraus hat, die sich dann weiterentwickeln.<br \/>\nSo lasse ich Frau Tunichtgut einen offenen B\u00fccherschrank betreuen, bzw. ihre Lekt\u00fcre von dort holen, dort kann sie auch mit Johannes Staudinger zusammentreffen.<br \/>\nDas Herumfahren schiebe ich auf sp\u00e4ter auf, wenn ich nicht mehr weiterwei\u00df&#8230;<br \/>\nDen Vorsatz mir Zeit zu lassen, habe ich aber noch und meine  Schreibprozesse will ich auch ernster zu nehmen, damit vielleicht wirklich etwas Neues und Besonderes entsteht.<br \/>\n2010 wird es wieder einen  Ohrenschmaus  und wahrscheinlich zwei neue Jurymitglieder, n\u00e4mlich Andrea Stift und Ludwig Laher, geben. Am Welt Down Syndrom Tag, dem 21. 3. werden wir in Leipzig sein und am Tag der offenen T\u00fcr in der Karl Schubert Schule n\u00e4chsten Donnerstag habe ich drei Stunden, daf\u00fcr auf Elisabeth Pratschers Blog eine seltsame Diskussion mit einem Apotheker, der vehement gegen die Alternativmedizin wettert und sie als Scharlatanerie bezeichnet, was vielleicht auch eine Inspirationsquelle ist&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den ersten Teil des Julian Schutting Colloquiums in der alten Schmiede habe ich vers\u00e4umt. 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