{"id":2960,"date":"2010-03-07T23:01:55","date_gmt":"2010-03-07T22:01:55","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=2960"},"modified":"2010-03-07T23:01:55","modified_gmt":"2010-03-07T22:01:55","slug":"zwischentraum","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=2960","title":{"rendered":"Zwischentraum"},"content":{"rendered":"<p>Nun die Besprechung eines Buchs aus dem offenen B\u00fccherschrank, der in meinem neuen Roman eine Rolle spielen wird. N\u00e4mlich Reinhold Aumaiers Romanfantasie &#8220;Zwischentraum&#8221;, 2009, im Klever Verlag erschienen. Man k\u00f6nnte es als eines dieser Wortschwallb\u00fccher im Sinne Andrea Winklers und Richard Obermayrs bezeichnen. Aber das w\u00e4r \u00fcberheblich, arrogant und sicherlich ungerecht. Es ist ja auch sehr spannend, die psychoanalytisch Interessierten meiner Leser werden es bemerken, irgendetwas zieht mich an solchen B\u00fcchern an, da ich mich ja  gern und  freiwillig immer wieder in diese Wortduschen stelle, um mich von den sch\u00f6nen Worten ohne Ziel und Inhalt berauschen lassen. Und so habe ich das d\u00fcnne blaue B\u00fcchlein auch sehr rasch gelesen, w\u00e4hrend Gegenst\u00e4ndlicheres liegenbleibt&#8230;<br \/>\nWenn ich mich w\u00e4hrend des Lesens auch wieder wieder etwas ratlos fragte, wie ich es besprechen soll?<br \/>\nDas Buch ist Wendelin Schmidt-Dengler gewidmet und wenn ich es flapsig beschreiben soll, hat es keine Handlung und das schreibt der Autor selbst auf Seite sechzehn: &#8220;Gebe hiermit zu, im buntschillernden, f\u00fcr meinen Geschmack zu verwirrenden Bereich am Roman gescheitert zu sein, an der Verfertigung eines oder gar mehrerer dieser Gattung. F\u00fcr mich ist das Leben selber zu sehr Roman.&#8221;<br \/>\nAlso wieder, wie es schon am Freitag Julian Schutting sagte, ein Handlungsverweigerer, der mich unter die sch\u00f6ne Dusche stellt.<br \/>\nDas Wort Zwischen(t)raum kommt in den hundertzwanzig Seiten mehrmals vor, regelm\u00e4\u00dfig wird es erw\u00e4hnt,  ist der rote Faden dieser Wortr\u00e4usche \u00fcber Gott und die Welt, \u00fcber das Leben und das Sterben&#8230;<br \/>\nEs gibt kein Thema, das nicht vorkommt in der Romanfantasie des Zwischentraums, womit sich f\u00fcr mich die Frage stellt, wie schreibt man sowas? Geht da einer her und setzt sich hin mit Bleistift oder Computerprogramm und notiert im Laufe des Tages, der Woche oder Monate alles, was ihm so auf- und einf\u00e4llt? Philosophiert von allem \u00fcber nichts?<br \/>\nSo steht es auch auf Seite zweiundzwanzig  &#8220;Kurzum dieser Zwischenzeitraum hier birgt f\u00fcr jeden und bringt jeden was&#8221;.<br \/>\nDie dreiundsiebzigj\u00e4hrige Mutter kommt vor und die verschiedene Geliebte im Gest\u00e4ndnis Nr. 1: &#8220;Ich habe kurz vorm Weggang, Hinscheiden meiner Allerliebsten in die Hand versprechen m\u00fcssen, ihr das eventuell weiter Erlebte schriftlich zu geben. Darum diese Zeilen hier.&#8221;<br \/>\nDas Ganze ist ein einziger Ich-Monolog, das Gespr\u00e4ch mit dem du, kommt auch manchmal vor und auch Allt\u00e4gliches. Das Fu\u00dfballspielen  z.B. (Reinhold Aumaiers Passion? Habe ich ja auch &#8220;Rapid Rapid. Ein Match-Tage-Buch&#8221; des Autors aus dem Resistenz Verlag), sowie die &#8220;\u00fcberstandene Fahrscheinkontrolle in der U-Bahn am hellichten Sonntag &#8211; meine gez\u00fcckte Wochenkarte war zwar alt, doch anscheinend immer noch g\u00fcltig.&#8221;<br \/>\nDie Sprache ist wieder wundersch\u00f6n, eine Wortdusche mit Suchtcharakter, wobei sich die bekannte Frage stellt, warum verweigern soviele Autoren Handlung und Erz\u00e4hlstrang? Es m\u00fc\u00dfte beides sein, denke ich schon wieder und wei\u00df nat\u00fcrlich, da\u00df diese Art zu schreiben, zumindest von den Kritikern und Germanisten, als wertvoller angesehen wird. Bei den Lesern ist es vielleicht anders. Die wollen ja das Spannende und Phantastische haben. Ich frag mich  auch wieviele Leute werden  &#8220;Zwischentraum&#8221; lesen? In der Buchhandlung Thalia auf der Mariahilferstra\u00dfe liegt es auf dem Tisch mit den handgeschriebenen Empfehlungen der Verk\u00e4ufer auf.<br \/>\nIch kenne den 1953 geborenen Autor, der trotz seiner sch\u00f6nen Sprache vielleicht nicht so angesehen, wie Andrea Winkler ist, schon lang, habe mit ihm bei einem dieser Dichter Faschinge in der Gesellschaft f\u00fcr Literatur gelesen und sehe ihn manchmal bei Literaturveranstaltungen.<br \/>\nIch komme nach dem Wortbad in meiner Badewanne, das ich zugegebenerma\u00dfen genossen habe, zu meinem Schreibplatz zur\u00fcck, um kurz \u00fcber &#8220;Mimis B\u00fccher&#8221; zu berichten und davon, da\u00df ich dabei bin, dieselben Fehler auch dieses Mal zu machen. Das Wochenende also vor mich hingeschrieben. Nach der sehr erfolgreichen Szene eins am Freitag, habe ich mir mit Szene zwei und drei wieder schwer getan und stand da auch vor dem Problem, wie mache ich es mit Mimis Sprache, wie komplex und detailreich darf die sein? Michaela K\u00f6nigs Texte, die im Internet zu finden sind, haben mir da sehr geholfen und bei der Szene vier, der Introduktion von G\u00fcnther, Mimis Bruder, ist es mir wieder besser gegangen. Dann noch ein Wortbad aus dem offenen B\u00fccherschrank, mal sehen, ob mir das bei meiner Sprache weiterhilft?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun die Besprechung eines Buchs aus dem offenen B\u00fccherschrank, der in meinem neuen Roman eine Rolle spielen wird. N\u00e4mlich Reinhold Aumaiers Romanfantasie &#8220;Zwischentraum&#8221;, 2009, im Klever Verlag erschienen. 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