{"id":305,"date":"2008-10-15T00:01:20","date_gmt":"2008-10-14T22:01:20","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=305"},"modified":"2008-10-15T00:01:20","modified_gmt":"2008-10-14T22:01:20","slug":"klausen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=305","title":{"rendered":"Klausen"},"content":{"rendered":"<p>Da ist neulich in Klausen viel passiert, obwohl man so genau nicht sagen kann, was, da der eine Teil der Kleinstadtbewohner das eine, der andere genau das Gegenteil gesehen haben will.<br \/>\nEs ist jedenfalls ein Schelmenst\u00fcck, das der Bad Nauheimer Autor Andreas Maier \u00fcber die S\u00fcdtiroler Kleinstadt in wahrhaft Thomas Bernhardscher Manier ausbreitet und es beginnt ganz harmlos beim Verzehr von sauren Kalbskopf und einem Viertel Roten beim Unterwirt in Feldthurns.<br \/>\nDenn da wird Josef Gasser in einem Vorst\u00fcck beobachtet, das sich schnell zum Klausener Hauptst\u00fcck ausweiten wird.<br \/>\nJosef Gasser, der Schustersohn, der nach seinen renitenten Entwicklungsphasen zuerst in Innsbruck studierte, danach in Berlin seinen Dialekt verliert und schlie\u00dflich trotz des Wunsches nach einer gerechten Gesellschaft im Klausener Fremdenverkehrsamt zu arbeiten beginnt, ist auf seine Schwester Kathi, die als ber\u00fchmt gewordene Schauspielerin, das erste Hotel bewohnt neidig, so da\u00df er in seinen Amtsstunden, die deutschen Touristen freundlich aus der Stadt auf die Autobahn vertreibt, in dem er behauptet, alle Hotels seien durch einen \u00c4rztekongre\u00df ausgebucht und sich n\u00e4chtens im &#8220;Keller&#8221; mit seinen Saufkumpanen trifft.<br \/>\nZuerst spaziert Gasser mit einem Paket herum, das eine Waffe enthalten k\u00f6nnte, dann wird der Grundst\u00fcckspekulant Alois Zurner \u00fcberfallen, verd\u00e4chtige Plakate mit heimatlichen Spr\u00fcchen tauchen auf und es kommt zu einem Terroranschlag auf der Autobahn, der nat\u00fcrlich mi\u00dfgl\u00fcckt.<br \/>\nDie auf der Ploderburg untergebrachten Pakistani und Albaner werden von der Polizei gest\u00fcrmt und auch wieder nicht, denn sie k\u00f6nnen von einem Saufgelage erz\u00e4hlen, das Josef Gasser, der sp\u00e4ter ber\u00fchmt gewordene K\u00fcnstler Leopold Auer und ein st\u00e4ndig besoffener Deutscher namens Badowsky mit einigen K\u00e4rntner Antifaschisten, die sich allerdings aggressiv benehmen und nach den albanischen M\u00e4dchen schielen, durchf\u00fchrten. Dann gibt es noch den unbelehrbaren Nationalisten Perluttner, der vom ewigen Deutschtum schwafelt und die Italiener in der Hauptstadt Rom nicht leiden kann, w\u00e4hrend die deutschen Touristinnen so gern nach Klausen zur Erholung kommen, weil  dort keine T\u00fcrken sind.<br \/>\nEs ist eine Farce, die der 1967 geborene deutsche Autor da locker auf 214 Seiten im Stil des ober\u00f6sterreichischen Meisters hinunterbrilliert und schnell und packend zu lesen, obwohl kein Stein auf dem anderen bleibt, man von einer Anspielung zur n\u00e4chsten geschleudert wird und  am Ende nicht mehr wei\u00df, um was es bei diesem Verwirrspiel geht.<br \/>\nDenn es ist doch normal, da\u00df es in einem idyllisch sch\u00f6nen Ort Umweltsch\u00fctzer gibt, die die Landschaft erhalten wollen und Grundst\u00fcckspekulanten, Antifaschisten, sowie Ausl\u00e4nderhasser gibt es sicher auch, nur der K\u00fcnstler, der ein Stipendium ablehnt, weil er Geld nicht braucht, ist vielleicht unrealistisch. Ein bi\u00dfchen E. T. A. Hoffmann ist auch zu merken.<br \/>\nEin paar am\u00fcsante Lesestunden also, w\u00e4hrend Orhan Pamuk in Frankfurt die Buchmesse mit einem Festvortrag er\u00f6ffnete und weil ich auch ein bi\u00dfchen vom T\u00fcrkeischwerpunkt profitieren will, werde ich  mir Yasar Kemals &#8220;Der Granatapfelbaum&#8221; zur k\u00fcnftigen Lekt\u00fcre ins Badezimmer legen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da ist neulich in Klausen viel passiert, obwohl man so genau nicht sagen kann, was, da der eine Teil der Kleinstadtbewohner das eine, der andere genau das Gegenteil gesehen haben will. 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