{"id":3066,"date":"2010-03-26T09:14:21","date_gmt":"2010-03-26T08:14:21","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3066"},"modified":"2010-03-26T09:14:21","modified_gmt":"2010-03-26T08:14:21","slug":"richard-obermayr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3066","title":{"rendered":"Richard Obermayr"},"content":{"rendered":"<p>Wieder ein Abend mit einem Sprachakrobaten. Kurt Neumann hat den bei Jung und Jung erschienenen neuen Roman &#8220;Das Fenster&#8221;, sogar als sprachliches Wunderwerk bezeichnet, das jetzt endlich zw\u00f6lf Jahre nach dem Romandebut &#8220;Der gef\u00e4lschte Himmel&#8221;, erschienen ist.<br \/>\nEin paar Assoziationen zum  Meister des freien Assozierens. Ich kenne, den 1970 in Ried am Innkreis geborenen Richard Obermayr  schon lang. 1992 oder 1993 zeitgleich mit Franzobel hat er in der GAV um Aufnahme angesucht und \u00e4hnlich, wie Franzobel gro\u00dfe Diskussionen bzw. Vetis gegen die Nichtaufnahme ausgel\u00f6st.<br \/>\nMarie Therese Kerschbaumer, die noch in der Jury war, hat, so glaube ich mich zu erinnern, von einer zu gro\u00dfen Sprachgewalt, des damals noch sehr jungen Mannes gesprochen, so da\u00df sie glaubte, das ist einer, der die GAV testen will, indem er ihr einen gro\u00dfen Text eines anderen unterjubelt.<br \/>\nWar nicht so und Obermayr wurde nat\u00fcrlich, wie Franzobel aufgenommen und hat 1996 ein Jahr sp\u00e4ter als Franzobel in Klagenfurt gelesen. Er hat nichts gewonnen, ist gar nicht so besonders aufgefallen. Dem Jochen Jung wahrscheinlich schon, denn ich glaube, es war ein St\u00fcckchen aus dem &#8220;Gef\u00e4lschten Himmel&#8221;, das er gelesen hat. Damals ist mir die Bezeichnung &#8220;Wortschwaffeln&#8221;, die ich manchmal verwende, eingefallen. Ein Haufen wundersch\u00f6ner Worte und es wird nichts erz\u00e4hlt. Zumindestens nicht linear, mit Anfang, Konflikt, Spannung und Schlu\u00df, wie es in den kreativen Schreibeb\u00fccher steht und das mag ich eigentlich nicht sehr. Da werde ich schnell ungeduldig. Trotzdem habe ich mir ein paar Jahre sp\u00e4ter bei einem dieser B\u00fcchert\u00fcrme &#8220;Den gef\u00e4lschten Himmel&#8221; ausgesucht und auch in der Badewanne gelesen. Da ich damals noch nicht das Literaturgefl\u00fcster und den Ehrgeiz hatte, \u00fcber jedes gelesene Buch zu schreiben, habe ich sehr schnell dar\u00fcbergelesen und sowohl vom Inhalt als auch von der sch\u00f6nen Sprache nicht viel mitbekommen. Aber lineare Handlung gibt es ja keine, zumindest was  &#8220;Das Fenster&#8221; betrifft, hat Paul Jandl in der Einleitung erkl\u00e4rt, sondern freie Assoziationen zu dem Thema Zeit, wo es zwar einen Ich-Erz\u00e4hler, einen Schu\u00df, ein Duell, eine Familie mit einer klavierspielenden Mutter, die aus dem Fenster sieht und einen Vater, der sich seinen Imkerhut aufsetzt, gibt, aber sonst nicht viel. Ein Roman \u00fcber die Zeit, f\u00fcr den sich der Sprachk\u00fcnstler zw\u00f6lf Jahre Zeit gelassen hat. Er scheint in dieser Zeit aber schon geschrieben zu haben, hat er doch 2006, den ersten Preis beim ober\u00f6sterreichischen Floriana-Literaturpreis gewonnen. Sonst habe ich in der letzten Zeit nicht viel von ihm geh\u00f6rt, wohl aber \u00f6fter an seine wortgewalte Sprache gedacht, die sich offenbar einpr\u00e4gt, ob man will oder nicht. So ist jetzt der zweite Roman bei Jung und Jung erschienen und wurde auch in einem der letzten Ex Libris besprochen. Es geht um einen Schu\u00df und um eine Jugend in Schwanenstadt, die auch der Autor dort verbracht hat. Trotzdem ist es nicht autobiografisch, hat Paul Jandl eingeleitet, auch wenn man das Bild am Umschlag f\u00fcr die Familie Obermayr halten kann.<br \/>\nDie alte Schmiede war sehr voll, eher junge Leute, die ich nicht kannte, den einen alten Lehrer, der mir einmal ein Buch abkaufte, habe ich  gesehen und wenn ich mich nicht irre,  Lisa Fritsch und Ferdinand Schmatz. Ein paar Kritiker sa\u00dfen in der ersten Reihe und irgendwo die Lektorin Astrid Graf. Richard Obermayr hat ein l\u00e4ngeres St\u00fcck aus dem Roman gelesen, wo es um einen Mann ging, der vorzeitig ein Theater verl\u00e4\u00dft, womit das Ich zu assozieren beginnt, von seinem Vater und der Mutter spricht und \u00fcberlegt, ob die noch zu Hause sind oder er nur eine Vergangenheit einholen will, die schon vor\u00fcber ist.<br \/>\nErstaulich realistisch, habe ich gedacht, zumindest mit den Worten bleibt er am Boden und man kann sich eine Familiengeschichte vorstellen, auch wenn man damit nicht weiterkkommt, denn eigentlich geht es ja, wie Paul Jandl erkl\u00e4rte und in dem Gespr\u00e4ch auch den Autor fragte, um die Dimensionen der Zeit. Da wurde dieser etwas rot und viel theoretischer, als ich den Text empfunden habe.<br \/>\n&#8220;Nein, eine Theorie der Zeit aufzustellen, ma\u00dfe er sich nicht an. Er ist aber einer, der in Bildern denkt und von solchen ausgeht. Von dem Schlachthof beispielsweise, an dem er vor\u00fcber mu\u00dfte, als er als Kind in Schwanenstadt zur Schule und da ist ihm die Gro\u00dfmutter eingefallen, die immer zur gr\u00f6\u00dften Sparsamkeit mahnte und dazu, da\u00df man kein St\u00fcck wegwerfen soll&#8221;.<br \/>\nSo entstehen die Obermayrischen Texte, am Anfang ist das autobiografische Erlebnis, dann verl\u00e4\u00dft er die Wirklichkeit. Das Publikum hatte keine Fragen, es gab aber einen frenetischen Applaus, fast wie bei der Friederike Mayr\u00f6cker und Kurt Neumann merkte an, da\u00df es bei der Lesung am 13. April von Patrick Hofmanns &#8220;Die letzte Sau&#8221; auch um die Verwertung der letzten St\u00fccke gehen wird, was das Publikum interessieren k\u00f6nnte. Aber das ist, wenn ich es am Sonntag  bei der ARD B\u00fchne in Leipzig, richtig verstanden habe, ein ganz anderes Buch&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder ein Abend mit einem Sprachakrobaten. 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