{"id":3075,"date":"2010-03-28T00:09:37","date_gmt":"2010-03-27T23:09:37","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3075"},"modified":"2010-03-28T00:09:37","modified_gmt":"2010-03-27T23:09:37","slug":"erinnerung-an-helmut-eisendle","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3075","title":{"rendered":"Erinnerung an Helmut Eisendle"},"content":{"rendered":"<p>Der am 12. J\u00e4nner 1939 in Graz geborene und am 20. September 2003 an Speiser\u00f6hrenkrebs  in Wien verstorbene Helmut Eisendle hat in seinen letzten Lebensjahren in der Sch\u00e4ffergasse 13\/8, im Haus des ehemaligen Antiquariats und literarischen Veranstaltungsortes &#8220;Buch und Wein&#8221; gelebt. Wenn ich von meiner Praxiswohnung durch einen Hausdurchgang in die alte Schmiede gehe, komme ich daran vorbei und werde an den steirischen Dichter erinnert, der wie ich, nur ein paar Jahre fr\u00fcher, Psychologie studierte und anfangs in einer freien Gruppenpraxis in Graz f\u00fcr Erziehungsberatung und Verhaltensmodifikation t\u00e4tig war, bevor er zu einem Vertreter der sprachskeptischen und sprachkritischen Str\u00f6mung der neuen \u00f6sterreichischen Literatur wurde, der sich in seinen Prosawerken, Essays und H\u00f6rspielen mit der Psychologie und der Kritik an ihr,  immer sehr besch\u00e4ftigte.<br \/>\nIn meinen B\u00fccherregalen gibt es mehrere Eisendle B\u00fccher: &#8220;Exil oder der braune Salon&#8221;, &#8220;Anrufe, der Doppelg\u00e4nger, die Verfolgung&#8221;, Dschungel der Liebe&#8221;, &#8220;Triest, die Stadt zwischen drei Welten&#8221;, das er herausgegeben hat und den bei Zsolnay erschienenen Roman &#8220;O Hannah&#8221;.<br \/>\nDen habe ich vermutlich noch vor meiner Bekanntschaft mit dem Autor gelesen, da ich mich nicht mehr genau erinnern kann, wann ich Helmut Eisendle pers\u00f6nlich kennengelernt habe. Hat er doch in Amsterdam und Berlin gelebt, bevor er endg\u00fcltig nach Wien gezogen ist. Erinnern kann ich mich an die Verleihung des \u00f6sterreichischen W\u00fcrdigungspreises f\u00fcr Literatur 1993 im Literaturhaus, an den &#8220;Tag der Freiheit des Wortes&#8221; in Villach, bei dem wir beide gelesen habe. Da habe ich den Dichter,  angejammert, da\u00df es mir nicht und nicht gelingen will, vom Literaturbetrieb wahrgenommen zu werden und ihm auch mein 1994-1995 geschriebenes, nur in Ausz\u00fcgen ver\u00f6ffentlichtes Manuskript &#8220;Schizoprenie oder Reden wir miteinander&#8221;, ohne zu beachten, da\u00df ein sprachkritischer Dichter mit einer realistischen Erz\u00e4hlung wahrscheinlich nicht viel anfangen kann, \u00fcbergeben.<br \/>\nHelmut Eisendle war trotzdem sehr freundlich, hat sich mein Jammern, das manch andere so widerlich finden, geduldig angeh\u00f6rt und wir haben auch ein Buch getauscht.<br \/>\nSo da\u00df ich sehr viel sp\u00e4ter beim Googlen die Erfahrung machte, da\u00df ich mit einem Buch in der Wienbibliothek vertreten bin. Hat diese den Eisendle Nachla\u00df doch \u00fcbernommen und alles getreulich St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck vermerkt. Da gibt es auch den Katalog zur  243. Wechselausstellung, die vom 19. September 2003 bis zum 27. Februar 2004 im Ausstellungskabinett des Wiener Rathauses stattgefunden hat &#8220;Die Orte des Helmut Eisendle&#8221;,  den ich mir bei der letzten Buchwoche am 18. 11. 2007 bei einem Flohmarkt, um einen Euro kaufte.  In fast Kafkaesker  Manier, steht das am Kassa Eingangszettel Nr 359 vermerkt, als K\u00e4ufername ist &#8220;M\u00fcller&#8221; eingetragen, da ich mich verwundert zeigte, da\u00df ich meinen Namen nennen mu\u00df, wenn ich B\u00fccher um zwei Euro kaufen will.  Der Katalog ist aber sehr interessant und reich bebildert. Bleibende Erinnerung an den Dichter, den ich ja  ganz gut gekannt habe.<br \/>\nAn die Preisverleihung 1993 im Literaturhaus, an den gerade von Berlin Zur\u00fcckgekommenen habe ich ebenfalls eine besondere Erinnerung. Hat Rudolf Scholten bei seiner W\u00fcrdigung doch darauf hingewiesen, da\u00df er sich besonders kurz halten wolle, da er in seiner Funktion als Unterrichtsminister nicht verantworten k\u00f6nne, wenn sich der kleine Eisendle, sp\u00e4ter nicht f\u00fcr Literatur interessiert. Den kleinen Valentin hat das, glaube ich, nicht besonders beeindruckt, bei mir hat sich der so intensiv mit einem Puppenwagen spielende Bub, aber so eingepr\u00e4gt, da\u00df er in der Erz\u00e4hlung &#8220;Tod eines Jurymitglieds&#8221; seinen Eingang fand und dort den ermittelnden Kriminalinspektor Thomas Vranek sehr verbl\u00fcfft.<br \/>\nValentin Eisendle ist auch, wie meine Tochter Anna, in das Kinderhaus in der Hofm\u00fchlgasse in die Kindergruppe oder zur Schule gegangen und ich erinnere mich noch an einen Abend in der alten Schmiede, wo Helmut Eisendle gemeinsam mit Gustav Ernst sein neues Buch vorstellte, in dem es um das \u00c4lterwerden ging.<br \/>\nHelmut Eisendle ist dann selbst sehr krank geworden, so da\u00df ich mich mit Schrecken an seine Lesung bei der Jubil\u00e4umsfeier drei\u00dfig Jahre GAV im Literaturhaus erinnere, wo ihn der Krebs schon sehr gezeichnet hatte. Bei der darauffolgenden Poet Night im September h\u00e4tte er wahrscheinlich nicht lesen sollen. Trotzdem war diese Veranstaltung sehr von ihm gepr\u00e4gt, kann ich mich doch an Manfred Chobots Mitteilung erinnern, da\u00df Helmut Eisendle heute gestorben ist.<br \/>\nEr ist in einem Ehrengrab im Urnenhain der Feuerhalle Simmering bestattet. Bei seinem Begr\u00e4bnis war ich nicht dabei, komme aber immer wieder regelm\u00e4\u00dfig, zum Beispiel wenn ich in die alte Schmiede gehe, an dem Haus in der Sch\u00e4ffergasse 13 vorbei, wo es leider keine Gedenktafel gibt&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der am 12. J\u00e4nner 1939 in Graz geborene und am 20. 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