{"id":3130,"date":"2010-04-04T20:39:42","date_gmt":"2010-04-04T18:39:42","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3130"},"modified":"2010-04-04T20:39:42","modified_gmt":"2010-04-04T18:39:42","slug":"crazy","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3130","title":{"rendered":"Crazy"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Axolotl Roadkill&#8221; ist mehrmals mit Benjamin Leberts &#8220;Crazy&#8221;, verglichen worden, denn da hat ein Sechzehnj\u00e4hriger vor elf Jahren auch ein aufregendes Debut hingelegt, bzw. ist ihm mit einem autobiografischen Roman, wo der Ich-Erz\u00e4hler auch noch Benjamin Lebert hei\u00dft, die literarische Sensation gelungen.<br \/>\n1999 wurde auch der Amadeus, damals noch zu Libro geh\u00f6rend, auf der Mariahilferstra\u00dfe er\u00f6ffnet und da gab es ein Magazin, wo \u00fcber die literarischen Wunderkinder der Saison berichtet wurde.<br \/>\nRosemarie Poikarov war mit ihrem &#8220;Eine CD lang&#8221; auch dabei. Auf diese Weise hat sich mir der Name Benjamin Lebert eingepr\u00e4gt und bei diesem Stattersdorfer Flohmark vor eineinhalb Jahren habe ich mir &#8220;Crazy&#8221;,  gekauft und zun\u00e4chst vergessen. Die Diskussion, ob es Helene Hegemann, wie Benjamin Lebert gehen wird, lie\u00df es mich  hervorholen.<br \/>\nDer 1982 geborene hat inzwischen noch drei andere Romane geschrieben, war 2009 auf der Leipziger Buchmesse, an der New York University kreative Schreibkurse gegeben und das L\u00fcbecker Literaturtreffen gegr\u00fcndet und &#8220;Crazy&#8221;, sieht aus, hab ich mir gestern gedacht, als ich es zum Lesen herausholte, wie ein Jugendbuch und ist wahrscheinlich nicht so sehr mit &#8220;Axolotl Roadkill&#8221; zu vergleichen oder doch, behandelt es ja die autobiografischen Adoleszenzprobleme eines Jugendlichen, aber schon elf Jahre alt und Drogen kommen darin nicht wirklich vor, Sex und Alkohol schon.<br \/>\nBenjamin Lebert erz\u00e4hlt also mit gro\u00dfen Witz, W\u00e4rme und Selbstironie von der Schwierigkeit des  Erwachsenwerdens und von einem halbseitiggel\u00e4hmten Spastiker, der schlecht in Mathematik ist und von seinen Eltern nach Schlo\u00df Neuseelen in ein Internat gesteckt wird,  damit er endlich die achte Klasse und  das Abitur schafft und der sich, obwohl er Sehnsucht nach seiner Mutter hat, vor die Klasse stellt und sich mit &#8220;Hallo Leute, ich bin ein Kr\u00fcppel!&#8221;, vorstellt.&#8221;<br \/>\nEr bekommt ein Zimmer mit Janosch Schwarze, dem er die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt und von diesem die Antwort bekommt, da\u00df es eben &#8220;crazy ist&#8221; und freundet sich mit den anderen Gescheiterten, Abgeschobenen, wie dem fetten Felix, Florian, den alle M\u00e4dchen nennen, den bettn\u00e4ssenden mutistischen Troy und den d\u00fcnnen Felix an.<br \/>\nGemeinsam bestehen die sechs, w\u00e4hrend der Mathematiklehrer Bejamin schikaniert,  ein Schuljahr lang die tollsten Abenteuer, w\u00e4hrend sie \u00fcber den Sinn des Lebens philosophieren und Gespr\u00e4che \u00fcber Gott f\u00fchren.<br \/>\nSo wird zum Beispiel lang und breit Benjamins zweite Nacht in diesem Internat beschrieben, wo die sechs mit ihren \u00c4ngsten und Zweifeln \u00fcber die Feuerleiter, Bierdosen in den Pyjamas versteckt, in den M\u00e4dchenstock klettern und Benjamin  von der  betrunkenen Marie entjungfert wird. Das zweite gro\u00dfe Abenteuer ist die &#8220;Flucht&#8221; aus dem Internat und die Fahrt nach M\u00fcnchen, wo sie ein Striplokal besuchen und Benjamin zum Helden wird, weil er der Striperin einen Zehnmarkschein in den Slip steckt. Im Bus nach Rosenheim werden sie von einem alten Mann und Ex- Internatssch\u00fcler in die Fittiche genommen und von diesem mit dem Striplokalbesitzer, der auch Lebert hei\u00dft,  am n\u00e4chsten Morgen zur\u00fcckgebracht.<br \/>\nSie lesen auf der Fahrt Hemingways &#8220;Der alte Mann und das Meer&#8221; und kaufen sich billige Zigarren, weil richtige M\u00e4nner das tun. Au\u00dferdem gibt es noch die  Alltagsprobleme, Benjamins Eltern trennen sich, die Schwester ist lesbisch und am Ende des Schuljahres erhalten die Eltern vom Direktor einen Brief, da\u00df sie ihren Sohn abholen sollen, weil er leider unf\u00e4hig ist und zu oft am M\u00e4dchengang gesehen wurde. Benjamin verl\u00e4\u00dft also die Freunde seines Lebens, mit denen er Blutsbr\u00fcderschaft geschworen hat, um in Zukunft bei seinem Vater zu wohnen und eine Sonderschule zu besuchen, die keine gro\u00dfen mathematischen Anspr\u00fcche stellt und die Aussicht das weitere Leben im Rollstuhl zu verbringen, er\u00f6ffnet ihm die Krankengymnastin auch&#8230;<br \/>\nEs ist ein witzig geschriebenes  Buch, so nimmt der  dicke Felix, auf der &#8220;Flucht&#8221; nach M\u00fcnchen einen ganzen Rucksack voller S\u00fc\u00dfigkeiten mit und l\u00e4\u00dft sich in dem Striplokal einen Schweinsbraten servieren, ein wenig unrealistisch, denn 1999 mu\u00dften sicher keine Sechszehnj\u00e4hrigen nach M\u00fcnchen &#8220;fl\u00fcchten&#8221;, wenn sie das Leben leben wollten und verglichen mit &#8220;Axolotl Roadkill&#8221; wahrscheinlich &#8220;harmlos&#8221;, obwohl es auch viel Verzweiflung erz\u00e4hlt.  Benjamin beispielsweise von Janosch  wissen will, was eine Behinderung ist und wie es ist, die linke Seite zu sp\u00fcren?<br \/>\n&#8220;Auch nicht viel anders als die rechte&#8221;, antwortet der, &#8220;denn das Leben ist crazy!&#8221;<br \/>\nBei der Hegemann Debatte habe ich geh\u00f6rt, da\u00df der Ruhm Benjamin Leberts inzwischen verschwunden ist oder sich das Feuilleton nicht mehr f\u00fcr ihn interessiert und es stimmt auch sicher, da\u00df andere Sechzehnj\u00e4hrige \u00c4hnliches erleben und wenn sie es aufschreiben,  nicht damit geh\u00f6rt werden, weil sie keine so ber\u00fchmten V\u00e4ter oder Gro\u00dfv\u00e4ter haben und viele schreiben es nicht auf, weil sie es nicht k\u00f6nnen und manche Sechzehnj\u00e4hrige werden sich in dem Buch  auch wiederfinden.<br \/>\nIch habe es interessant gefunden, ob es mit dem von Helene Hegemann zu vergleichen ist, wei\u00df ich nicht. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Axolotl Roadkill&#8221; ist mehrmals mit Benjamin Leberts &#8220;Crazy&#8221;, verglichen worden, denn da hat ein Sechzehnj\u00e4hriger vor elf Jahren auch ein aufregendes Debut hingelegt, bzw. ist ihm mit einem autobiografischen Roman, wo der Ich-Erz\u00e4hler auch noch Benjamin Lebert hei\u00dft, die literarische &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3130\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-3130","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3130","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3130"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3130\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3130"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3130"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3130"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}