{"id":319,"date":"2008-10-24T07:14:42","date_gmt":"2008-10-24T05:14:42","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=319"},"modified":"2008-10-24T07:14:42","modified_gmt":"2008-10-24T05:14:42","slug":"ins-ohr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=319","title":{"rendered":"Ins Ohr"},"content":{"rendered":"<p>Bei dieser Erz\u00e4hlung von Evelyn Grill (Suhrkamp 2002), handelt es sich, um eine ins Telefon gebr\u00fcllte Provinzgeschichte, um Alter, Verzweiflung und Verg\u00e4nglichkeit einer verschm\u00e4hten Frau.<br \/>\nSo wird die zweiundf\u00fcnfzigj\u00e4hrige Elfriede Schweiger am zwanzigsten Hochzeitstag von ihrem Gatten, dem Hofratsarschloch und Veterin\u00e4r  Walter verlassen, der sich von ihr ange\u00f6det, ins M\u00fchlviertel zur\u00fcckziehen und ihr nur noch die W\u00e4sche zum B\u00fcgeln vorbeibringen will.<br \/>\nDas reizt die verschm\u00e4hte Elfriede zu Lachkr\u00e4mpfen, hat sie doch gerade ihr letztes juristisches Examen bestanden und  bricht  zu neuen Ufern auf.<br \/>\nReist  zuerst also mit ihrem Sohn Mandi an den Nil und versucht ihn w\u00e4hrend der Kreuzfahrt durch eine vermeintliche Friseurin  &#8220;entjungfern&#8221; zu lassen, was aber schief zu gehen scheint.<br \/>\nDanach begibt sie sich von ihrer Mutter, als Sekret\u00e4rin unterst\u00fctzt, in die eigene Anwaltskanzlei, um nach deren Tod, endlich in die ersehnten sexuellen Freiheiten aufbrechen zu k\u00f6nnen, in die sie sich st\u00fcrzt.<br \/>\nZuerst f\u00e4llt sie also in die Arme eines St. P\u00f6ltner Autoh\u00e4ndlers, der sie mit der sch\u00f6nen Liebeslyrik fremder Dichter reizt, aber die Schimpfkanonanden, nachdem sie ihre Kanzlei nicht aufgeben und ihn beim Autohandel unterst\u00fctzen will, selbst verfasst.<br \/>\nSo schmiegt sie sich in sein zur\u00fcckgelassenes Hemd, erlebt in diesen wilde Liebesgef\u00fchle, w\u00e4hrend sie es durch den Bad Ischler Notar  und Zwangsneurotiker Theodor Dimitropoulos entweiht, der ihr Filzpatschen schenkt, mit ihr Schachspielen will und sie au\u00dferdem noch mit seinen recht rechten politischen Ansichten zur Verzweiflung bringt.<br \/>\nSo pendelt die sch\u00f6ne Elfriede unentschlossen zwischen Steyr, St. P\u00f6lten und Bad Ischl hin- und her, f\u00fcrchtet sich vor dem \u00c4lterwerden, beginnt zu trinken und schleppt sich von einer Blasenentz\u00fcndung in die n\u00e4chste, w\u00e4hrend sie kocht und b\u00fcgelt, ihren  Liebhabern die herrlichsten Menues bereitet, sowie einen Proze\u00df nach dem anderen gewinnt.<br \/>\nTrotzdem oder  gerade deshalb wird diese Superfrau von ihren beiden Liebhabern, dem \u00c4lteren und dem J\u00fcngeren, weidlich ausgen\u00fctzt.<br \/>\nSie verl\u00e4\u00dft sie auch immer wieder,  l\u00e4\u00dft sich von ihren  SMS und Anrufen, in denen es von &#8220;Hasilein&#8221; und &#8220;Schatzilein&#8221; geradezu wimmelt, aber immer wieder verf\u00fchren. So mu\u00df sie sich ihre Christbaumengeln, die sie gar nicht ben\u00f6tigt, selbst bezahlen und kann nur Trost in den Telefongespr\u00e4chen mit einer unbekannten Stimme finden, in deren offenes Ohr sie ihre Hoffnung schildert, ihren Sohn Mandi, der sein ungeliebtes Volkswirtschaftsstudiumstudium aufgegeben hat, um in Linz Jus zu studieren, in f\u00fcnf Jahren zuerst als Konzipient und schlie\u00dflich als Partner in ihre Kanzlei aufzunehmen, w\u00e4hrend ihr St. P\u00f6ltner Wolf per e-mail ank\u00fcndigt, in ihrer Wohnung seine Websites zu erstellen,  der Notar fleht sie an, sich neuerdings mit ihr zu vers\u00f6hnen, w\u00e4hrend das Hofratsarschloch an der T\u00fcre trommelt.<br \/>\nEine wahrhaft virtuose Provinzgeschichte in der Thomas Bernhard von einer weiblichen Stimme mit weiblichen Saraksmus \u00fcbertroffen wird und die mir dennoch ein wenig zu nahe geht.<br \/>\nZuviel weibliche H\u00e4rte h\u00f6chstwahrscheinlich, obwohl ich mich zu erinnern glaube, da\u00df ich das Buch vor Jahren, als es im Radio besprochen wurde, einer Klientin empfohlen habe, die gerade  von ihrem Mann verlassen wurde.<br \/>\nAlso eine interessante Erz\u00e4hlung von einer starken Stimme aus der Frauenbewegung, das in seinem Sarkasmus Mut machen kann und das sich deshalb,  hervorragend zum f\u00fcnfzigsten, sechzigsten oder auch siebzigsten Geburtstag schenken l\u00e4\u00dft.<br \/>\nJetzt habe ich diese Erz\u00e4hlung, zu deren Lesen, ich durch meinen Namensartikel, der \u00fcbrigens die meisten Leser und Leserinnen gefunden hat, besprochen, bevor ich mich zu meiner Neurotraumatologischen Begutachtungsfortbildung in die allgemeine Unfallsversicherungsanstalt aufmachen will.<br \/>\nAnsonsten gibt es  zu vermelden, da\u00df Petra Ganglbauer den &#8220;Novembernebel&#8221; besprochen hat und ins Netz stellen wird.<br \/>\nUnter <a href=\"http:\/\/www.gangway.net\/reviews\/jancak.html\">gangway.net<\/a> soll man die  neue Rezension bald lesen k\u00f6nnen.<br \/>\nUnd als neues Lesefutter habe ich noch zwei B\u00fccher zum T\u00fcrkeischwerpunkt, n\u00e4mlich &#8220;Oberkanankengeil&#8221; von Osman Engin und &#8220;Heim.at&#8221; Gedichte, eine t\u00fcrkische Migrations- Antholologie, herausgegeben von Yeliz Dagevir, neue \u00f6sterreichische Lyrik, 2004, als x-ten Frankfurt Nachtrag unter meinen B\u00fcchern entdeckt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei dieser Erz\u00e4hlung von Evelyn Grill (Suhrkamp 2002), handelt es sich, um eine ins Telefon gebr\u00fcllte Provinzgeschichte, um Alter, Verzweiflung und Verg\u00e4nglichkeit einer verschm\u00e4hten Frau. 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