{"id":3218,"date":"2010-04-19T22:51:25","date_gmt":"2010-04-19T20:51:25","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3218"},"modified":"2010-04-19T22:51:25","modified_gmt":"2010-04-19T20:51:25","slug":"arno-geiger-lesung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3218","title":{"rendered":"Arno Geiger Lesung"},"content":{"rendered":"<p>Heute Abend gab es in der alten Schmiede ein Gespr\u00e4ch und eine Lesung \u00fcber Arno Geigers im Feburar erschienenen Roman &#8220;Alles \u00fcber Sally&#8221;.<br \/>\nDen 1968 in Bregenz geborenen, ersten deutschen Buchpreistr\u00e4ger, kenne ich aus einer Zeit, als er noch nicht ber\u00fchmt gewesen ist. N\u00e4mlich seit Juni 1996, als er das erste Mal beim Bachmannpreis, einen Text \u00fcber eine K\u00e4the im Kornfeld gelesen hat, der glaube ich, auch in den Manuskripten erschienen ist. Damals ist er mir aufgefallen, ich habe ihn auf seinen Text angesprochen und etwas sp\u00e4ter in einer Literaturzeitschift gelesen, da\u00df er auch Martina Schmidt vom Deuticke Verlag aufgefallen ist.<br \/>\n1997 ist jedenfalls die &#8220;Kleine Schule des Karusellfahrens&#8221; erschienen und wurde im Literaturhaus vorgestellt, eine Pr\u00e4sentation eines H\u00f6rspiels habe ich in der alten Schmiede vor langer Zeit auch geh\u00f6rt. 1999 erschien &#8220;Irrlichterloh&#8221; und 2002 &#8220;Sch\u00f6ne Freunde&#8221;.<br \/>\nVon beiden B\u00fcchern habe ich nicht sehr viel geh\u00f6rt und sie auch nicht gelesen, sondern mich erst wieder mit Arno Geiger besch\u00e4ftigt, als er 2004 nochmals beim Bachmannpreis gelesen hat und zwar mit einem St\u00fcck aus dem Roman mit dem er ein Jahr  sp\u00e4ter den deutschen Buchpreis gewonnen hat. Dazwischen kam noch der Erz\u00e4hlband &#8220;Anna nicht vergessen&#8221;, da habe ich bei &#8220;Rund um die Burg&#8221; daraus geh\u00f6rt und auch aus &#8220;Es geht uns gut&#8221; .<br \/>\nJetzt der neue Roman, &#8220;Alles \u00fcber Sally&#8221;, wo ich schon ein St\u00fcck in \u00d61 geh\u00f6rt habe und in Leipzig ein St\u00fcckchen des Gespr\u00e4ches am blauen Sofa. Kurt Neumann hat ihn als dritten Roman einer Romantrilogie und &#8220;Sch\u00f6ne Freunde&#8221; als Roman \u00fcber die Kindheit, &#8220;Es geht uns gut&#8221;, als Beziehungsroman und &#8220;Alles \u00fcber Sally&#8221;, als Eheroman bezeichnet. Oder auch als Ehebruchroman, wie es Arno Geiger nannte, der meinte, da\u00df er ab &#8220;Irrlichterloh&#8221; eine neue Form des Schreibens gefunden hat. Vorher war er, mehr sprachkritisch unterwegs, wenn ich es richtig verstanden habe, obwohl ich schon die Geschichte aus dem Kornfeld nicht so empfunden habe. Jetzt also mehr erz\u00e4hlend, es ist auch ein Roman, der st\u00e4ndig die Perspektiven wechselt und die Geschichte einer Ehe und des Alterns in diesen Sichtwechsel erz\u00e4hlt. Es geht um zwei Ehepaare oder auch um Sally oder Alfred.Sally ist zweiundf\u00fcnfzig und Englischlehrerin, Alfred etwas \u00e4lter und Kustode oder Kurator und die Geschichte beginnt im Sommerurlaub in England, wo sich Sally \u00fcber Alfreds St\u00fctzstrumpf \u00e4rgert, der, wie in der Diskussion klar wurde, eine wichtige Rolle im Romans spielt.<br \/>\nAlfred liebt jedenfalls Sally \u00fcber alle Ma\u00dfen und f\u00fchrt Tagebuch, Sally liebt ihn etwas weniger, sondern mehr das Leben. Dann kommt es zu einem Einbruch in ihre Wohnung, der sie den Urlaub abbrechen l\u00e4\u00dft und zu dem Ehebruch, den Sally mit dem Mann des zweiten Paars begeht. Alfred zieht sich zur\u00fcck, obwohl die beiden, die sich in den Siebzigerjahren im \u00f6sterreichischen Kulturinstitut von Kairo kennenlernten, eine offene Ehe f\u00fchren wollten. Jetzt stellen sie fest, da\u00df sie, wie wohl die meisten Paare, mit der Zeit verb\u00fcrgert sind und am Ende der Geschichte verl\u00e4\u00dft der Freund seine Frau und Sally, um mit einer j\u00fcngeren davonzugehen. Der Roman endet, wie Kurt Neumann erkl\u00e4rte, mit dem faden Jahresr\u00fcckblick des ORF und Sally kommt offenbar zu Alfred zur\u00fcck, der inzwischen, Gag des Autors, ein Gipsbein hat und sie mit seiner Liebe erwartet.<br \/>\nDaran spann sich die Diskussion, ob Alfred nun ein Held oder Waschlappen ist, denn der betrogene Ehemann hat doch, wie bei Madame Bovary und Effi Briest, den Ehebruchromanen des vorvorigen Jahrhunderts, die Ehefrau zu versto\u00dfen, um nicht als Waschlappen zu gelten. Arno Geiger ist aber stolz darauf, da\u00df er seinen Alfred wachsen lie\u00df und hat am Ende des Romanes seinen Lektor angerufen, um ihm &#8220;Wolfgang es ist mir doch gelungen!&#8221;, mitzuteilen.<br \/>\nDa ist mir zwar Hofmannsthal &#8220;Schwieriger&#8221; eingefallen, den ich als sehr junge Studentin mit Rudi Blahout, zwanzig Jahre \u00e4lter als ich, im Theater in der Josefstadt gesehen habe, der mir zufl\u00fcsterte, da\u00df man im Verzeihen, die wahre Gr\u00f6\u00dfe des Ehemannes der Antoinette Hechingen erkennt, aber Arno Geigers Ehebruchroman schildert das einundzwanzigste Jahrhundert und der Autor hat auch etwas \u00fcber seine Art zu Schreiben erz\u00e4hlt, da\u00df es n\u00e4mlich eine zweij\u00e4hrige Konzeptionsphase gab, wo er sich Notizen zu seinen Figuren machte und den Roman danach in f\u00fcnf Monaten realisierte, also aufgeschrieben hat.<br \/>\nEs war sehr voll in der alten Schmiede und das Buch wurde sicher gut verkauft und hoffentlich auch gelesen, w\u00e4hrend ich es h\u00f6chstwahrscheinlich nicht lesen werde. Da reicht mir die Lesung und das Gespr\u00e4ch, um einen literarischen Eindruck zu bekommen, habe ich ja nicht nur jede Menge ungelesener B\u00fccher, die ich langsam langsam aufarbeite, sondern heute auch zwei neue  bekommen und zwar Milena Mosers &#8220;M\u00f6chtegern&#8221; und das habe ich nat\u00fcrlich nicht im offenen B\u00fccherschrank gefunden, sondern vom Alfred bekommen, der einen Amazon-Gutschein hatte und ganz unerwartet, vom GAV-Kollegen Peter Hodina, mit dem ich mich beim Abendessen bei der letzten GAV-GV lang unterhalten habe, ein P\u00e4ckchen mit seinem Erz\u00e4hlband &#8220;Steine und Bausteine 1&#8221; und war ansonsten sehr damit besch\u00e4ftigt, mich auf Ilse Kilics Veranstaltung &#8220;Das allt\u00e4gliche Leben&#8221; vozubereiten, die  am 28. Mai im Amerlinghaus stattfinden wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute Abend gab es in der alten Schmiede ein Gespr\u00e4ch und eine Lesung \u00fcber Arno Geigers im Feburar erschienenen Roman &#8220;Alles \u00fcber Sally&#8221;. 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