{"id":3232,"date":"2010-04-22T22:56:04","date_gmt":"2010-04-22T20:56:04","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3232"},"modified":"2010-04-22T22:56:04","modified_gmt":"2010-04-22T20:56:04","slug":"andrea-grill-in-der-nationalbibliothek","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3232","title":{"rendered":"Andrea Grill in der Nationalbibliothek"},"content":{"rendered":"<p>Im Oktober 2008 habe ich nach einem Blogeintrag von Otto Lambauer, die er damals noch schrieb, mich in den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/10\/06\/wochenendrecherchen\/\">&#8220;Wochenendrecherchen&#8221;<\/a> mit einigen j\u00fcngeren \u00f6sterreichischen Gegenwartsautorinnen besch\u00e4ftigt. Andrea Stift, Andrea Grill, Andrea Winkler und Linda Stift, das Verwechslungspotential ist damals noch sehr gro\u00df gewesen und ich habe jede von ihnen durch eine Lesung oder ein Buch fl\u00fcchtig gekannt. Andrea Grill durch ihr Familienalbum &#8220;Der gelbe Onkel&#8221; , das ich bei einer Lesung im Literaturhaus kennenlernte, dann hat sie 2007 beim Bachmannpreis gelesen, bei Andrea Winkler war es \u00e4hnlich, da habe ich &#8220;Hanna und ich&#8221; gekannt,  auf Andrea Stift bin ich durch Otto Lambauer gesto\u00dfen und bei Linda Stift habe ich von ihren B\u00fcchern &#8220;Kingpeng&#8221; und &#8220;Stierhunger&#8221; mehr oder weniger viel geh\u00f6rt.<br \/>\nDer Herbst 2008 war aber sehr intensiv, so bin ich bald danach mit Andrea Stift in Kontakt gekommen, Andrea Grill hat mit &#8220;Tr\u00e4nenlachen&#8221; eine Buchpr\u00e4mie bekommen und mit Andrea Winkler habe ich mich nach dem Bachmannpreis 2009 intensiv besch\u00e4ftigt, hat mich ja ihre Sprache sehr beeindruckt und Andrea Grill habe ich immer wieder bei Veranstaltungen im Literaturhaus im Publikum gesehen, bzw. als \u00dcbersetzerin aus dem Albanischen beim Fried Symposium erlebt. In Leipzig, bin ich ich w\u00e4hrend ihrer Lesung im \u00d6sterreichcafe aufgeregt herumgelaufen und habe entweder ein Weinglas oder den Wieserstand gesucht, von ihrer Lesung aber nicht viel mitbekommen, dadurch neugierig geworden, so da\u00df es gerade richtig kam, als mir Janko Ferk, das Programm des literarischen Salons in der \u00f6sterreichischen Nationalbibliothek schickte. Er liest dort im Juni, Andrea Grill aber schon am 22. 4. aus &#8220;Das Sch\u00f6ne und das Notwendige&#8221;, das mir in Leipzig entgangen ist, so bin ich heute in das Oratorium gegangen und da war ich, nicht sehr oft.<br \/>\nEinmal bei einem Thomas Bernhard Symposium, dann hat Daniel Kehlmann 2003 sein &#8220;Ich und Kaminski&#8221; dort vorgestellt und 2008 Cornelia Travnicek &#8220;Der Asche meiner Schwester&#8221; mit der bin ich dann  auch in Kontakt gekommen und die Lesung heute war ebenfalls sehr interessant. Ob sich daraus ein pers\u00f6nlicher Kontakt ergibt, wei\u00df ich nicht, aber, da\u00df es ein sehr ungew\u00f6hnliches Buch ist, da\u00df da  vorgestellt wurde.<br \/>\nDer junge Mann, der die Lesung eingeleitet hat, hat von einem  au\u00dfergew\u00f6hnlichen Talent gesprochen und den Lebenslauf als Biologin, die albanische \u00dcbersetzerin und auch die verschiedenen Wohnorte, wie Bologna und Amsterdam erw\u00e4hnt.<br \/>\nIm Klappentext wird das Buch eine \u00f6kologische Parabel genannt, der Falter nennt es ein \u00fcppiges M\u00e4rchen unserer Zeit, der junge Mann hat das Buch in blumigen Worten sehr ausf\u00fchrlich beschrieben, so da\u00df man es gar nicht mehr lesen mu\u00df.<br \/>\nEs geht um eine M\u00e4nnerfreundschaft, zwei M\u00e4nner von denen einer anfangs durch die Z\u00fcge betteln geht, dann einen Kathedralenruhestifter kennenlernt, dessen Geld verspielt, wobei der  auf die Idee kommt, den teuersten Kaffee der Welt, hergestellt als Fermentierung  aus dem Dickdarm einer Schleichkatze, in seiner Wohnung zu erzeugen.<br \/>\nEine Valentina spielt auch noch eine Rolle und die ist mir bekannt erschienen, bis einer aus dem Publikum fragte, ob das aus dem Bachmanntext ist?<br \/>\nFiat, der eigentlich Ferdinand hei\u00dft, wird in einen Zoo, als Tierpfleger geschickt, um dort die asiatische Schleichkatze, eine Mischung aus Katze und Marder, die sehr stinkt zu stehlen, die den teuersten Kaffee der Welt ausschei\u00dft, ein Pferd kommt auch irgendwo vor, da\u00df sich in der K\u00fcche aufbl\u00e4ht, da mu\u00dfte ich an Erich K\u00e4stner und den 35. Mai denken, Andrea Grill meinte, es hat sich bei ihr irgendwie so ergeben und erz\u00e4hlte, da\u00df sie Teile des Buches in der Nationalbibliothek geschrieben hat. Es kommt auch ein ber\u00fchmtes holl\u00e4ndisches Buch aus dem Jahr 1901 vor, das Andrea Grill stolz pr\u00e4sentierte und die Stelle, wo Fiat auf der Stra\u00dfe die Bettlerin Valentina trifft, mit ihrer albanischen \u00dcbersetzerin von &#8220;Tr\u00e4nenlachen&#8221;, las.<br \/>\nWas mich vor allem faszinierte ist die Ungew\u00f6hnlichkeit des Buches und Andrea Grills Vielseitigkeit, denn das passt in den literarischen Trend nicht hinein, die traut sich was, k\u00f6nnte man denken, dieses \u00fcppige M\u00e4rchen ist sehr originell und offenbar mit viel Lust geschrieben.<br \/>\nEs besteht aus vierzig Kapitel, wo jedes die \u00dcberschrift einer Kaffeesorte tr\u00e4gt, es gibt hundert Kaffeesorten, wir trinken aber nur zwei, erkl\u00e4rte Andrea Grill und dann noch diesen Katzenkaffee, den es  wirklich gibt, aber der Roman ist offenbar doch ein M\u00e4rchen und entsprechend unrealistisch, da diese Schleichkatze, ja die roten Bl\u00fcten fri\u00dft, die beiden M\u00e4nner kaufen den Kaffee aber im Supermarkt und setzen ihn dem asiatischen Katzenmarder nochmals vor.<br \/>\nAlso wieder was gelernt \u00fcber die Ungew\u00f6hnlichkeit der \u00f6sterreichischen Gegenwartsliteratur, die es offenbar doch gibt, man mu\u00df sich nur trauen. &#8230;<br \/>\nWas mir nicht gef\u00e4llt ist das T\u00f6ten vom Schmetterlingen, weder als Liebesbeweis noch zum Erstellen einer Dissertation.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Oktober 2008 habe ich nach einem Blogeintrag von Otto Lambauer, die er damals noch schrieb, mich in den &#8220;Wochenendrecherchen&#8221; mit einigen j\u00fcngeren \u00f6sterreichischen Gegenwartsautorinnen besch\u00e4ftigt. 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