{"id":3326,"date":"2010-05-02T21:23:33","date_gmt":"2010-05-02T19:23:33","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3326"},"modified":"2010-05-02T21:23:33","modified_gmt":"2010-05-02T19:23:33","slug":"mochtegern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3326","title":{"rendered":"M\u00f6chtegern"},"content":{"rendered":"<p>Milena Mosers &#8220;M\u00f6chtegern&#8221; ist ein Buch, das zu mir und meinem Blog passt, ein Buch \u00fcber eine sogenannte literarische Castingshow, dem Schreiben, dem Literaturbetrieb ect.<br \/>\nIch habe das Buch im Literaturgefl\u00fcster, nachdem ich die Ank\u00fcndigung und die Schreib\u00fcbungen dazu, bei www.literaturcafe.de gefunden habe, schon ein paar Mal erw\u00e4hnt. Lillyberry und leselustfrust haben es auf ihren Seiten besprochen, so da\u00df ich es mir w\u00fcnschte, als mir Alfred sagte, da\u00df ich mir von dem Amazon Gutschein, den er f\u00fcr ein Marketinginterview bekommen hat, etwas aussuchen kann.<br \/>\nEin Buch \u00fcber den Literaturbetrieb ist f\u00fcr mich ja sehr faszinierend und es beginnt auch gleich auf diese Weise:<br \/>\n&#8220;Sie wollten alle dasselbe!&#8221;, n\u00e4mlich schreiben, die M\u00f6chtegerns oder &#8220;wannabes&#8221;, wie es im Buch geschrieben wird und so wird auf den ersten Seiten, auch die Szene geschildert, wo sich einige der M\u00f6chtegernautoren mit ihren Laptops, Notizb\u00fcchern, Schreibratgebern ect. in eine Starbucks-Filiale setzen und die zuf\u00e4llig vor\u00fcbergehende Frau, wird in vierzig Geschichten vorkommen, so da\u00df der Fernsehsender auf die Idee kommt, in einer SchreibFabrik, den neuen Schreibstar zu suchen und die gerade ins Klimatkterium gekommene Autorin Mimosa Mein, die mit achtzehn durch einen skandal\u00f6sen Bestseller ber\u00fchmt geworden ist, aber schon jahrelang kein Buch mehr ver\u00f6ffentlicht hat, f\u00fcr die Jury zu verpflichten.<br \/>\nDa Milena Moser eine Welt beschreibt, wo jede Hausfrau, Putzfrau, Schwiegermutter ect. einen eigenen Roman in der Nachttischlade liegen hat, melden sich Tausende, um ber\u00fchmt zu werden. Hundert Manuskripte bekommen die Jurymitglieder aus denen zuerst zwanzig, dann zehn f\u00fcr die Show ausgew\u00e4hlt werden. F\u00fcnf gute und f\u00fcnf schlechte Schreiber, damit das Publikum auch was zu Lachen hat. Jury und Teilnehmer m\u00fcssen Knebelvertr\u00e4ge unterschreiben, die Jury hat, wie es scheint, bei der Allmacht des Fernsehsenders gar nicht soviel mitzureden, denn die Gewinnerin steht schon von vornherein fest und der Umgangston zwischen den Jurymitgliedern ist \u00f6d und rauh. Trotzdem sagt Mimosa Mein, die in einem kleinen Dorf mit ihrer Freundin und Agentin lebt, von ihr und der Putzfrau Czerny geh\u00f6rig herumkommandiert wird und jahrelang nicht das Haus verlassen hat, sondern sich die Post von der Putzfrau und das Essen vom D\u00f6ner King bringen l\u00e4\u00dft, zu und ger\u00e4t ab da in eine turbulente Liebe und andere Turbulenzen.<br \/>\nEinen breiten Raum nimmt die Beschreibung der &#8220;wannabes&#8221; ein, drei werden zum Beispiel von der Therapeutin Dr. Caprez zu dem Wettbewerb geschickt und fliegen als erstes wieder hinaus. Anita Hubli-Giezendanner, die Hausfrau, deren Mann sie schon lang mit seiner Sekret\u00e4rin betr\u00fcgt und deren Tochter Caroline, Mamis Auftritt beim Fernsehen peinlich findet, soll zuerst gar nicht aufgenommen werden und verdankt ihre Aufnahme Mimosas Kompromi\u00dfbereitschaft, die die Teilnehmer, obwohl es ihr verboten ist, mit &#8220;Meine Lieben!&#8221;, anspricht und selbst an den schlechtesten Texten noch etwas Gutes findet. Mimosa wird auch in dem Buch mit dem ihre Putzfrau, eine unterwartete Karriere macht, als die &#8220;Frau, die nichts taugt&#8221;, bezeichnet, obwohl sie mit ihrem Brieftr\u00e4ger lange Gespr\u00e4che f\u00fchrt und von diesen, als der sich nach seiner Pensionierung eine Frau aus Asien holt, zur Trauzeugin auserkoren und gibt der Castingshow durch ihre Intuition auch ein jehe Wende, aber das ist nicht nur ihr Verdienst, sondern wurde von Iris Hasenfratz so inszeniert, die eigentlich als Schreibstar auserkoren war.<br \/>\nAber vorerst bekommt Mimosa seltsame anonyme Manuskripte, in denen sie die Sprache ihrer Jugendliebe, des Aufdeckungsungsjournalisten HaGe Krieg erkennt, der allerdings vor Jahren Selbstmord begangen hat, die sie in die Geschichte eines L\u00fcgners einf\u00fchrt und das Schreibcamp beginnt.<br \/>\nZehn Kanditaten ziehen in die Schlafs\u00e4le, f\u00fcnf M\u00e4nner und f\u00fcnf Frauen, werden ununderbrochen gefilmt und bekommen Schreibaufgaben, nach denen immer zwei hinausgeschmissen werden und dann Karriere machen.<br \/>\nDas Buch ist flott dahingeschrieben, die Biografie Mimosa Meins  \u00fcberladen und klingt nach einem Frauenroman und, als besondere Ironie des Schicksals, hei\u00dft der Sexroman mit dem sie mit achtzehn ber\u00fchmt geworden ist, auch noch &#8220;Roadkill&#8221; und erz\u00e4hlt ironisch und dann auch wieder liebevoll viel aus der Welt der Schreiberlinge. Im Gegensatz zu Leselustfrust, die das Buch am Anfang spannend, dann eher langwierig findet, erging es mir umgekehrt.<br \/>\nMit Beginn des Schreibecamps fand ich es faszinierend, die Rahmenhandlung, Mimosas Biografie, ihre Liebhaber und auch die konstruierte Krimihandlung mit dem Schlagers\u00e4nger Nico und Ha Ge Krieg, haben mich nicht so vom Sessel gerissen, eher die  sozialkritischen Episoden, die Stellen mit der Psychotherapeutin, die ihre Klienten zu dem Camp schickt nat\u00fcrlich, die Person des Brieftr\u00e4gers M\u00fcller, Frau Czerny und auch die Stelle im Frisiersalon, wo die Damen und die Schwiegerm\u00fctter ihre Romane aus den Taschen ziehen, weil alle dasselbe wollen und das stimmt ja auch, zumindestens f\u00fcr die Klienten einer Schreibwerkstatt und das Buch endet damit, da\u00df Mimosa eine Schreibwerkstatt gr\u00fcndet und ist auch Milena Mosers Schreibgruppe gewidmet.<br \/>\nF\u00fcr einen Teil der Menschen, ist das Schreiben sicher wichtig, wenn man wirklich einen solchen Wettbewerb ausschreiben w\u00fcrde, w\u00fcrden sich wahrscheinlich auch tausend &#8220;wannabes&#8221; melden, die dann auf einen oder zwei zu reduzieren, finde ich sehr problematisch, wie alle wissen, die meinen Blog regelm\u00e4\u00dfig lesen, da vertrete ich die Position von Mimosa Mein, die am liebsten alle gewinnen lassen will.<br \/>\nIm Buch gibt es immer wieder leere Seiten, wo man seine eigenen Schreib\u00fcbungen machen und wenn man so will, den Roman um oder weiterschreiben kann. Bestimmt ein interessantes Buch, das die, die nur das eine wollen, verschlingen werden.<br \/>\nDa\u00df es bei uns keine solche SchreibFabrik gibt, finde ich gut, eine solche Sendung w\u00fcrde wohl auch kein Quotenhit werden. Es gibt aber  etwas \u00c4hnliches, wenn auch auf einem etwas anderen Niveau und das r\u00fcckt bald n\u00e4her. Ende Mai werden ja die Namen der vierzehn Gl\u00fccklichen bekanntgegeben, die um den heurigen Bachmannpreis lesen d\u00fcrfen und das Klagenfurter Wettlesen kommt in dem Buch auch an einer Stelle vor.<br \/>\nUnd ich hab nach einigen eher m\u00fchsamen Diskussionen der letzten Woche, auch etwas Erfreuliches zu berichten. Mein f\u00fcr den Osterspaziergang geschriebener Blogbeitrag &#8220;Erinnerung an Helmut Eisendle&#8221; soll im n\u00e4chsten &#8220;Freibord&#8221; erscheinen und das &#8220;Ecetera Viertel Heft&#8221;, in dem das Interview mit mir enthalten sein soll, wird am 19. Mai in St. P\u00f6lten vorgestellt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Milena Mosers &#8220;M\u00f6chtegern&#8221; ist ein Buch, das zu mir und meinem Blog passt, ein Buch \u00fcber eine sogenannte literarische Castingshow, dem Schreiben, dem Literaturbetrieb ect. 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