{"id":3330,"date":"2010-05-03T23:38:56","date_gmt":"2010-05-03T21:38:56","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3330"},"modified":"2010-05-03T23:38:56","modified_gmt":"2010-05-03T21:38:56","slug":"meine-welthier-war-immer-schon-jetzt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3330","title":{"rendered":"Meine Welt: hier war immer schon jetzt"},"content":{"rendered":"<p>Die Textvorstellungen mit Angelika Reitzer tragen immer das Thema Welt im Titel.<br \/>\n &#8220;Die Welt hat ihre Erinnerung verloren&#8221;, im Februar und &#8220;Die Welt ist \u00fcberall anders&#8221;, im Dezember 2009. Heute hie\u00df es &#8220;Meine Welt: war immer schon jetzt&#8221; und Angelika Reitzer hat, wie immer die neuen  Sprachtalente zusammengesammelt und ihre Lesungen mit einem poetischen Essay eingeleitet.<br \/>\nHeute waren die vier Ausgew\u00e4hlten besonders interessant, zwei habe ich noch nicht gekannt, w\u00e4hrend mir Sandra Gugic durch den Exilliteraturpreis und Martin Fritz durch den FM4 Wettbewerb ein Begriff sind und Roman Marchel habe ich vielleicht beim Siemens Literaturpreis kennengelernt, aber da kann ich mich nicht mehr erinnern und die Anthologie habe ich auch nicht.<br \/>\nEs begann aber ohnehin mit der 1983, geborenen Felizitas Ferder und von der, habe ich noch nichts geh\u00f6rt. Der Text der jungen Frau war aber sehr interessant und richtig, au\u00dfer dem etwas sperrigen Titel gab es auch ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch dieTexte zog, n\u00e4mlich Familienbeziehungen, beziehungsweise das Heimatthema.<br \/>\nSo hie\u00df Felizitas Ferders Text &#8220;Der letzte Fischer&#8221;. Sie hat ihn, wie sie erz\u00e4hlte, f\u00fcr einen Kurzgeschichtenwettbewerb geschrieben und weil, sie  nicht recht wu\u00dfte, wie sie das machen sollte, hat sie einen Text \u00fcber das Kurzgeschichtenschreiben an Hand der Beziehung eines Sohnes zu seinem Vater, geschrieben, der offenbar dessen Wohnung ausr\u00e4umt und sich an ihn erinnert.  Der Vater war ein Dichter bzw. Geschichtenschreiber und hat dem Sohn auch fortw\u00e4hrend solche erz\u00e4hlt.<br \/>\n&#8220;Die perfekte Geschichte, hast du immer gesagt, hat einen Anfang, eine \u00fcberraschende Wendung und einen Schlu\u00df!&#8221;<br \/>\nDazwischen rollt das Leben ab. Zeigt der Vater dem Vierj\u00e4hrigen ein Buch, in dem eine Widmung an den Sohn geschrieben steht, erz\u00e4hlt die vergleichende Literaturwissenschaft studiert habende Mutter, da\u00df es in den Geschichten niemals um Wahrheit geht, vorher geht es um um die Geliebten des Ich-Erz\u00e4hlers und unterstellt der Vater, da\u00df der Sohn das Koks in den Keller schmuggelte, das die Mutter dort fand und sich deshalb scheiden lie\u00df.<br \/>\nEin raffinierter Schreibwokshop, solche Erz\u00e4hlungen faszinieren mich ja immer und  der bewu\u00dfte Siemens- Preisgewinner erz\u00e4hlte in &#8220;Mein Zuhause im Hornissenbaum&#8221; vom Gl\u00fcck einer perfekten Familie. Da geht es um ein Paar, das sich ein Knusperh\u00e4uschen kauft, dort ein paar Jahre in der K\u00fcche duscht,  im Freien die Mahlzeiten einnimmt, zwei Kinder bekommt und weil sich die Mutter weigert, die kaputte Ulme zu f\u00e4llen, zerst\u00f6rt die das Fenster des Zimmers des Sohnes und der wird noch von den Hornissen gestochen, liegt auf der Intensivstation, wo ihn die Schwester in ihrer Panik wieder in das Leben und in die Familie hineinholen will. So kann man gl\u00fcckliche Familien auch beschreiben. Man kann seine Kindheitserinnerungen aber auch als Identit\u00e4tssuche ausdr\u00fccken.<br \/>\n&#8220;Sprache ist Heimat&#8221;, hat die aus einer serbischen Familie stammenden, 1976 in Wien geborene, Sandra Gugic 2008 im Interview bez\u00fcglich des Exil-Literaturpreises, gesagt und in  &#8220;Mutterland und Vaterzunge&#8221;, schildert sie eine junge Frau, die im Auto, die Cassetten eines Serbisch-Sprachkurses h\u00f6rt, um sich die Sprache einzupr\u00e4gen, die sie zwar versteht, aber nicht mehr spricht, w\u00e4hrend sie zu ihren Eltern zum Essen f\u00e4hrt, die nicht verstehen, warum ihre Kinder in der Welt herumreisen wollen, statt eine Familie mit Enkelkindern zu gr\u00fcnden. Die junge Frau, will aber, wie ihr Bruder nach Belgrad fahren, um sich das Vaterland oder was auch immer anzusehen, w\u00e4hrend die Eltern in der zweiten gr\u00f6\u00dferen Wiener Wohnung nach dem Mittagessen streiten.<br \/>\nDann kam Martin Fritz, der heurige Gewinner des Rauriser F\u00f6rderungspreises und Juror des neuen FM4 Wettbewerbes mit einem nicht zur G\u00e4nze passenden Text, mit dem er aber, wenn ich es richtig verstanden habe, in Rauris gewonnen hat und zwar geht es in &#8220;Hier war jetzt&#8221;, woraus sich auch der Veranstaltungstitel zusammensetzt, um einen Monolog, den der Ich-Erz\u00e4hler mit seinem Freund Stefan und seiner Freundin Britta erlebt. Zwar liegt er mit Britta auch im Bett der verstorbenen Gro\u00dfmutter und in der K\u00fcche liegen Bettina von Arnims romantische Schriften, w\u00e4hrend es im Gespr\u00e4ch der Beiden, um die Popkultur oder was immer man in den Zweitausendzehnerjahren in Studentenwohnungen h\u00f6rt, geht und beim Kaffeeautomaten in der Uni hat Stefan den Erz\u00e4hler mit dem Satz &#8220;Haben alles falsch gemacht&#8230;!&#8221;, zudr\u00f6hnt und dann in einer Endlosspirale die Namen von Thomas Bernhard bis ingeborg Bachmann ect&#8230; aufgez\u00e4hlt.<br \/>\n &#8220;Doris Mitterbacher ist ausgenommen!&#8221;, hat Martin Fritz  hinzugef\u00fcgt, denn die sa\u00df im Publikum unter wieder sehr viel jungen Leuten, bei denen, wenn ich mich nicht irre, auch Studenten des Hochschullehrgangs f\u00fcr Sprachkunst waren.<br \/>\nZumindest h\u00f6rte ich Sandra Gugic einem jungen Mann, der sp\u00e4ter neben mir sa\u00df, etwas von der n\u00e4chsten Veranstaltung mit Sabine Scholl zufl\u00fcstern und das f\u00fchrt mich von den Textvorstellungen zu den Vermutungen bez\u00fcglich der neuen Bachmannpreisleser.<br \/>\nDa wird die Leseliste zwar erst Ende Mai bekanntgegeben, ein bi\u00dfchen kann man aber  schon dar\u00fcber spekulieren, wer die vier ausgew\u00e4hlten \u00d6sterreicher und \u00d6sterreicherinnen sein werden?<br \/>\nSandra Gugic, Martin Fritz, vielleicht auch Felicitas Ferder sein oder etwas bekannter Katharina Tiwald, Reinhard Kaiser-M\u00fchlecker, Andrea Stift, Cornelia Travnicek, Andreas Unterweger, Sehe Cakir, Mieze Medusa, Anna Weidenholzer oder die letzte Rauris Preistr\u00e4gerin Julya Rabinowich?<br \/>\nMal sehen, ich bin ja bekanntlich nicht sehr gut im Sch\u00e4tzen und habe mich bei meinen bisherigen Versuchen immer geirrt und bei den deutschen Bewerbern mu\u00df ich \u00fcberhaupt passen, da mir au\u00dfer Sebastian Keller und Finn-Ole Heinrich keine Namen einfallen, die in Frage kommen, weil ich die deutschen Dichter und Dichterinnen erst  wahrnehme, wenn sie in Klagenfurt gelesen haben, was auch f\u00fcr die Schweizer gilt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Textvorstellungen mit Angelika Reitzer tragen immer das Thema Welt im Titel. &#8220;Die Welt hat ihre Erinnerung verloren&#8221;, im Februar und &#8220;Die Welt ist \u00fcberall anders&#8221;, im Dezember 2009. Heute hie\u00df es &#8220;Meine Welt: war immer schon jetzt&#8221; und Angelika &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3330\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-3330","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3330","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3330"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3330\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3330"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3330"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3330"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}