{"id":3356,"date":"2010-05-05T23:24:03","date_gmt":"2010-05-05T21:24:03","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3356"},"modified":"2010-05-05T23:24:03","modified_gmt":"2010-05-05T21:24:03","slug":"lyrik-session-ii","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3356","title":{"rendered":"Lyrik Session II"},"content":{"rendered":"<p>Nach einem Tag intensiver Textkorrekturen, kam am Morgen eine \u00dcberraschung, n\u00e4mlich ein Gewinn zu einem Gewinnspiel, an das ich mich kaum mehr erinnern kann. Aber nat\u00fcrlich habe ich &#8220;Compliment &#8211; Magazin f\u00fcr Frauen, das ich auf der Buch-Wien probeweise abonniert habe, ein Mail geschrieben, da\u00df ich gern eins von Erika Pluhars handsiginierten &#8220;Sp\u00e4ten Tageb\u00fcchern&#8221; gewinnen will und  offensichtlich Gl\u00fcck gehabt.<br \/>\nBez\u00fcglich meines Lyrik Trips bin ich am Vormittag darauf gekommen, da\u00df ich noch zwei weitere Otto M\u00fcller Lyrikb\u00e4nde liegen habe und zwar Ingram Hartingers &#8220;Unwirsch das Herz&#8221; und &#8220;Amaganset&#8221;,  das ist auch ein GAV-Kollege, zwar schon 1949 in Saalfelden geboren, daf\u00fcr Psychologe und ist bei der GAV-Vollversammlung in Graz vor zwei Jahren auf mich zugekommen und hat mir die B\u00fccher in die Hand gedr\u00fcckt und etwas von &#8220;schuldig sein&#8221;, gemurmelt, das ich erst gar nicht verstanden habe. Dann ist mir eingefallen, da\u00df er, als die &#8220;Hierarchien&#8221; erschienen sind, ein Rezensionsexemplar haben wollte und dann ist keine Rezension erschienen. Ingram Hartinger hat bei die damalige Vollversammlung, wenn ich mich nicht irre, ver\u00e4rgert verlassen und ich habe vor kurzen seinen Bericht \u00fcber &#8220;Triest und Basaglia&#8221; im Radio geh\u00f6rt und bin sicher, da\u00df seine Gedichte zu Stephan Eibel Erzberg und Rolf Schwendter passen, habe es aber nicht geschafft, sie zu lesen und mu\u00df wohl eine dritte, vierte, f\u00fcnfte Lyrik Session anh\u00e4ngen.<br \/>\nZuerst aber zu Stefan Eibel Erzberg, der mir seine &#8220;Luxusgedichte&#8221; zum vorigen Geburtstag gebracht hat. Ich kenn den 1953 in Eisenerz geborenen schon lang. Er ist immer sehr nett zu mir und wir f\u00fchren manchmal rege Maildiskussionen. Ich hab in meinem Blog schon viel \u00fcber ihn geschrieben, war im Vorjahr bei seiner Lesung in der alten Schmiede, habe &#8220;Sofort verhaften&#8221; besprochen, kenne ihn als  kritischen Menschen und politischen Aktivisten.<br \/>\n&#8220;Seine Aktionen und Manifeste sind sehr bekannt!&#8221;, schreibt Christoph Zielinski im Vorwort der &#8220;Gedichte zum Nachbeten&#8221;.<br \/>\nBeide B\u00e4nde sind beeindruckend. Die &#8220;Gedichte zum Nachbeten ein lyrisches Tagebuch, das Stephan Eibel Erzberg seit 1999 f\u00fchrt und vom 4. 10. 1999 bis Oktober 2006 immer wieder lyrische Eintr\u00e4ge macht. Die Geburt seiner Tochter Marlene kommt darin vor, es gibt auch ein Bild von ihr, wie sie in den Kindergarten geht und eines von Gattin Bettina und ihm selbst mit offenbar blonder Per\u00fccke.<br \/>\nMit &#8220;Ich sitz &#8211; seit 1953 im zug der zeit und will applaus applaus applaus&#8221; geht es los, dann werden einige, nicht alle politische, famili\u00e4re und literische Ereignisse erw\u00e4hnt. So wird am 1.1.2000 das &#8220;Aufenthaltsgesetz erw\u00e4hnt, da\u00df die Zuwanderung nach \u00d6sterreich regelt&#8221;, die n\u00e4chste Eintragung kommt aber erst am 2. 5. &#8220;Ich bewundere den holunder und gr\u00fc\u00df meine f\u00fc\u00df&#8221; und nichts von &#8220;Widerstand, Widerstand!&#8221;, was mich bei einem etwas wundert, der als das Buch 2008, im Tag f\u00fcr Tag vorgestellt wurde, eine Klage der F-Partei bekommen hat.<br \/>\nAm 4. 12. 2000  hat H.C. Artmann aufgeh\u00f6rt zu atmen und die Gedichte von ernstn jandl kommen vor &#8220;wenn ich mich an kein einziges Buch vom ernstn jandl erinnern kann und nicht schlaf, dann bin ich auch eine leich aber eine die ernstn jandl viel und so gern gelesen hat&#8221;<br \/>\nUnd immer wieder Gedichte von und f\u00fcr die Tochter Hannah und das von 2003 von &#8220;sechziger jahr dusaujud &#8211; siebziger jahr dusautschusch &#8211; achtziger jahr duschatzerldu &#8211; gegenwart dusauneger&#8221;, was offensichtlich im Rundfunk den Unmut der alten Herrn erregte.<br \/>\nChristoph Zielinski reiht Stephan Eibel Erzberg Zeit irgendwo zwischen Helmut Qualtinger, Heinrich Heine und Bert Brecht ein und spricht von der Sehnsucht nach l\u00e4ngst aufgegebener Gerechtigkeit, die merkt man den Gedichten stark an und und ist auch in den &#8220;Luxusgedichten&#8221; zu finden, die mich vielleicht noch mehr beeindruckt haben. Ein sehr starker Gedichtzyklus mit einer starken Originalit\u00e4t<br \/>\n &#8220;zuerst ist einmal der wunsch mit der heirat erf\u00fcllt &#8211; super &#8211; dann ist der herr abteilungsleiter geworden &#8211; super &#8211; deine frau ist an der spitze einer gr\u00f6\u00dfereren firma &#8211; super und dann erschie\u00dfen sich alle &#8211; super&#8221; Das sind Ausschnitte des Luxusgedicht Nummer eins und so geht es durch das Buch in allen Varianten.<br \/>\n&#8220;morgen hast du drei wichtige termine- sch\u00f6n &#8211; du kannst nicht einschlafen &#8211; sehr gut &#8211; und dann kommt aus dem radio &#8211; let it be&#8221; und so weiter und so fort.<br \/>\nDazwischen gibt es ein paar autobiografisch scheinende Dialektgedichte und man wei\u00df sehr viel oder vielleicht auch gar nichts \u00fcber Stephan Eibel Erzberg, der ja abgesehen von der Klage der F durch einige Aktionen aufgefallen ist.<br \/>\nNach den GVs der GAV war es f\u00fcher \u00fcblich von der Stadt Wien zu einem Essen eingeladen zu werden, ich war nie dort, denn als ich 1987 aufgenommen worde, hat Stephan Eibel Erzberg angedroht, Obdachlose mitzubringen, so da\u00df die Veranstaltung abgesagt wurde und dann gab es noch die ORF Aktion, die im fr\u00f6hlichen Wohnzimmer dokumentiert wurde, da verlangte Stephan Eibel, da\u00df bevor er gesendet wird, seinen Texten eine Erkl\u00e4rung vorangestellt werden mu\u00df, da\u00df sich der ORF von sovielen Dingen distanziert, da\u00df er dann wahrscheinlich nie mehr gesendet werden k\u00f6nnte.<br \/>\n&#8220;Am\u00fcsiert verzweifelt!&#8221;, wie es Christoph Zielinski im Vorwort der &#8220;Gedichte zum Nachbeten&#8221; nennt, jetzt habe ich schon l\u00e4nger von Stephan Eibel Erzberg nichts mehr geh\u00f6rt, die Gedichte sind aber sehr zu empfehlen. Dann hab ich mir noch Rolf Schwendters &#8220;Drizzling Fifties&#8221; in die Badewanne mitgenommen, da\u00df ich im November bei der Buchlandung Landstra\u00dfe in der Ein-Euro Kiste gefunden habe und den 1939 geborenen Subkulturforscher,  derzeitigen GAV-Pr\u00e4sidenten und Lestheatergr\u00fcnder und seine politschen Ges\u00e4nge kenne ich auch schon lang.<br \/>\nDer 1996 bei Deuticke erschienene Gedichtband ist ein Streifzug in zweiundf\u00fcnzig Ges\u00e4ngen durch die spr\u00fchenden F\u00fcnzigerjahre und das ist f\u00fcr eine 1953 geborene sicher interessant, auch wenn ich nicht alle Anspielungen verstanden habe und mir die Anmerkungen fehlen, an denen ich mich orientieren h\u00e4tte k\u00f6nnen, passt es zu den anderen Lyrikern, die ja alle in den F\u00fcnfzigerjahren geboren sind und so habe ich die Lekt\u00fcre sehr genossen und etwas Erfreuliches ist noch zu vermelden, hat mir doch Janko Ferk gemailt, da\u00df sich das Literaturhaus auf die Besprechung von &#8220;Sophie Hungers Krisenwelt&#8221; freut, weil es Sabine Schuster f\u00fcr ein aktuelles Buch h\u00e4lt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einem Tag intensiver Textkorrekturen, kam am Morgen eine \u00dcberraschung, n\u00e4mlich ein Gewinn zu einem Gewinnspiel, an das ich mich kaum mehr erinnern kann. 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