{"id":3368,"date":"2010-05-06T23:10:08","date_gmt":"2010-05-06T21:10:08","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3368"},"modified":"2010-05-06T23:10:08","modified_gmt":"2010-05-06T21:10:08","slug":"anita-c-schaub-auffuhrung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3368","title":{"rendered":"Anita C. Schaub"},"content":{"rendered":"<p>Im Amerlinghaus gabs heute die von Hilde Schm\u00f6zer veranstaltete Lesetheaterauff\u00fchrung von Anita C. Schaubs, 2008 bei Resistenz erschienener Erz\u00e4hlung &#8220;Tanzende Rose&#8221;, au\u00dferdem haben noch Monika Giller und Gabriela Schmoll mitgewirkt.<br \/>\nVon Anita C. Schaub hab ich schon einige Mal geschrieben. Kennengelernt hab ich sie bei dem von Rolf Schwendter organisierten &#8220;Tag der Freiheit des Wortes&#8221; 2002.<br \/>\nDa hat sie mich, Elfriede Haslehner und andere Frauen angesprochen, da\u00df sie eine Lesetheaterfrauengruppen gr\u00fcnden will. Sie ist 1959 geboren, hat in K\u00e4rnten gelebt, Philologie, P\u00e4dagogik und Psychologie studiert, kam 2001 nach Wien und hat als Beratungslehrerin gearbeitet. Vor allem hat sie sich f\u00fcr den Feminismus  und die Frauenforschung interessiert und erschien mir da immer sehr konsequent. So ist 2004 &#8220;FrauenSchreiben&#8221; Gespr\u00e4che mit siebzehn Autorinnen entstanden. Sie hat dann auch literarisch zu schreiben begonnen und ist inzwischen GAV Mitglied.<br \/>\n\u00dcber das 2009 bei Arovell erschienene &#8220;Fremdenzimmer&#8221; habe ich schon geschrieben.<br \/>\n &#8220;Tanzende Rose&#8221;  ist eine Erz\u00e4hlung in drei Teilen, im &#8220;Tag danach&#8221; schimpft eine alte Frau im Endlosmonolog vor sich hin. Sie ist fr\u00fchpensionierte Lehrerin, scheint, obwohl sie davon spricht, viel Geld zu haben, in einem Zinshaus zu leben und unter den Nachbarn und den angepinkelten,  stinkenden Hausfluren sehr zu leiden und darunter, da\u00df ihre Psychoanalytikerin, bei der sie seit achtzehn Jahren f\u00fcnfmal in der Woche war, in Pension gegangen ist. Denn au\u00dfer ihr scheint es nur einen Neffen zu geben, der Mann ist ihr verlorengegangen, der Vater, der Bruder, die manisch depressive Schwester haben sich umgebracht, die Mutter ist gestorben. Sehr viel Einsamkeit, Grant, \u00c4ngste und Unsicherheit und dann gibt es noch das Zigarettenkippensammeln, da\u00df sie von ihrem Mann \u00fcbernommen hat.<br \/>\nNeben sehr starken Bildern also ein paar Klischees und Widerspr\u00fcche, ber\u00fchrend ist die Verzweiflung und die Abh\u00e4ngigkeit von der Analytikerin, aber vom Analytikerbubi wurde sie nat\u00fcrlich verf\u00fchrt.<br \/>\nDas zweite Kapitel hei\u00dft &#8220;L\u00e4cheln&#8221;, da ist der Erbneffe auf den Plan getreten und hat dem Tantchen, das nicht so genannt werden will, eine Reise nach Stockholm geschenkt. Dort bl\u00fcht die alte Dame auf, beginnt sich f\u00fcr Kaffeeh\u00e4user und Menschen zu interessieren, geht zum Friseur, kauft sich einen Badeanzug und lernt zuerst einen zahnlosen Fleischhauer, dann eine Kapit\u00e4nin kennen, die sie von ihren Klaustrophobien befreit und sie mit ihrer Freundin, das Gl\u00fcck des Feminismus lehrt. Total verj\u00fcngt kehrt sie nach zwei Wochen zu ihrem Neffen zur\u00fcck, der sie gar nicht mehr erkennt, ihr aber die kleine Chris pr\u00e4sentiert, was das Gl\u00fcck der Gro\u00dftante verst\u00e4rkt, obwohl sie auch Sehnsucht nach Karla und deren Freundin hat. Sie \u00e4ndert das Testament zu Gunsten der kleinen Nichte, um im dritten Kapitel ein paar Jahre sp\u00e4ter, selber Psychoanalytikerin zu sein, den Menschen zuzuh\u00f6ren, ein H\u00e4uschen im Gr\u00fcnen zu besitzen und l\u00e4chelnd, wie eine tanzende Rose durch das Leben zu wandeln, weil doch alles so einfach ist.<br \/>\nSehr widerspr\u00fcchig und es ist auch sehr viel hineingepackt. Aber sch\u00f6ne starke Bilder, viel Feminismus, auch in der Sprache, dann gibt es wieder viele M\u00e4nnerbeziehungen, was ja auch in Ordnung ist.<br \/>\nUnglaubw\u00fcrdig ist die Wandlung zur Psychoanalytikerin, scheint es sich doch, um eine alte Frau zu handeln und, da\u00df ein Stockholmurlaub von zwei Wochen, das erreicht, was achtzehn Jahre Analyse und noch ein paar andere in Pension gegangene Analytikerinnen nicht erreichen konnten, ist wohl nur als Parodie zu betrachten, als M\u00e4rchen ist es aber sch\u00f6n und das was man sich w\u00fcnschen sollte.<br \/>\nDas Vorwort hat Elfriede Hammerl geschrieben, auf der Einladung steht etwas von unterhaltsamen Lesevergn\u00fcgen, als das w\u00fcrde ich es nicht betrachten, daf\u00fcr sind die Bilder zu stark und das Elend zu dicht. Ich kann mir schon das Ottakringer Zinshaus vorstellen, wo die alten Frauen grantig schauen, die M\u00e4nner in den Lift pinkeln und nach der beschriebenen Lebensgeschichte sind die \u00c4ngste, Unsicherheiten, Traumen sicherlich so ausgepr\u00e4gt, da\u00df sie sich nicht so einfach ver\u00e4ndern lassen. Ich habe, da ich Anita Schaub ja gut kenne, lange \u00fcber die Geschichte nachgegr\u00fcbelt und denke, das ist Stoff aus dem man mehrere Romane machen kann.<br \/>\nAm Heimweg habe ich im offenen B\u00fccherschrank Elfriede Hammerls &#8220;Der verpasste Mann&#8221; und Lisa Fritschs Gedichte &#8220;Landsat&#8221; gefunden, sowie Ingeborg Reisner getroffen, die gerade vom Literaturhaus kam und  mir von einem beeindruckenden 1912, geborenen Fotografen erz\u00e4hlte, der dort sein Buch pr\u00e4sentierte und Cornelia Travniceks Milena Anthologie &#8220;How I fucked Jamal&#8221; wurde  im Badeschiff  auch vorgestellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Amerlinghaus gabs heute die von Hilde Schm\u00f6zer veranstaltete Lesetheaterauff\u00fchrung von Anita C. Schaubs, 2008 bei Resistenz erschienener Erz\u00e4hlung &#8220;Tanzende Rose&#8221;, au\u00dferdem haben noch Monika Giller und Gabriela Schmoll mitgewirkt. Von Anita C. 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