{"id":3383,"date":"2010-05-09T08:38:51","date_gmt":"2010-05-09T06:38:51","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3383"},"modified":"2010-05-09T08:38:51","modified_gmt":"2010-05-09T06:38:51","slug":"betrachtungen-zum-muttertag","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3383","title":{"rendered":"Betrachtungen zum Muttertag"},"content":{"rendered":"<p>Am Freitag ist das ecetera Viertel Jubil\u00e4umsheft zu f\u00fcnfundzwanzig Jahre literarische Gesellschaft St. P\u00f6lten mit dem ausf\u00fchrlichen Interview und einem Bild von mir, das Robert Eglhofer im J\u00e4nner in meiner Praxis machte, gekommen.<br \/>\nEs ist wieder ein interessantes Heft geworden. Ein zweites Foto mit mir gibts vom Osterspaziergang, ein Interview mit Manfred Chobot und viele sch\u00f6ne Texte zum Thema Viertel.<br \/>\nJetzt habe ich durch Robert Eglhofer mein Schulwissen, da\u00df Nieder\u00f6sterreich aus dem Most- dem Wein- dem Wald- und dem Industrieviertel besteht, wieder aufgefrischt, man kann auch einiges \u00fcber die St. P\u00f6ltner Stadtf\u00fchrungen erfahren. Emily Walton, auf deren Blog ich durch Thomas Wollinger gesto\u00dfen bin, hat einen Text mit dem Titel &#8220;Zu Viert&#8221; drinnen.<br \/>\nIch komme gleich zu mehr, will aber vorher auf  die Jubil\u00e4umslesung mit Klaus Ebner, Wolfgang Mayer-K\u00f6nig, Doris Kloimstein und Robert Eglhofer am 19. Mai im Stadtmuseum St. P\u00f6lten, Prandtauerstra\u00dfe 2 hinweisen und dann zu Thomas Fr\u00f6hlichs Beitrag &#8220;Betreten verboten&#8221; hin\u00fcberschwenken, der mich veranla\u00dft hat, diesen Artikel &#8220;Betrachtungen zum Muttertag&#8221; zu nennen, obwohl er mit sch\u00f6nen Leichen und Werw\u00f6lfen beginnt, denn da wird mit Toby Barlows Debutroman &#8220;Scharfe Z\u00e4hne&#8221;, der 2009 im Milena Verlag erschienen ist, eingeleitet.<br \/>\nCornelia Travniceks Milena Anthologie &#8220;How I fucked Jamal&#8221; wurde ja am Donnerstag vorgestellt und da beschreiben junge Frauen und M\u00e4nner ihre multikulti Lieben und sexuellen Migrationserfahrungen, wenn ich es richtig verstanden habe. Cornelia Travnicek freuts und hat f\u00fcr die Anthologie Dichter, wie Clemens J. Setz eingeladen, der sicher einen sch\u00f6nen Text geschrieben hat, aber, sollte der Milena Frauenverlag nicht heuer das Drei\u00dfigjahrjubil\u00e4um feiern, also \u00e4lter als die Lit Ges St. P\u00f6lten sein?<br \/>\nNat\u00fcrlich, denn 1980 hat Elfriede Haslehner mit einigen anderen engagierten Feministinnen den Wiener Frauenverlag gegr\u00fcndet. Inge Rowhani, Hilde Langthaler ect. waren auch dabei. Es gab die erste Anthologie &#8220;Aufschreiben&#8221;. Ich habe das Ganze durch den Arbeitskreis schreibender Frauen mitbekommen, in dem sich Elfriede Haslehner ebenfalls engagierte, einen meiner ersten Texte f\u00fcr die Anthologie geschickt, den sie nicht genommen hat. Sie hat mir damals einen Brief geschrieben, den ich noch aufgehoben hab, da\u00df ich an meiner Sprache arbeiten soll und in Therapie gehen, damit mir das Schreiben nicht so wichtig ist. Da hatte ich schon meine Gespr\u00e4chstherapieausbildung begonnen und das Schreiben ist mir wichtig geblieben. In der zweiten Anthologie &#8220;Arbeite Frau, die Freude kommt von selbst&#8221;, war auch ein Text von mir drinnen, denn ich hatte inzwischen bei der Ausschreibung des geschlechtsneutralen Kinderbuchs &#8220;M\u00e4dchen d\u00fcrfen pfeifen, Buben d\u00fcrfen weinen&#8221; gewonnen und J. u. V., die auch einen Band zur Arbeitswelt machten, haben meinen Text an den Frauenverlag geschickt.<br \/>\nEin paar Jahre ging das gut, dann wurden, wie Thomas Fr\u00f6hlich wertfrei schreibt, die idealistischen kapitallosen Gr\u00fcnderfrauen durch das professionelle Team Sylvia Treudl, Barbara Neuwirth, Diana Vogt Johanna Rachinger ect. ersetzt, das f\u00fcr anhaltende hohe Qualit\u00e4t der Ver\u00f6ffentlichungen sorgte.<br \/>\nEs gab auch eine feministische Wissenschaftsreihe in der Ruth Asp\u00f6cks &#8220;Der ganze Zauber nennt sich Wissenschaft&#8221;, erschienen ist, eine Krimireihe &#8220;Giftmelange&#8221;, Evelyn Grill wurde mit &#8220;Rahmenhandlungen&#8221; entdeckt und immer wieder interessante Anthologien. Sylvia Treudl hat, glaube ich, einen erotischen Touch hineingebracht. Von Margit Hahn habe ich einige B\u00e4nde zu Hause liegen, die ich noch nicht gelesen habe.<br \/>\nIch hab immer wieder Texte hingeschickt, unter anderem f\u00fcr eine Anthologie mit dem Titel &#8220;Falling in love&#8221; oder so, wo ich meine Begegnung mit Alfred, den ich durch ein Inserat kennengelernt habe, da\u00df ich 1982 im Falter aufgegeben habe, beschrieb. Der Text ist  im &#8220;Best of &#8211; Das Eva Jancak Geschichtenbuch&#8221; enthalten und der Frauenverlag hat sich 1997 in Milena umbenannt, da das, wie mir Barbara Neuwirth einmal sagte, f\u00fcr die deutschen Bestellisten besser war. Mir hat das schon damals nicht gefallen. Es gab dann auch ein neues Leitungsteam und 2000 hat das Widerstandsbuch &#8220;Die Sprache des Widerstandes ist alt wie die Welt und ihr Wunsch &#8211; Frauen in \u00d6sterreich schreiben gegen rechts&#8221;, den Bruno Kreisky Preis f\u00fcr das politische Buch erhalten. Da ist, wie schon beschrieben, mein &#8220;Widerstand beim Zwiebelschneiden&#8221; drinnen und als f\u00fcr die von Sylvia Treudl herausgegebene Anthologie &#8220;Viechereien-Tiere erz\u00e4hlen&#8221;, Texte gesucht wurden, habe ich einen alten Text umgeschrieben, an die damals aktuelle politische Situation angepasst, ihn &#8220;Ingrids Karriere&#8221; genannt, der auch erschienen ist.<br \/>\nDas wars dann, irgendwann hab ich ja aufgeh\u00f6rt, meine Texte reihenweise rundum zu schicken und mich auch bei Auschreibungen immer weniger beworben, so habe ich die Tatsache, da\u00df mit Thomas Ballhausen der Frauenverlag pl\u00f6tzlich auch M\u00e4nnern ge\u00f6ffnet war, nur am Rande mitbekommen. Der alte Milena Frauenverlag hat ja immer darauf geschaut nur Texte von Frauen zu ver\u00f6ffentlichen, auch wenn es Ger\u00fcchte gegeben hat, da\u00df es trotzdem M\u00e4nnern gelungen sein soll, ihre Sachen unter weiblichen Pseudonymen einzureichen.<br \/>\nMilena wurde 2007, wie Thomas Fr\u00f6hlich genau beschreibt von Vanessa Wieser \u00fcbernommen, die schon ein paar Jahre vorher die Pressearbeit machte und dabei gesehen hat, da\u00df, wie sie schreibt, die ausschlie\u00dfliche feministische Ausrichtung niemanden mehr wirklich interessiert. Und da auch der Rubel nicht mehr weiterrollte, hat Thomas Ballhausen, die Monster- Werwolf- Paranoia-Horrorreihe &#8220;Exquisite corpse&#8221; \u00fcbernommen, Rudolf Brunngrabers &#8220;Karl und das zwanzigste Jahrhundert&#8221; wurde wiederaufgelegt,  Cornelia Travniceks und Mieze Medusa neue &#8220;Falling in Love&#8221; &#8211; Anthologie, herausgegeben, eben die neue zeitgeschichtliche gesellschaftskritische emanziaptorische Auspr\u00e4gung, die nicht mehr M\u00e4nner und Frauenliteratur trennt, wie Vanessa Wieser das neue Verlagskonzept nennt. Thomas Fr\u00f6hlich hats im etcetera lang und genau beschrieben, Barbara Neuwirth hat mir vor eineinhalb Jahren auch gesagt, da\u00df sie damit leben kann.<br \/>\nIch finds trotzdem traurig, den Frauenverlag den Bach hinunterschwimmen zu sehen, um so mehr, da es durch die Frauenbewegung, viele junge gebildete Frauen gibt, die  ohne vielleicht nicht so leicht studieren h\u00e4tten k\u00f6nnen, jetzt aber spitze St\u00f6ckelschuhe tragen, mit denen sie sich die F\u00fc\u00dfe ruinieren und kurze R\u00f6cke, wo frau sich leicht verk\u00fchlt, f\u00fcr ihre prek\u00e4ren Praktikantenverh\u00e4ltnisse oft keinen Dienstvertrag haben und der freie Hochschulzugang f\u00fcr alle ist auch nur mehr Illusion. Der Aufnahmetest f\u00fcr Medizinstudenten, soll ja, wie man h\u00f6rt, die Frauen benachteiligen. Da bin ich wieder beim Muttertag, wo die M\u00e4nner den Frauen ein Bl\u00fcmchen und ein Milkaherz schenken und vielleicht sogar das Fr\u00fchst\u00fcck machen. Alfred kocht mir, der Anna und seinen Eltern Spargel, Fisch und Rindfleisch mit Charlotten und zum Nachtisch Topfenkn\u00f6del mit Erdbeersauce und die AUF-Frauenbewegung feiert am 28. Mai im Rathaus mit einem gro\u00dfen Fest den f\u00fcnfunddrei\u00dfigsten Jahrestag. Da stell ich aber im Amerlinghaus beim allt\u00e4glichen Leben, fast zwei Jahre Literaturgefl\u00fcster vor und werde auf das feministische Publikum wohl verzichten m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Freitag ist das ecetera Viertel Jubil\u00e4umsheft zu f\u00fcnfundzwanzig Jahre literarische Gesellschaft St. P\u00f6lten mit dem ausf\u00fchrlichen Interview und einem Bild von mir, das Robert Eglhofer im J\u00e4nner in meiner Praxis machte, gekommen. 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