{"id":339,"date":"2008-10-30T23:14:00","date_gmt":"2008-10-30T22:14:00","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=339"},"modified":"2008-10-30T23:14:00","modified_gmt":"2008-10-30T22:14:00","slug":"aus-dem-elfenbeinturm","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=339","title":{"rendered":"Aus dem Elfenbeinturm"},"content":{"rendered":"<p>Heute gabs  gleich zwei Veranstaltungen zum Thema  Schreiben. Und zwar erstens die Lesung der &#8220;Hausdurchsuchung&#8221; des deutschen Literaturinstitutes Leipzig, wo sich f\u00fcnf der dort zum Studium Auserw\u00e4hlten,  in die Karten schauen lie\u00dfen, um zu zeigen, da\u00df sie nicht weltfremd sind.<\/p>\n<p>Ich finde die Aktivit\u00e4ten der ehemaligen DDR-Dichterbildungsanstalt, die nach der Wende geschlossen werden sollte und von Josef Haslinger sozusagen unter Importierung des amerikanischen kreativen Writing-Guts gerettet wurde, sehr interessant und verfolge die Institutsaktivit\u00e4ten auch  \u00fcber das Internet.  So gibt es die &#8220;Hausdurchsuchung&#8221;, also  Werkstattlesungen der Studenten und die &#8220;Tippgemeinschaft&#8221;, die j\u00e4hrlich herausgegebene Anthologie und bei der Diskussion dann noch die Info, da\u00df von den sechshundert  Bewerbern  f\u00fcnfzig bis sechzig zu einem Auswahlgespr\u00e4ch eingeladen werden von denen  zehn bis zwanzig  aufgenommen werden.<\/p>\n<p>Da stelle ich mir  die Frage , was passiert  mit den anderen? Eine Antwort kommt vom Writersstudio, von dem ich die Einladung zum Infoabend  zu &#8220;Life writing &#8211; \u00fcber das Leben schreiben&#8221; bekommen habe. Und da die Kaiserstra\u00dfe auf dem Weg zur Hauptb\u00fccherei liegt, konnte ich mir beides geben, obwohl ich  nicht unbedingt autobiografisch schreibe, sondern mich in meinen Texten gerade davon zu abstrahieren lerne. Aber nat\u00fcrlich  ist alles autobiografisch und alles auch gleichzeitig nicht und das Spannende liegt  in der Ab\u00e4nderung beziehungsweise im Detail. Lebensgeschichten schreiben ist derzeit auch gerade in. So bieten Marlen Schachinger, Anni B\u00fcrkl und noch einige andere solche Seminare an,  ich h\u00f6re auch immer von Personen, die ihre Lebensgeschichten schreiben wollen und daf\u00fcr einen Coach suchen und  bin auch im Verteiler der &#8220;Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen&#8221;, die mich zu ihren Aktivit\u00e4ten l\u00e4dt.<\/p>\n<p>So habe ich, da ich  gern \u00fcber den Tellerrand hinausschaue, heute ein intensives Programm gehabt. Es war nur  zeitlich  zu knapp bemessen,  so da\u00df ich von dem einen fr\u00fcher weg mu\u00dfte, um  beim anderen zu sp\u00e4t zu kommen.  Ich bin in die Lesung von Sascha Macht hineingeplatzt und habe im Publikum niemanden au\u00dfer Marlen Schachinger gekannt. Es gab  aber eine Diskussion und man konnte sich erkundigen, wie das Schreiben lernen in Leipzig funktioniert. Die Texte, die ich h\u00f6rte, waren sehr interessant und Constantin G\u00f6ttfert stammt auch aus Wien und hat im Sommer beim Klagenfurter Literaturkurs gelesen.<\/p>\n<p>Jetzt ein Bericht aus der eigenen Schreibwerkstatt. Ende Oktober, Anfang November bin ich in den letzten zwei Jahren jeweils  mit einem Roman fertig geworden und habe dann gleich eine k\u00fcrzere Erz\u00e4hlung daran gef\u00fcgt. So entstand 2006 der Wiener Stadtroman mit der Erz\u00e4hlung &#8220;Wilder Rosenwuchs&#8221;, die  im J\u00e4nner bzw. Mai 2007 erschienen sind. Im vorigen Oktober habe ich &#8220;Und trotzdem&#8221; beendet und mit &#8220;Novembernebel&#8221; begonnen, der in den Weihnachtsferien 2007\/08 fertig geworden ist.<\/p>\n<p>Bei der &#8220;Radiosonate&#8221;, die  l\u00e4nger ist, ist das ein bi\u00dfchen anders. Da werde ich wohl erst im n\u00e4chsten Jahr mit dem Neuen  beginnen und die Erz\u00e4hlung f\u00e4llt aus. Das &#8220;Literaturgefl\u00fcster&#8221; ist aber auch recht aufwendig und nimmt einige Zeit in Anspruch, obwohl ich den Text ja mag und die Phase, in der ich mich leicht ablenken lie\u00df,   \u00fcberwunden ist.<\/p>\n<p>Noch einige Kleindetails aus dem Schreiberinnenalltag. Alfred ist  aus Griechenland zur\u00fcckgekommen und hat mir Rosen und Uwe Tellkamps &#8220;Turm&#8221; mitgebracht, der meine Absicht, als n\u00e4chstes Birgit Vanderbeke im Doppelpack zu besprechen,  ver\u00e4ndern wird und ich nur &#8220;Geld oder Leben&#8221; zu Ende lese, was, um an meinen letzten Artikel anzuschlie\u00dfen, ein leicht und locker daher geplaudertes Buch ist, das die menschlichen Katasthrophen, Krisen und Unzug\u00e4nglichkeiten aus der Sicht eines Kindes im jugendlichen schnodderigen Tonfall schildert und mir gerade deshalb gut gef\u00e4llt.<\/p>\n<p>Und bez\u00fcglich der allgemeinen Weltlage, die  st\u00fcndlich in den Nachrichten zu h\u00f6ren ist, habe ich von Hilde Schm\u00f6lzer heute ein &#8220;Gedicht f\u00fcr Aktienbesitzer&#8221; gemailt bekommen, das Kurt Tucholsky 1930 in der Weltb\u00fchne ver\u00f6ffentlicht hat, das so aktuell grauslich ist, da\u00df einer das Schaudern \u00fcberf\u00e4llt und sie sich fragen mu\u00df, wann denn jetzt der dritte Weltkrieg kommt?<\/p>\n<p>Wobei zu erg\u00e4nzen ist, da\u00df Alfred inzwischen herausgefunden hat, da\u00df das Gedicht wahrscheinlich von den Freiheitlichen ist, was auch ganz interessant ist. (<a href=\"http:\/\/www.sudelblog.de?p=378\">Sudelblog.DE<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/in_und_ausland\/kultur_und_medien\/feuilleton\/1618259_Freiheitlich.html\">Frankfurter Rundschau<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute gabs gleich zwei Veranstaltungen zum Thema Schreiben. 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