{"id":3437,"date":"2010-05-16T02:04:19","date_gmt":"2010-05-16T00:04:19","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3437"},"modified":"2010-05-16T02:04:19","modified_gmt":"2010-05-16T00:04:19","slug":"am-ende-des-gartens","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3437","title":{"rendered":"Am Ende des Gartens"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Am Ende des Gartes&#8221; &#8211; Erinnerungen an eine Jugend von Erika Pluhar beginnt mit einer Gartenszene und endet mit einer solchen.<br \/>\nDas 1997 ver\u00f6ffentlichte Buch, in der distanzierten &#8220;Sie-Form&#8221; geschrieben, die von einer Erika berichtet, die Schauspielerin werden will und bald nach der Geburt der Tochter Anna und der nicht so gl\u00fccklichen Eheschlie\u00dfung mit Udo Proksch ziemlich abrupt endet, beginnt mit der Schilderung des Gartens im polnischen Lemberg und von der ersten Erinnerung des kleinen M\u00e4dchen, das mit seinem Spielgef\u00e4hrten Dudusch in diesen einen Stahlhelm findet.<br \/>\nErika Pluhar wurde ja 1939, allerdings in Wien geboren, der Vater war Nationalsozialist, die Mutter ist schwanger mit ihr und der \u00e4lteren Schwester nach Wien zur\u00fcckgekehrt. Es folgen Schilderungen von Bombenalarmen und einem schreienden Kind, das in den Luftschutzkeller geschleppt wird und sich dort die ersten Traumatisierungen holt.<br \/>\nDie D\u00f6blinger Wohnung wird zur H\u00e4lfte zerst\u00f6rt, die Mutter mit den Kindern nach Ober\u00f6sterreich evakuiert, der Vater ist in Kriegsgefangenschaft, sp\u00e4ter kehrt die Familie nach Wien zur\u00fcck und lebt l\u00e4nger bei den Gro\u00dfeltern, bevor sie in Floridsdorf eine Gemeindewohnung bekommt.<br \/>\nEs folgen Schilderungen der ersten M\u00e4dchenfreundschaften. Sie lernt leicht und begeistert, ist aber nicht sehr sprachbegabt und auch nicht gut in Mathematik, spielt und singt fr\u00fchzeitig allen etwas vor, ger\u00e4t in schlechte Schauspielschulen, bevor sie nach der Matura, die Aufnahmepr\u00fcfung ins Reinhardt Seminar besteht.<br \/>\nDa passierten schon einige Vergewaltigungen und eine Magersucht von der sie sich selbst befreit und noch vor der Matura wieder zu essen beginnt.<br \/>\nIhre Reinhardt Seminar Klasse ist ein guter Jahrgang, Heidelinde Weis, Marisa Mell, Senta Berger, Achim Benning und noch andere befinden sich darunter.  Sie wird Elevin im Burgtheater und schildert einige boshafte Bemerkungen Adrienne Gessners, die sie als verbitterte Frau erlebte, aber auch die Freundschaft zu ihrer Lehrerin Susi Nicoletti.<br \/>\nFreundschaften spielen in der traumatisierten Nachkriegsjugend \u00fcberhaupt eine gro\u00dfe Rolle. Nach dem ersten Mann von dem sie sich entjungfern l\u00e4\u00dft und zu dem sie ziemlich bald nach Aufnahme in die Schauspielschule die Beziehung abbricht, spielt der Dominikanerpater Diego, der am Reinhardt Seminar unterrichtet, eine gro\u00dfe Rolle. Ausf\u00fchrlich werden Briefe an ihm zitiert, wie auch die fr\u00fchen Texte Erika Pluhars, mit der sie das Theaterleben, aber auch ihre Beziehung zu Udo Proksch beschreibt, eine gro\u00dfe Rolle spielen.<br \/>\nDie ist ihr sehr jung passiert, ebenfalls die Schwangerschaft, die die gerade angefangene Karrierre vor\u00fcbergehend beendet, sie sitzt mit dem Kind und der Wirtschafterin, die ihr Udo Proksch engagiert, in der Wohnung ihrer Schwester und schreibt Briefe, in dem sie ihn mit &#8220;Herr Udo!&#8221; anspricht und von seiner Sekret\u00e4rin schreibt, mit der er  eine Liebesbeziehung unterh\u00e4lt. Die Hochzeit wird \u00fcberst\u00fcrzt auf dem Standesamt vollzogen, Trauzeuge ist der Portier und die Mutter sehr b\u00f6se, nichts davon erfahren zu haben und Erika Pluhar, die sich als sehr intuitiv und selbstbewu\u00dft erlebt, beschreibt sehr deutlich, wie dumm und untertan sich die jungen Frauen in den Sechzigerjahren den M\u00e4nnern gegen\u00fcber benommen haben.<br \/>\nEs gibt auch eine traumatische Nachblutung in einem Ordensspital, wo es keine \u00c4rzte gibt, so da\u00df Herr Udo die Blutende nach Hause holt und  auch ein Haus mit einem gro\u00dfen Garten f\u00fcr sie mietet, in dem sie am Ende des Buches an einem hohen Fenster steht und  ins Tullner Feld hineinschaut.<br \/>\n&#8220;Solange wir uns erinnern, herrscht Leben. Vergessen ist Sterben. Ist Tod vor der Zeit&#8221;, sind die Worte mit denen die Erinnerungen an eine Jugend enden, aber nachher ist noch sehr viel passiert. Hat Erika Pluhar ja an die achtzehn B\u00fccher geschrieben, 1999 ihre Burgtheaterkarriere beendet, weil Peymann sie nicht mehr besetzte, eine zweite Ehe mit Andre Heller erlebt, die 1984 geschieden wurde, obwohl sie sich schon 1973 von ihm trennte, bis zu seinem Selbstmord mit dem Schauspieler Peter Vogel gelebt, 1999 ist die Tochter Anna gestorben, deren Sohn Ignaz sie adoptierte und vielleicht auch noch den zweiten Teil ihrer Biografie schreiben wird.<br \/>\nDer erste erz\u00e4hlt von einer bewegten Nachkriegsjugend, der Gewalt und den Traumatisierungen denen man in dieser Zeit ausgesetzt war, auch wenn man scheinbar sehr beh\u00fctet und priveligiert aufgewachsen ist. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Am Ende des Gartes&#8221; &#8211; Erinnerungen an eine Jugend von Erika Pluhar beginnt mit einer Gartenszene und endet mit einer solchen. 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