{"id":3453,"date":"2010-05-17T23:06:06","date_gmt":"2010-05-17T21:06:06","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3453"},"modified":"2010-05-17T23:06:06","modified_gmt":"2010-05-17T21:06:06","slug":"wo-freiheit-ist","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3453","title":{"rendered":"Wo Freiheit ist&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Reiner Kunzes &#8220;Wo Freiheit ist&#8230; Gespr\u00e4che 1977 &#8211; 1993&#8221;, mit einem Autogramm des Dichters, sind drei\u00dfig Interviews, denen jeweils ein oder mehrere Zitate vorangestellt sind, die Alfred bei der Reiner Kunze Lesung in Leipzig kaufte.<br \/>\n1976 sind im Westen &#8220;Die wunderbaren Jahre erschienen&#8221;, die zu Auschlu\u00df Kunzes aus dem DDR- Schriftstellerverband f\u00fchrten, 1977 \u00fcbersiedelte er mit seiner Familie nach Westdeutschland. Das erste Gespr\u00e4ch fand daher am 17. April 1977 im ARD\/ Report M\u00fcnchen statt und bezog sich auf die Ausreise nach dem Westen. Das letzte wurde am 16. August 1993 von Steffen Grabisna f\u00fcr die Dresdner Neuesten Nachrichten gef\u00fchrt. Dazwischen liegt die Wende und sehr viele Fragen, die sich sowohl auf die Dichtkunst, als auch nach jeder Art der politischen Einstellung des 1933 im Erzgebirge geborenen Dichters beziehen.<br \/>\nDie Interviewpartner sind das deutsche Fernsehen, Rundfunk, Presse, aber auch \u00f6sterreichischen Medien. Hier wird Kunze z.B. von Wolfgang Kraus und  Britta Steinwendtner, aber auch von Limes St. P\u00f6lten interviewt und die Fragen sind sehr interessant. Denn die Interviewer quetschen den Dichter, der ihnen mehr oder weniger geduldig Auskunft gibt, von allen Seiten aus.<br \/>\nOb es sich im Westen anders als im Osten schreibt? Oder ob er sich in den Elfenbeinturm zur\u00fcckgezogen hat, weil er seinem Tagebuch von 1992 den Titel &#8220;Am Sonnenhang&#8221; gegeben hat? Warum er gegen eine gesamtdeutsche Akademie der K\u00fcnste ist? Und Michael Maier von der K\u00e4rntner Kirchenzeitung m\u00f6chte am 7. Februar 1993 wissen, was er beim Anblick der Bilder von Erich Honeckers Ausreise empfunden hat?<br \/>\nMan erf\u00e4hrt vielleicht auch einiges aus dem Leben des gro\u00dfen Lyrikers, das man noch nicht wu\u00dfte. Ich kannte ja schon einiges von ihm. So den Film &#8220;Die wunderbaren Jahre&#8221; und  habe  mir wahrscheinlich 1977 oder 1978, als ich noch in der Otto Bauer Gasse wohnte, um ein paar Schilling in der Buchhandlung gegen\u00fcber der Uni, die es nicht mehr gibt, die Dankesrede zum B\u00fcchner Preis gekauft und kann mich erinnern, schon da von der Verst\u00f6rung und der Traumatisierung gelesen zu haben, die die DDR in Rainer Kunze ausgel\u00f6st hat.<br \/>\nDas kommt auch in den verschiedenen Gespr\u00e4chen immer wieder durch.<br \/>\nDas Gespr\u00e4ch mit dem Minister beispielsweise, der zuerst die Gedichtb\u00e4nde lobte, dann verschiedene Verlockungen von Wohnung, bzw. Haus am See aussprach und zuletzt  drohte, da\u00df er dann einen Autounfall nicht verhindern k\u00f6nne, was Kunze sein Auto kontrollieren lie\u00df, bevor er darin einstieg. Mit Frau und Tochter ist er dann in einen kleinen Ort in der N\u00e4he von Passau gekommen. Wir sind bei unserer Radtour mit der Ute vor zwei Jahren durch gefahren und hat sich dort wohlzuf\u00fchlen begonnen.<br \/>\nReiner Kunze erz\u00e4hlt von seinem Philosphie- und Journalistikstudium in Leipzig und von der Freude als Arbeiterkind daf\u00fcr ausgew\u00e4hlt worden zu sein und der Entt\u00e4uschung als er die politische Indoktrinierung darin erkennt. Wie er seine Frau, die in der Tschechoslowakei \u00c4rztin war, kennenlernte und wie lange warten mu\u00dfte, bis er sie heiraten konnte.<br \/>\nMehrmals wird er gefragt, was ein Gedicht ist? Er gibt eindrucksvolle Beispiele der Verdichtung und was es bedeutet, wenn man im Herzen barfu\u00df ist und erz\u00e4hlt, wie sehr er die Frage ha\u00dft, was will uns der Dichter damit sagen?<br \/>\n1984  konnte er Bundeskanzler  Schmidt nach Israel begleiten, der Reporter fragt, wie er das empfunden hat und Reiner Kunze meinte, da\u00df es schwierig war, dem Bundeskanzler hinterherzulaufen, so da\u00df er schon am zweiten Tag seine Wege gegangen ist und die jud\u00e4ische W\u00fcste au\u00dferhalb des offiziellen Programms kennenlernen konnte.<br \/>\nIrgendwann ist dann die Mauer gefallen und Reiner Kunze konnte, dem vorher die Einreise zu seiner sterbenden Mutter verweigert wurde, wieder in das th\u00fcringische Greiz zur\u00fcckkehren und hat in der Dokumentation &#8220;Deckname Lyrik&#8221; seine Erfahrungen mit seinen Stasiakten und seinen Bespitzelungen beschrieben.<br \/>\nEin interessantes Buch, wo man den Lyriker ein wenig pers\u00f6nlicher kennenlernt, aber auch sieht, wie bl\u00f6d manche Reporter fragen und da\u00df manche Fragen eigentlich sehr unversch\u00e4mt sind, aber auch, wie wichtig Dichter sind und was man alles von ihnen wissen will.<br \/>\nF\u00fcr mich hat es mein Rainer Kunze Wissen ein wenig abgerundet, da ich, da die Ute  eine gro\u00dfe Verehrerin von ihm ist, in Leipzig zweimal bei seinen Lesungen war.<br \/>\nDann wurde ich vom Lesen durch die Absage meiner letzten Stunde ein wenig abgelenkt. Hat mich doch Elisabeth Zoumboulakis-Rottenberg als ich letzte Woche bei der Muttertagsfeier des Bezirkes Mariahilf im Haus des Meeres  war, zu der Festwochenvernissage &#8220;23 Br\u00fccken&#8221; von Jutta Waloschek mit dem Hinweis eingeladen, da\u00df Traude Veran dazu einige Gedichte liest.<br \/>\nSo habe ich also noch Gebrauchslyrik zum Thema Br\u00fccken und zum  Thema Wasser von ihr und von Dieter Berdel h\u00f6ren k\u00f6nnen und ein Glas Wein und Soetti gab es auch. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reiner Kunzes &#8220;Wo Freiheit ist&#8230; Gespr\u00e4che 1977 &#8211; 1993&#8221;, mit einem Autogramm des Dichters, sind drei\u00dfig Interviews, denen jeweils ein oder mehrere Zitate vorangestellt sind, die Alfred bei der Reiner Kunze Lesung in Leipzig kaufte. 1976 sind im Westen &#8220;Die &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3453\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-3453","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3453","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3453"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3453\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3453"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3453"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3453"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}