{"id":3502,"date":"2010-05-23T20:29:53","date_gmt":"2010-05-23T18:29:53","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3502"},"modified":"2010-05-23T20:29:53","modified_gmt":"2010-05-23T18:29:53","slug":"im-westen-nichts-neues","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3502","title":{"rendered":"Im Westen nichts Neues"},"content":{"rendered":"<p>Erich Maria Remarques 1929 erschienener Roman &#8220;Im Westen nichts Neues&#8221; soll, wie im Vorwort steht &#8220;weder Anklage noch Bekenntnis sein, sondern den Versuch machen, \u00fcber eine Generation zu berichten, die vom Kriege zerst\u00f6rt wurde &#8211; auch wenn sie seinen Granaten entkam.&#8221;<br \/>\nUnd ist die Geschichte einiger Neunzehnj\u00e4hriger, die sich, weil ihnen der Klassenlehrer Kantorek in den Turnstunden so lange Vortr\u00e4ge hielt, geschlossen beim Bezirkskommando zum Kriegsdienst meldeten.<br \/>\nDa sitzen sie nun nach der Essensfassung auf ihrem Luxusklo, den aus Holz getischlerten Einzelk\u00e4sten, die an den Seitenfl\u00e4chen Handgriffe haben, so da\u00df man sie bequem zusammenstellen und auf dem Deckel eines Margarinefasses Skat spielen kann: der kleine Albert Kropp, der am klarsten denkt und deshalb erst Gefreiter ist, M\u00fcller V, der Schulb\u00fccher mit sich herumschleppt und vom Notexamen tr\u00e4umt, Leer mit dem Vollbart und der gro\u00dfen Vorliebe f\u00fcr M\u00e4dchen aus dem Offizierspuff und der Ich-Erz\u00e4hler Paul B\u00e4umer, in dessen Heimatschreibtischlade angefangene Dramen und Gedichte liegen, die es auch nicht immer so gut haben und ihren vollen Magen nur dem Umstand verdanken, da\u00df statt der erwarteten hundertf\u00fcnfzig Mann nur achtzig vom Angriff zur\u00fcckkamen und einer von Lehrer Kantoreks eisernen Helden stirbt auch im Lazarett, w\u00e4hrend M\u00fcller seine Stiefel bekommt, die sp\u00e4ter auf Paul B\u00e4umer \u00fcbergehen, denn von den von Remarque beschriebenen Soldaten, kommt keiner zur\u00fcck.<br \/>\nEs h\u00e4tte sie auch, wie wir heute wissen, keine besonders rosige Zukunft erwartet, die jungen M\u00e4nner, die fast noch Kinder waren oder auch nicht, wurden sie doch, bevor sie an die Front nach Frankreich kamen, vom ehemaligen Brieftr\u00e4ger Himmelsto\u00df schikaniert und gedrillt, so da\u00df sie ihr Kindsein verlernten und alle kleinen M\u00e4nner hassten, weil von denen die Gewalt und die Dummheit ausgeht und  hanteln sich nun heldenhaft durch den Krieg, ohne aufzubegehren und zu desertieren, vorl\u00e4ufig jedenfalls.<br \/>\nLiegen im Sch\u00fctzengraben, k\u00e4mpfen mit den Ratten, stehlen G\u00e4nse,  braten Ferkeln, um sich zu \u00fcberlegen, ob es besser oder schlechter ist, sich vor dem Angriff den Bauch vollzustopfen, weil man damit zwar satt, der Bauchschu\u00df nachher aber f\u00fcrchterlich ist. Tr\u00e4umen von wei\u00dfgekleideten M\u00e4dchen auf vergessenen Theaterplakaten, schwimmen in der Nacht mit Brot im Gep\u00e4ck zu  franz\u00f6sischen Frauen, die sie &#8220;pauvres garcons&#8221; nennen, gehen auf Heimaturlaub, werden verwundet und trauen sich im Lazarettzug mit ihren L\u00e4usen und den verschmutzen Uniformen nicht sich in die saubere wei\u00dfe Bettw\u00e4sche zu legen.<br \/>\nTrotzdem ist das Lazarett kein Honiglecken, ger\u00e4t man dort doch den Stabs\u00e4rzten in die H\u00e4nde, die sehr schnell amputieren und genauso schnell wieder tauglich schreiben, weil man auf der Front nicht viel laufen mu\u00df. Sie hanteln sich ahnungslos und doch unendlich weise durch die Schlachten, die jungen M\u00e4nner, die nur sich und ihre Freundschaft haben, weil sie ja in einem Alter sind, wo die Beziehung zu den M\u00fcttern schw\u00e4cher wird, die zu den Frauen noch nicht stark genug sind.<br \/>\nKommt der Kaiser auf Besuch, bekommen sie sch\u00f6ne Uniformen, die ihnen sp\u00e4ter wieder weggenommen werden und im Gespr\u00e4ch kommen sie darauf, da\u00df es den jungen Franzosen und den jungen Russen auch nicht anders geht und man ihnen in der Schule wahrscheinlich das Gleiche eingeredet hat.<br \/>\nSo vergeht die Zeit und der Herbst 1918 kommt heran, in dem sich Paul, der inzwischen der letzte seiner Klasse ist, nach dem Waffenstillstand und etwas Ruhe sehnt. Der soll bald kommen, dann wird er zu seiner Mutter, wenn sie noch nicht am Krebs verstorben ist, seiner Schwester und seinem Vater nach Hause fahren und \u00fcberlegt, was dann werden soll, weil er sich ja wurzellos f\u00fchlt und keine Ziele mehr hat?<br \/>\nDie Antwort auf diese Frage braucht er nicht mehr &#8220;fiel er doch im Oktober 1918 an einem Tag, der so ruhig und still war an der ganzen Front, da\u00df der Heeresbericht sich nur auf den Satz beschr\u00e4nkte, im Westen sei nichts Neues zu melden&#8230;&#8221;<br \/>\nEin Entwicklungsroman wie &#8220;Crazy&#8221; oder &#8220;Paradiso&#8221; und doch ganz anders.<br \/>\nErich Maria Remarque wurde 1898 in Osnabr\u00fcck geboren und ist 1970 in Locarno gestorben.<br \/>\n&#8220;Im Westen nichts Neues&#8221;, gilt als Antikriegsroman und eine der besten Beschreibungen des ersten Weltkrieges. Ich kann mich erinnern, da\u00df der Dichter Wilhelm Szabo, den ich bei unseren Arbeitskreistreffen in den Siebzigerjahren \u00f6fter traf, mir das Buch aus diesem Grund  empfohlen hat.<br \/>\n &#8220;Arc de Triomphe&#8221; und &#8220;Der Funke Leben&#8221;, die die Gr\u00e4uel des zweiten Weltkriegs beschreiben, habe ich schon fr\u00fcher gelesen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erich Maria Remarques 1929 erschienener Roman &#8220;Im Westen nichts Neues&#8221; soll, wie im Vorwort steht &#8220;weder Anklage noch Bekenntnis sein, sondern den Versuch machen, \u00fcber eine Generation zu berichten, die vom Kriege zerst\u00f6rt wurde &#8211; auch wenn sie seinen Granaten &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3502\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-3502","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3502","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3502"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3502\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3502"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3502"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3502"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}