{"id":3531,"date":"2010-05-25T21:35:20","date_gmt":"2010-05-25T19:35:20","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3531"},"modified":"2010-05-25T21:35:20","modified_gmt":"2010-05-25T19:35:20","slug":"das-protokoll","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3531","title":{"rendered":"Das Protokoll"},"content":{"rendered":"<p>Das Protokoll&#8221; ist der Debutroman des Nobelpreistr\u00e4gers Jean Marie Gustave Le Clezio mit dem er 1963 den Prix Renaudot bekommen hat. Ich habe die 1987 erschienene DDR Ausgabe gelesen, dem ein Vorwort  oder Brief des Verfassers vorangestellt ist, in dem der sehr ergebene J.M.G. Le Clezio berichtet, da\u00df er zwei geheime Ambitionen hat. Erstens wollte er einen Roman schreiben, in dem er, nachdem der Held im letzten Kapitel stirbt oder wenigstens die Parkinsonsche Krankheit bekommt, eine Flut von anonymen Schm\u00e4hbriefen erh\u00e4lt und dann einen  in der gro\u00dfen Conan Doyle Nachfolge. Er entschuldigt sich f\u00fcr die Unrichtigkeiten und Tippfehler und die Geschichte des jungen Adam Pollo, der sich in ein verlassenes Haus am Meer einquartiert und nicht recht wei\u00df, ob er vom Milit\u00e4r oder vom Irrenhaus kommt, sich sp\u00e4ter aber postlagernde Briefe von seiner Mutter holt, die davon schreibt, da\u00df er das Elternhaus nach einem Streit mit dem Vater wegen einer zerbrochenen blauen Sch\u00fcssel verlassen hat, beginnt.<br \/>\nEr hat die b\u00fcgerliche Existenz jedenfalls verlassen, besetzt das Haus, geht am Strand spazieren, beschreibt ein gelbes Heft mit Briefen an eine Michele, mit der er sich auch trifft und die ihn mit Geld und Zeitungen versorgt.<br \/>\nSonst hat er seltsame Erlebnisse mit Hunden und Ratten, die er erschl\u00e4gt und kauft bei Zoobesuchen Bananen von einer zahnlosen alten Frau, die er selber i\u00dft, statt sie, wie vorgesehen an die Affen zu verf\u00fcttern.<br \/>\nEr h\u00e4lt ihr und allen anderen, die er trifft Monologe und stellt philosophische Fragen nach dem Sinn der Welt, als w\u00e4re er ziemlich unversehens in sie hineingeworfen worden, andererseits vertritt er wieder relativ chauvinistische Ansichten und unterh\u00e4lt sich mit Michele  dar\u00fcber, ob er sie vergewaltigt hat oder nicht?<br \/>\nEr streunt herum, betrinkt sich, weil er keinen Rotwein vertr\u00e4gt, zerstreitet sich mit Michele und flieht vor der Polizei um dann, wie man in einer dem Buch eingef\u00fcgten Zeitungsseite lesen kann, als Geistesgest\u00f6rter aufgegiffen und in Irrenhaus gebracht zu werden.<br \/>\nDer Roman nouveau, wie man das, glaube ich, nennt, besteht \u00fcberhaupt aus unterschiedlichen Textgattungen, so gibt es chemische Formeln, Tabellen, Unterstreichungen und Durchgestrichenes und am Ende bl\u00fcht Adam, wie in der DDR Beschreibung steht, im Irrenhaus auf, das er als Ort der Gebogenheit und  des friedlichen Einvernehmens erkennt.<br \/>\nIn Wahrheit wird er von einer wei\u00dfgekleideten Schwester angehalten, sein Bett zu machen und den Boden zu kehren und unterh\u00e4lt sich  w\u00e4hrend der Visite mit den Studenten \u00fcber den Sinn des Lebens, w\u00e4hrend er auf der letzten Seite, wie schon von Le Clezio angek\u00fcndigt, dahind\u00e4mmernd das Schlimmste zu erwarten hat.<br \/>\nSo weit der Debutroman des sp\u00e4teren Nobelpreistr\u00e4gers und damals Dreiundzwanzigj\u00e4hrigen, der Literatur studierte und Lektor war, mit dem Buch, wie beschrieben \u00fcber die Grenzen Frankreichs ber\u00fchmt wurde, obwohl ich den Namen vor 2008 nicht kannte und es damals auf Deutsch nur einen einzigen Roman gegeben hat.<br \/>\nBeim Lesen ist es mir ein bi\u00dfchen seltsam gegangen. Gestern habe ich den Stil sehr deprimierend und distanziert gefunden, so \u00e4hnlich, wie &#8220;Warten auf Godot&#8221;, das Erz\u00e4hlen des dumpen Toren von der Unwirklichkeit der Welt. Sp\u00e4ter ist es verst\u00e4ndlicher geworden und es ist nat\u00fcrlich toll, da\u00df einem mit dem ersten Roman gleich der gro\u00dfe Wurf gelingt und noch toller, wenn sp\u00e4ter der Nobelpreis kommt, obwohl ich nicht sehr sicher bin, ob sehr viel Leser den Namen kennen und gestern bei einem Gewinnspiel einer B\u00fccherbloggerin mitgemacht habe, die drei Nicholas Sparks Romane verlost und  verlangt, da\u00df man seinen Lieblingsautor nennt. Hundertdrei\u00dfig Kommentare hat sie inzwischen bekommen. Kerstin Gier, Joanne Rowling, Sebastian Fitzek, Nicholas Sparks, ect. waren die genannten Namen, Jean Marie Gustave Le Clezio war, glaube ich, nicht dabei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Protokoll&#8221; ist der Debutroman des Nobelpreistr\u00e4gers Jean Marie Gustave Le Clezio mit dem er 1963 den Prix Renaudot bekommen hat. 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