{"id":3573,"date":"2010-05-31T00:02:04","date_gmt":"2010-05-30T22:02:04","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3573"},"modified":"2010-05-31T00:02:04","modified_gmt":"2010-05-30T22:02:04","slug":"bagheria","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3573","title":{"rendered":"Bagheria"},"content":{"rendered":"<p>In Erinnerung an unseren Sizilienurlaub vor einem Jahr hab ich jetzt Dacia Marainis &#8220;Bagheria-Eine Kindheit auf Sizilien&#8221; gelesen, eines der ein Euro B\u00fccher, das ich mir im November, um Roman Gutschs Geburtstagsgutschein gekauft habe.<br \/>\nDie langj\u00e4hrige Lebensgef\u00e4hrtin Alberto Moravias wurde 1936 in Florenz geboren, ging dann mit ihrer Familie nach Japan, wo sie drei Jahre in japanischen Konzentrationslagern interniert war. 1947 ist sie mit ihren Eltern und ihren beiden Schwestern nach Bagheria, in die Villa Valguarnera,  in der ihre Mutter, die einer italienischen Adelsfamilie entstammt, gro\u00dfgeworden ist, zur\u00fcckgekommen, um dort ihre Kindheit, in einem umgebauten Stall zu verbringen.<br \/>\nSp\u00e4ter ist sie mit ihrer Mutter nach Palermo und weil sie Sehnsucht nach ihren Vater hatte, zu diesem nach Rom gegangen, wurde Schriftstellerin, Feministin, Lebensgef\u00e4hrtin Alberto Moravias und ist erst sp\u00e4ter wieder nach Bagheria zur\u00fcckgekommen, um \u00fcber ihre Kindheit in Sizilien zu schreiben.<br \/>\nUnd schreibt nicht viel davon, in dem 1993 erschienenen Buch, das in Italien mit zweihundertausend verkauften Exemplaren, ein \u00dcberraschungserfolg wurde, wie auf dem Buchr\u00fccken steht.<br \/>\nDas Buch beginnt mit der R\u00fcckkehr der Familie in die kleine Stadt, die Zeit in Japan, die Schrecken und der Hunger in den Konzentrationslagern wird kurz erw\u00e4hnt und die amerikanischen Marinesoldaten, die die Elfj\u00e4hrige mit Schokoladeriegeln und rot-wei\u00df gestreiften Zuckerstangen \u00fcberh\u00e4ufen. Dann geht es mit einem mageren Pferd von Palermo in die Villa, in der sie der sterbende Gro\u00dfvater, die Gro\u00dfmutter, eine Tante und ein Onkel erwarten.<br \/>\nZwei Jahre lebt die Familie in dem umgebauten H\u00fchnerstall, bis auf einmal der Vater, zu dem sie eine z\u00e4rtliche und unverstandene Liebe verbindet, pl\u00f6tzlich verschwindet und die Mutter mit den drei Kindern und einem Schuldenberg \u00fcberbleibt.<br \/>\nDanach wechselt Dacia Maraini das Thema und erz\u00e4hlt von B\u00fcchern, die die Geschichte der Stadt beschreiben, von der wundersch\u00f6nen Kartause in der Villa  Butera und der Enteignung seitens der Gemeinde, um die Mitte der F\u00fcnfzigerjahre, wo unter dem Vorwand  ein neues Schulgeb\u00e4ude zu erbauen, die gr\u00fcnen Lungen Bagherias zerst\u00f6rt wurden.<br \/>\nDacia Maraini  prangert einen Ingenieur  Giammanco an, spricht von der Mafia und erz\u00e4hlt  von dem sexuellen Mi\u00dfbr\u00e4uchen, denen die M\u00e4dchen in Italien damals ausgesetzt waren und die sie erst Jahre sp\u00e4ter in ihren Frauengruppen erkannten.<br \/>\nJahre sp\u00e4ter kommt sie aus Rom, an der Seite einer Freundin in die Villa Valguarnera zu Tante Saretta zur\u00fcck, die wenig sp\u00e4ter stirbt und die Villa mit all ihren Sch\u00e4tzen den Jesuiten vermachte. Mit dieser geht sie  durch die R\u00e4ume und denkt an die Familiengeschichte, die sehr kompliziert ist.<br \/>\nHaben dort doch K\u00f6niginnen \u00fcbernachtet, die ihre Fensterl\u00e4den mitbrachten, weil sie gerne in abgedunkelten Zimmern schliefen und das Stuckwappen an der Fassade abschagen lie\u00dfen, weil sie unter keinem  fremden Wappen wohnen wollten.<br \/>\nAll das steht in dem Buch, da\u00df Tante Felicita geschrieben hat und dann gibt es noch den Roman \u00fcber die &#8220;Stumme Herzogin&#8221; ebenfalls eine Vorfahrin, deren Bild in der Villa h\u00e4ngt, mit dem Dacia Maraini ber\u00fchmt geworden ist und die Geschichte von der chilenischen Gro\u00dfmutter, die S\u00e4ngerin werden wollte und ihr Leben lang darunter litt, da\u00df sie diesen Beruf, als Gattin eines Herzogs nicht aus\u00fcben durfte und den liberalen Vater, der Ethnologe und Schriftsteller war.<br \/>\nDacia Maraini erz\u00e4hlt das, w\u00e4hrend die mit ihrer Freundin durch die Zimmer der Villa geht, um sich zuletzt mit der Tante im Salon zu treffen und sich von einer Frau mit St\u00f6ckelschuhen und roten Fingern\u00e4geln, die ber\u00fchmten kleinen Eist\u00f6rtchen in Blumenform servieren zu lassen.<br \/>\nDazwischen wird noch die Geschichte der Unterdr\u00fcckung der sizilianischen Frauen erz\u00e4hlt, die niemals mit einem Mann in einem Zimmer bleiben durften, weil das schon als Aufforderung zur Vergewaltigung verstanden wurde, kurz und fl\u00fcchtig wird auch der Name Alberto Moravia und die eigene Kinderlosigkeit nach einer Fehlgeburt erw\u00e4hnt.<br \/>\nEin interessantes Buch \u00fcber eine unbekannte, vergangene Welt und einen Teil Siziliens in dem wir nicht gewesen sind.<br \/>\nDacia Maraini, die als die erste italienische Schriftstellerin gilt, die sich mit Gewalt, Prostitution, Inzest oder lesbische Liebe auf feministische Weise auseinandersetzte, hat, wie ich bei Google nachgesehen hat, sehr viele B\u00fccher geschrieben.<br \/>\nGelesen hatte ich noch nichts von ihr, ihren Namen aber in den literarischen Sizilienf\u00fchrer, den ich auf die Reise mitgenommen habe, entdeckt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Erinnerung an unseren Sizilienurlaub vor einem Jahr hab ich jetzt Dacia Marainis &#8220;Bagheria-Eine Kindheit auf Sizilien&#8221; gelesen, eines der ein Euro B\u00fccher, das ich mir im November, um Roman Gutschs Geburtstagsgutschein gekauft habe. 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