{"id":3634,"date":"2010-06-08T22:57:09","date_gmt":"2010-06-08T20:57:09","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3634"},"modified":"2010-06-08T22:57:09","modified_gmt":"2010-06-08T20:57:09","slug":"lese-auslese-statt-angriff-auf-die-freiheit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3634","title":{"rendered":"Lese.Auslese statt Angriff auf die Freiheit"},"content":{"rendered":"<p>Die Entscheidung ist mir schwer gefallen, gabs ja heute ein Gespr\u00e4ch im Literaturhaus zwischen Ilija Trojanow und Martin Balluch zum Thema &#8220;Angriff auf die Freiheit und Widerstand in der Demokratie&#8221; und in der Gesellschaft f\u00fcr Literatur unter Marianne Grubers Moderation, die Lese.Auslese mit Katja Gasser und Cornelius Hell.<br \/>\nUm es leichter zu machen, habe ich Helmuth A.  Niederle nach der Liste der zu besprechenden B\u00fccher gefragt, er war so freundlich sie mir zu geben, so da\u00df ich mich f\u00fcr den Bauch entschieden habe und in die Herrengasse gegangen bin. Diesmal etwas sp\u00e4ter, als der Befund geschrieben war, f\u00fcr den ich l\u00e4nger, als f\u00fcr den gestrigen brauchte und so war ich f\u00fcnf nach sieben im Palais Wilczek. Au\u00dfer mir waren elf Damen und zwei Herren da, die von Marianne Gruber begr\u00fc\u00dft wurden.<br \/>\n&#8220;Die Leserinnen sind Damen!&#8221;, meinte sie sehr freundlich und lobte den Vorteil den es hat, bei einer Veranstaltung, wie dieser mit den Rezensenten ins Gespr\u00e4ch zu kommen und die haben die Chance zu erfahren, wer die Leser der B\u00fccher, die sie besprechen, sind.<br \/>\nKatja Gasser und Cornelius Hell haben es sich nicht leicht gemacht und das Besondere und keine Gef\u00e4lligkeitsrezensionen ausgew\u00e4hlt, hat sie  dazu gesagt und die B\u00fccher auf der Leseliste waren wirklich interessant, obwohl ich schon einiges gekannt habe.<br \/>\nGelesen noch nichts, das ist bei einer B\u00fcchertauscherin und offenen B\u00fccherschrankben\u00fctzerin nicht m\u00f6glich.<br \/>\nAber die meisten Namen hatte ich zumindestens schon geh\u00f6rt. Katja Gasser und Cornelius Hell hatten auch keine gro\u00dfen Anspr\u00fcche an ihr Publikum und setzen nicht viel voraus. So hat es mit zwei Tschechen begonnen, mit Jiri Kratochvil und Jachim Topol.<br \/>\nKatja Gasser hat Jiri Kratochvils &#8220;Das Versprechen des Architekten&#8221; besprochen und Cornelius Hell hat sich gewundert, wieso dieser 1940 geborene Dichter  nicht weltber\u00fchmt ist und keinen gro\u00dfen Verlag gefunden hat?<br \/>\nJachym Topol hat das inzwischen mit dem Suhrkamp und beide verwenden den tschechischen Surrealismus, wo die Realit\u00e4t und die Fiktion sehr eng beieinander liegen. Dann kam die gro\u00dfe Sprachkunst.  N\u00e4mlich Friederike Mayr\u00f6ckers &#8220;Ich bin in der Anstalt &#8211; Fu\u00dfnotizen zu einem nicht geschriebenen Werk&#8221; und Andea Winklers &#8220;Drei vier T\u00f6ne, nicht mehr&#8221;.<br \/>\nKatja Gasser meinte, da\u00df es Friederike Mayr\u00f6cker damit gelungen ist, Ernst Jandls Tod, der sich in wenigen Tagen zum zehnten Mal j\u00e4hren wird, zu \u00fcberwinden. Mir ist eingefallen, da\u00df ich endlich &#8220;Und ich sch\u00fcttelte einen Liebling&#8221; lesen will und Cornelius Hell merkte an, wie lang und schwer sein Weg zu Friederike Mayr\u00f6cker war. Dem kann ich mich anschlie\u00dfen. Dann kam Andrea Winkler an die Reihe, die beiden Rezensenten versuchten sie dem Publikum schmackhaft zu machen, in dem sie ein Pl\u00e4doyder f\u00fcr den Winklerischen Realismus hielten.<br \/>\n&#8220;Das Lesen dieser Prosa ist zwar anstrengend, wird sich aber lohnen und Sie gehen ver\u00e4ndert aus der Lekt\u00fcre hervor. Wenn Sie sich aber nicht anstrengen wollen, lassen Sie es besser bleiben!&#8221;<br \/>\nObwohl die kleine Tochter von Cornelius Hell von dem Buchcover sehr fasziniert sein soll, damit immer auf Papas Lesesessel klettert und sich zwei S\u00e4tze vorlesen l\u00e4\u00dft.<br \/>\nIch habe mich im letzten Jahr wirklich mit der Verwinklerung der Sprache auseinandergesetzt, halte sie f\u00fcr wundersch\u00f6n, aber schon f\u00fcr weltfremd, danach kam Wolfgang Hermanns Erz\u00e4hlband &#8220;In Wirklichkeit sagte ich nichts&#8221;, den die beiden in eine Reihe mit Andrea Winkler und Friedeike Mayr\u00f6cker stellten, da sehe ich schon Unterschiede.<br \/>\nEin solcher Sprachspieler ist Wolfgang Hermann sicher nicht, obwohl er den Siemens Literaturpreis gewonnen hat. Danach kam ein v\u00f6llig Unbekannter.<br \/>\n &#8220;Den werden Sie nicht kennen!&#8221;, sagte Cornelius Hell und hatte Recht, was mich betraf. Von Jean Matterns &#8220;Im Karoly Bad&#8221; hatte ich noch nichts geh\u00f6rt. Es ist ein Nachholocaust Roman eines Ungarn, der in Frankreich aufgewachsen ist und einen Roman dar\u00fcber schrieb, da\u00df er die ungarische Sprache nicht erlernen durfte, weil ihm seine Emigranteneltern, das Fremdsein ersparen wollten, \u00fcber den Tod der Schwester durfte man auch nicht reden. Da kann nur Sprachlosigkeit herauskommen oder Rechtschreibfehler.<br \/>\n&#8220;Kein ungarisches Wort ist richtig geschrieben&#8221;, merkte Cornelius Hell kritisch an, die Psychologin denkt sich dabei etwas. Nach Katharina Hackers &#8220;Die Erdbeeren von Antons Mutter&#8221;, den zweiten Teil einer Trilogie, mit dem sie den Verlag wechselte, bzw. vom alten emp\u00f6rt weggegangen ist, einem einfach strukturierten Roman f\u00fcr alle unge\u00fcbten Leser \u00fcber eine Kindheit und Demenz, wie Cornelius Hell empfahl, wurden am Schlu\u00df  Elazar Benyoetz &#8220;Aphorismen&#8221; gestellt.<br \/>\nEine geballte Ladung  Fr\u00fchjahrsliteratur. Danach gabs Wein und Knabbergeb\u00e4ck und ein Gespr\u00e4ch in kleiner Runde.  Ich unterhielt mich mit Angela Bidermann, zeigte ihr meine B\u00fccher und dachte mir, ich mu\u00df Katja Gasser sagen, da\u00df ich den Realismus in der Winklerischen Sprache nicht finden kann. Sie war erstaunlich freundlich, hat mich sogar gefragt, ob ich ebenfalls schreibe und sich f\u00fcr das &#8220;Haus&#8221; interessiert.<br \/>\n&#8220;Wieviel B\u00fccher haben  Sie in diesem Jahr schon gelesen?&#8221;, fragte pl\u00f6tzlich eine Frau und meinte nat\u00fcrlich nicht mich damit.<br \/>\nTrotzdem kam die Antwort wie aus der Pistole gescho\u00dfen.<br \/>\n&#8220;F\u00fcnfundvierzig!&#8221;<br \/>\nDas Literaturgefl\u00fcster macht das m\u00f6glich. Katja Gasser wu\u00dfte es nicht. Zwei drei pro Woche vermutete sie und Marianne Gruber erg\u00e4nzte eifrig, sicher mehr als f\u00fcnfundvierzig. Aber das, liebe Literaturfreunde, ist schon viel, vor allem, wenn man es nicht hauptberuflich, sondern zum Vergn\u00fcgen betreibt. Ich bin stolz darauf und der offene B\u00fccherschrank bekommt neue Standorte, habe ich gelesen.<br \/>\nAm 12. wird einer in der Brunnengasse er\u00f6ffnet, dann folgt noch einer in der Gumpendorferstra\u00dfe. Da kann nichts schiefgehen und zwei der anwesenden Damen waren auch sehr ratlos, weil sie nicht wu\u00dften, wohin sie ihre gelesenen B\u00fccher bringen sollten, das w\u00e4re ein Tip und das Lesen ist sicher sch\u00f6n, vor allem weil Frauen anders schreiben, wie das neue Buch von Ruth Kl\u00fcger hei\u00dft, das im Tag f\u00fcr Tag vorgestellt wurde, aber da hat der Klient an der T\u00fcr gel\u00e4utet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Entscheidung ist mir schwer gefallen, gabs ja heute ein Gespr\u00e4ch im Literaturhaus zwischen Ilija Trojanow und Martin Balluch zum Thema &#8220;Angriff auf die Freiheit und Widerstand in der Demokratie&#8221; und in der Gesellschaft f\u00fcr Literatur unter Marianne Grubers Moderation, &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3634\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-3634","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3634","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3634"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3634\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3634"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3634"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3634"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}