{"id":3668,"date":"2010-06-13T22:35:34","date_gmt":"2010-06-13T20:35:34","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3668"},"modified":"2010-06-13T22:35:34","modified_gmt":"2010-06-13T20:35:34","slug":"lolita","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3668","title":{"rendered":"Lolita"},"content":{"rendered":"<p>Nun kommt die Besprechung eines Klassikers, n\u00e4mlich &#8220;Lolita&#8221;, des 1899 in St. Petersburg geborenen und 1977 in Montreux verstorbenen Vladimir Nabokovs, der in mehreren St\u00e4dten Europas und in Amerika lebte, ein Fund vom Stattersdorfer Flohmarkt 2008, der, obwohl schon ab 1941 geschrieben und mehrmals umgearbeitet,  in den pr\u00fcden USA erst 1958 erscheinen konnte.<br \/>\nEin Roman mit einem heiklen Thema, der den Weltb\u00fcrger und Literaturwissenschaftler bekannt werden lie\u00df und der, wenn er auch etwas langatmig erscheint und heute \u00fcberarbeitet werden w\u00fcrde, durchaus brillant geschrieben ist.<br \/>\nJames N. Frey f\u00fchrt den Roman in seinem ber\u00fchmten Schreibratgeber &#8220;Wie man einen verdammt guten Roman schreibt&#8221;, als eines seiner Beispiele an und die Schreibform ist auch wirklich interessant.<br \/>\nBeginnt es doch mit dem Vorwort des Herausgebers und zwar hat Dr. phil John Ray jr. von seinem guten Freund und Verwandten, dem Rechtsanwalt Clarence Choate Clark, ein seltsames Manuskript, eines kurz vor dem Proze\u00df in Untersuchungshaft Verstorbenen zugespielt bekommen.<br \/>\nEs folgt noch eine Anspielung, da\u00df dem Ulysses bei der Erstausgabe  brisante Szenen unterschlagen wurden, dann gehen sie los, die Bekenntnisse, des sich Humbert Humbert nennenden Lebemanns mit p\u00e4dophilen Neigungen, der 1910 geboren, im Hotel seines Vaters in Nizza aufgewachsen, seine Liebe zu den Nymphchen, vierzehnj\u00e4hrig mit einem solchen namens Annabel entdeckte.<br \/>\nEr studierte daraufhin Literaturwissenschaft, heiratete, um seine Neigungen zu verdecken, die Tochter seines ponischen Hausarztes, die ihm einige Jahre sp\u00e4ter wegen eines russischen Oberst verl\u00e4\u00dft, aber da war er schon dabei, Paris zu verlassen und nach Amerika zu gehen, da er dort von einem Onkel eine Jahresrente ausgesetzt bekam. Die f\u00fchrt ihn in ein gr\u00fcn-rosa St\u00e4dtchen namens Ramsdale, in das Haus der Witwe Charlotte Haze und ihrer zw\u00f6lfj\u00e4hrigen Tochter Dolores, genannt Lolita oder Lo, der er sofort verf\u00e4llt.<br \/>\nHier folgen einige Beschreibungen der Blue jeans und der wei\u00dfen S\u00f6ckchen, die die leidenschaftlich naive Zw\u00f6lfj\u00e4hrige bevorzugt tr\u00e4gt, die nach dem hei\u00dfen Juni, die Missis Haze mit ihrem Mieter und der Tochter bei Ausfl\u00fcgen verbringt, in ein Sommercamp geschickt wird, wonach sie dem Mieter ihre Liebe gesteht.<br \/>\nUm in Los N\u00e4he zu bleiben, geht Humbert auf den Handel ein, erw\u00e4gt aber die Gattin, nachdem sie ihm erkl\u00e4rt, da\u00df Dolores, gleich nach dem Camp, in ein Internat \u00fcbersiedeln soll,  beim Schwimmen im Hourglass-See zu ertr\u00e4nken, was er nicht schafft, aber auch nicht braucht, da der Autor Charlotte bald das Notizbuch mit den hei\u00dfen Phatasien Humberts finden l\u00e4\u00dft, mit dem sie unter die R\u00e4der eines Autos ger\u00e4t.<br \/>\nSomit sind die Bahnen frei, f\u00fcr den vermeintlichen Papa, der sein T\u00f6chterlein aus dem Camp, das von einer fortschrittlichen Schriftstellerin geleitet wird, abholt und mit ihr in ein Hotel namens &#8220;Zum fr\u00f6hlichen J\u00e4ger&#8221; f\u00e4hrt. Schlaftabletten mit denen er Dolores bet\u00e4uben will, um sie danach in ihrer nackten Unschuld zu beschauen und dennoch ihre Moral zu wahren, hat er dabei.<br \/>\nDer Anschlag mi\u00dflingt und so wird er von Lolita verf\u00fchrt, die nicht einmal noch Jungfrau ist und eine zweij\u00e4hrige Fahrt durch s\u00e4mtliche Motels Amerikas beginnt.<br \/>\nAutor Humbert schreibt sehr zynisch \u00fcber sein kleines Nymphchen, das ihn verf\u00fchrt, ausbeutet, hinh\u00e4lt, an Eifersucht und Schuldgef\u00fchlen leiden l\u00e4\u00dft und so wird das Paar auch bald von einem anderen P\u00e4dophilen, dem Schriftsteller Quilty vefolgt, mit dem die fast F\u00fcnfzehnj\u00e4hrige schlie\u00dflich durchbrennt, weil er sie in einem Film unterzubringen verspricht.<br \/>\nEin paar Jahre vergehen, in denen Humbert, sowohl in den Motels seinen Nebenbuhler sucht, als sich auch mit der Nymphomanin Rita verbindet, bis er von der achtzehnj\u00e4hrigen, hochschwangeren, inzwischen verheirateten Dolores Schiller, die bald im Kindbett sterben wird, einen Brief erh\u00e4lt, in dem sie ihn um Geld bittet. Er gibt es ihr, nachdem er von ihr den Namen seines Nebenbuhlers erf\u00e4hrt, um ihm, die Pistole hat er schon dabei, zu ermorden.<br \/>\nDen Roman &#8220;Lolita&#8221; oder &#8220;Die Bekenntnisse eines Witwers wei\u00dfer Rasse&#8221; schreibt er dann in sechsundf\u00fcnfzig Tagen Untersuchungshaft und Vladimir Nabokov soll, entnehme ich Wikipedia, seinen Roman, an dem er seit der Emigration nach Amerika arbeitete, 1948 zu verbrennen versucht haben. Seine Frau hat das Manuskript dem Feuer entrissen und ich denke, es ist auch eine Parodie auf den amerikanischen Way of life, in einem ironisch lockeren Tonfall geschrieben, enth\u00e4lt es viele literarische Anspielungen und auch sehr lebendige Schilderungen des  Amerikas der Neunzehnhundertvierzigerjahre. Die Jeans und das Coca Cola werden beschrieben, aber auch die Businessfrauen und die forschrittlichen Ansichten der Schulleiterin der Beardsley M\u00e4dchenschule, in die Dolores nach einem Jahr Herumziehen kommen soll, die Mr. Humbird oder Humburg erkl\u00e4rt, da\u00df ihr nicht viel daran liegt, B\u00fccherw\u00fcrmer aus den Sch\u00fclerinnen zu machen, sondern sie sie stattdessen mit Tanz, Theater, Redegewandheit und Rendezvous an die Gemeinschaft anpassen will und Mr. und Missis Maximowitsch, der russische Oberst und die polnische Ex-Frau Valentina, die ebenfalls nach Kalifornien emigrieren, lassen sich f\u00fcr ein gl\u00e4nzendes Gehalt zu einem einj\u00e4hrigen Experiment ben\u00fctzen, in dem es um menschlische und rassische Reaktion auf Datteln und Bananen bei konstanter Haltung auf allen Vieren, geht.<br \/>\nEin wenig Traumaverarbeitung wird bei dem brillanten Roman \u00fcber einen hochintelligenten Zyniker, der bei den Irrsinnsanf\u00e4llen, die er ebenfalls hat, schnell lernte, die Psychoanalytiker hinters Licht zu f\u00fchren, in dem er ihnen falsche Tr\u00e4ume erz\u00e4hlt, bei dem bewegten Leben Vlaidmir Nabokovs, wohl auch dabei gewesen sein.<br \/>\nDie Psychoanalyse spielt, wie die Literaturwissenschaft, eine gro\u00dfe Rolle, der Roman mit dem brisanten Thema, ist weltber\u00fchmt und mehrfach verfilmt geworden und wir haben sechzig Jahre sp\u00e4ter immer noch Probleme mit dem Kindesmi\u00dfbrauch, so da\u00df ich denke, da\u00df der Roman, wenn er heute geschrieben w\u00fcrde, vielleicht auch Ver\u00f6ffentlichungsschwirigkeiten hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kommt die Besprechung eines Klassikers, n\u00e4mlich &#8220;Lolita&#8221;, des 1899 in St. Petersburg geborenen und 1977 in Montreux verstorbenen Vladimir Nabokovs, der in mehreren St\u00e4dten Europas und in Amerika lebte, ein Fund vom Stattersdorfer Flohmarkt 2008, der, obwohl schon ab &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3668\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-3668","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3668","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3668"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3668\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3668"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3668"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3668"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}