{"id":3743,"date":"2010-06-25T21:52:17","date_gmt":"2010-06-25T19:52:17","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3743"},"modified":"2010-06-25T21:52:17","modified_gmt":"2010-06-25T19:52:17","slug":"blinder-sommer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3743","title":{"rendered":"Blinder Sommer"},"content":{"rendered":"<p>Zwischen zwei Bachmann-Lesetagen kommt jetzt die Besprechung eines Lyrikb\u00e4ndchen aus dem B\u00fccherschrank, n\u00e4mlich Rose Ausl\u00e4nders &#8220;Blinder Sommer&#8221;, das 1965 von Rudolf Felmayer im Bergland Verlag erschien und  1987 im Fischer Taschenbuch Verlag wieder aufgelegt wurde.<br \/>\nDie 1901 in Czernowitz geborene und 1988 in einem j\u00fcdischen Altersheim in D\u00fcsseldorf verstorbene Lyrikerin hatte einen  interessanten Lebenslauf.<br \/>\nEnde der Neunzigerjahre gab es in der Nationalbibliothek eine gro\u00dfe Ausstellung \u00fcber ihr Leben und Werk, das mich sehr beeindruckt hat. Soweit ich mich erinnern kann, waren dort Portraits von dem sehr  jungen M\u00e4dchens bis zu der alten Frau mit Gedichtbeispielen ausgestellt, die mich ein bi\u00dfchen zu der Erz\u00e4hlung &#8220;Letzter Versuch&#8221; inspirierten und die Rose Ausl\u00e4nder &#8211; Paul Celan Beziehung war mir auch gel\u00e4ufig.<br \/>\nMit dem Celan Lebenslauf habe ich mich bei der Lekt\u00fcre des Bachmann-Celan Briefwechsel im vorigen November besch\u00e4ftigt, Nelly Sachs, die  auch mit Paul Celan befreundet war und einen \u00e4hnlichen traumatischen Lebenslauf, wie der ber\u00fchmte Dichter hatte, hatte vor kurzem ihren vierzigsten Todestag und in den Tonspuren ein Portrait.<br \/>\nJetzt habe ich mir  das Gedichtb\u00e4ndchen &#8220;Blinder Sommer&#8221; in die Badewanne mitgenommen, das auch gut in die Jahreszeit passt.<br \/>\nRose Ausl\u00e4nder ist in Czernowitz aufgewachsen,  im ersten Weltkrieg zuerst nach Budapest, dann nach Wien gekommen, wo sie eine Handelsschule besuchte, 1921 wanderte Rosalie Beatrice Scherzer mit ihrem Jugendfreund Ignaz Ausl\u00e4nder nach Amerika aus, den sie 1923 heiratete und sich 1926 wieder scheiden lie\u00df. Sie erhielt die amerikanische Staatsb\u00fcrgerschaft, kehrte aber \u00f6fter in die Bukawina zur\u00fcck, um ihre Mutter zu pflegen und wurde dort zuerst als Spionin verhaftet, schlie\u00dflich von 1941-1944 im Czernowitzer Ghetto lebte, wo sie Paul Celan kennenlernte. Nach dem Krieg ging sie wieder nach New York, 1964 war sie ein Jahr in Wien, 1965 zog sie nach D\u00fcsseldorf.<br \/>\nBis 1971 unternahm sie weite Reisen. 1972 zog sie in das Nelly Sachs Heim der j\u00fcdischen Gemeinde, wo sie sich nach einem Schenkelhalsbruch nicht mehr erholte und ab 1977 ihr Zimmer nicht mehr verlie\u00df und sich nur mehr auf ihr Schreiben zu konzentrierte.<br \/>\nIhr zweiter Gedichtband &#8220;Blinder Sommer&#8221; brachte den literarischen Durchbruch und die Gedichte, die von ihren Reisen, New York, der Kindheit in Czernowitz, der Mutter, ect, handeln, sind auch sehr interessant.<br \/>\n&#8220;Die Rosen schmecken ranzig-rot- es ist ein saurer Sommer in der Welt&#8230; Die Schwalbe findet nicht nach S\u00fcden &#8211; es ist ein blinder Sommer in der Welt&#8221; lautet etwa der Anfang und das Ende des Titelgedichtes.<br \/>\n&#8220;24 Stunden&#8221;, das sich auf die New York Erfahrungen bezieht, ist ein ziemliches Prosagedicht.<br \/>\nDann tauchen immer wieder sehr pr\u00e4gnante Zeilen auf:<br \/>\n &#8220;Das pl\u00f6tzliche Land duftet nach Zedern und Zimt&#8221;<br \/>\n &#8220;Nebel goldene Augen klagende Stimmen und manchmal ein Wind&#8221;<br \/>\n &#8220;R\u00fcbezahl, wann wandern wir aus?&#8221; sind einige Beispiele.<br \/>\nEs gibt Venedig Gedichte, die auch einen eigenen Gedichtband f\u00fcllen.<br \/>\nDer editorischen Notiz kann man entnehmen, da\u00df Rose Ausl\u00e4nder,  schon in New York den Kontakt zum Bergland Verlag aufnahm.<br \/>\n300 ab 1957 entstandene Gedicht hat sie 1963 Rudolf Felmayer  gesandt, der 93 ausw\u00e4hlte, die im August 1965 in einer f\u00fcnfhundert St\u00fcck Auflage erschienen sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen zwei Bachmann-Lesetagen kommt jetzt die Besprechung eines Lyrikb\u00e4ndchen aus dem B\u00fccherschrank, n\u00e4mlich Rose Ausl\u00e4nders &#8220;Blinder Sommer&#8221;, das 1965 von Rudolf Felmayer im Bergland Verlag erschien und 1987 im Fischer Taschenbuch Verlag wieder aufgelegt wurde. 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