{"id":3782,"date":"2010-06-29T23:11:19","date_gmt":"2010-06-29T21:11:19","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3782"},"modified":"2010-06-29T23:11:19","modified_gmt":"2010-06-29T21:11:19","slug":"letztes-mal-parterresaal","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3782","title":{"rendered":"Letztes Mal Parterresaal"},"content":{"rendered":"<p>In der alten Schmiede wird umgebaut, werden da doch, da das Haus 2008 verkauft wurde und es im Vorjahr eine gro\u00dfe Protestaktion zur Erhaltung des literarischen Quartiers gegeben hat, die Veranstaltungen in den Keller verlegt.<br \/>\nVom zweiten Stock, wo es in den Siebzigerjahren begonnen hat, \u00fcber das Parterre, wo seit 1981 literarische und musikalische Veranstaltungen stattfanden, tiefer hinunter und heute wurde die Saison sozusagen mit der Pr\u00e4sentation des Suhrkamp-Buches &#8220;Die ganze Zeit&#8221;, des H.C. Artmann und Oskar Pastior Preistr\u00e4gers Oswald Egger beendet, dessen Namen ich, glaube ich, seit 2003 kenne, denn da war ich noch in der Jury der GAV Neuaufnahmen und da hat sich Benedikt Lebedur beworben und es wurde in Neuberg an der M\u00fcrz der Ernst Jandl Preis an Felix Philipp Ingold vergeben und da hat Benedikt Lebedur die Laudatio gehalten und Owald Egger hat gelesen und ich habe auch ein paar Gedichte von ihm im &#8220;Kolik&#8221; gefunden.<br \/>\nSo pr\u00e4gen sich bei mir die Namen ein und bei den Fried Tagen im letzten Jahr hat er auch im Literaturhaus gelesen.<br \/>\nIch war also auf die Lesung sehr gespannt, bin im Hof der alten Schmiede Waltraud Haas und Herbert J. Wimmer begegnet und Kurt Neumann leitete auch stilvoll ein, bzw. wurde einem vorher die neue Nummer der Alten Schmiede Zeitung mit der Laudatio von Sibylle Cramer in die Hand gedr\u00fcckt, damit man sich auf den Oswald Egger Stil einstellen kann.<br \/>\nDenn der ist wahrhaft kompliziert und die &#8220;Ganze Zeit&#8221; ein sehr dickes Buch, ein Gesamtwerk auf das, wie Kurt Neumann erkl\u00e4rte, der Dichter schon seit Beginn seines Schreibens hingearbeitet hat und das Opus Magnum oder die Universalpoesie erkl\u00e4rte er weiter, besteht auch aus vier Teilen oder Schreibweisen.<br \/>\nEinem philosophischen Einleitungs und Ausleitungszitat, Zeichnungen, Sprachst\u00fccken, Textfl\u00e4chen, Reflektionen und Korrespondezen, was den Verlag  auch veranla\u00dfte, wahrscheinlich um die Universalpoesie besser zu verkaufen, das Ganze Roman zu nennen, wor\u00fcber Kurt Neumann ein wenig ungl\u00fccklich l\u00e4chelte und den k\u00fcnftigen  Literaturwissenschaftlern vorschlug, sich damit zu besch\u00e4ftigen, wie weit es mit &#8220;Den Kindern der Toten&#8221; oder &#8220;Krieg und Welt&#8221; zu vergleichen ist und ich dachte &#8220;Das wird eine sehr theoretische Lesung!&#8221; und war dann sehr erstaunt, als Oswald Egger zu lesen anfing.<br \/>\n&#8220;Es ist wahr ich bin stark und ich habe Lunge und Arm!&#8221;, begann er  nach den Dankeswortes mit eindringlicher Stimme sehr langsam vorzutragen. Dann ging es weiter mit dem wahren Tonkunstst\u00fcck, dem gegen\u00fcber Andrea Winkler sehr erz\u00e4hlend und realistisch  einfach wirkt. Banal ausgedr\u00fcckt ist es mit einer  wahren Sprachflut, die vielleicht mit der von Verena Rossbacher zu vergleichen ist, aber viel gewaltiger wirkt, obwohl sie bed\u00e4chtig vorgetragen wurde, um eine monumentale Negativbeschreibung mit vielen kunstvollen Satzsch\u00f6pfungen gegangen, die mir nicht immer einsichtig waren.<br \/>\n&#8220;Mein Tisch ist eine Schlafpritsche mit heftigen Gest\u00f6ber&#8221;, t\u00f6nte es da beispielsweise ziemlich unverst\u00e4ndlich.<br \/>\n &#8220;Zeit, da\u00df ich die Lippen \u00f6ffnete, doch ich kann es nicht!&#8221;, wurde das Sprachkunstwerk schlie\u00dflich beendet, bei dem manchmal auch ein Funken Witz und eine lustige Wendung, in all den gewaltigen Beschreibungen aufblitzte, die philosophischen Gedanken habe ich wahrscheinlich nicht erkannt.<br \/>\nVon der Sprachgewalt war ich beeindruckt, auch von der intensiven Vortragsart, mit dem Sinn tue ich mir wieder etwas schwer, da ich mich nicht gern an sch\u00f6nen S\u00e4tzen und an l`art pour l`art berausche, auch wenn Richard Obermyr, Andrea Winkler und Verena Rossbacher, da ihren Meister gefunden haben, habe ich  manchmal  an den Parsifal oder einen Fantasyroman denken m\u00fc\u00dfen und eine sehr m\u00e4nnlich gepr\u00e4gte Literatur war es auch.<br \/>\nAls ich mir das Buch am Lesetisch anschauen wollte, war es aber ausverkauft. Die experimentellen Sprachk\u00fcnstler der Wiener Szene sa\u00dfen im Publikum, es war sehr voll und Kurt Neumann k\u00fcndigte am Ende an, da\u00df es im Herbst im &#8220;Odeon&#8221; mit Karl-Markus Gauss und am 5. Oktober mit einer Lesung von Ilse Aichingers Werken weitergehen wird, weil die vor f\u00fcnfunddrei\u00dfig Jahren auch hier gelesen hat. Die Lesung war nicht sehr lang, ich bin aber trotzdem erst sehr sp\u00e4t nach Hause gekommen, werden vor der Oper ja die Auff\u00fchrungen \u00fcbertragen und da bin ich in die &#8220;J\u00fcdin&#8221; hineingekommen, habe einen gro\u00dfen Teil gesehen und es war sehr interessant.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der alten Schmiede wird umgebaut, werden da doch, da das Haus 2008 verkauft wurde und es im Vorjahr eine gro\u00dfe Protestaktion zur Erhaltung des literarischen Quartiers gegeben hat, die Veranstaltungen in den Keller verlegt. 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