{"id":3836,"date":"2010-07-09T19:26:12","date_gmt":"2010-07-09T17:26:12","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3836"},"modified":"2010-07-09T19:26:12","modified_gmt":"2010-07-09T17:26:12","slug":"der-verpasste-mann","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3836","title":{"rendered":"Der verpasste Mann"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Der verpasste Mann&#8221; von Elfriede Hammerl ist wahrscheinlich chick lit einer Feministin bzw. das dritte Buch, der 1945 geborenen Journalistin, die sehr erfolgreiche Frauenkolumnen in Profil und Stern hat, das Frauenvolksbegehren mitinitiierte, f\u00fcr das liberale Forum kanditierte und gesellschaftskritische Frauenromane und Theaterst\u00fccke schreibt.<br \/>\nMarie ist Physiotherapeutin und \u00fcber f\u00fcnfzig, hat einen Sohn, der ein begabter K\u00fcnstler werden kann und einen Ehemann, der, obwohl er als Journalist oder Wissenschaftler freiberuflich t\u00e4tig ist, ihr den Haushalt \u00fcberl\u00e4\u00dft und so hetzt sie am fr\u00fchen Morgen aus dem Haus, um in ihr Gesundheitszentrum zurecht zu kommen und wirft dabei die Schuhschachtel mit alten nicht eingeordneten Fotos auf den Boden. Zwei fallen heraus, das von Paul, dem verpassten Mann, Maries einstiger gro\u00dfer Liebe, der sie heiraten wollte und deshalb seine damalige Verlobte verlie\u00df, was Marie, als nicht charaktervoll erschien, so da\u00df sie sich aus Angst, ihr w\u00fcrde das auch einmal passieren, f\u00fcr Hans entschied, der lange nicht so erfolgreich ist.<br \/>\nDenn Paul ist inzwischen ein ber\u00fchmter Kardiologe, zum dritten Mal verheiratet und dann gibt es noch Frau Dr. G\u00e4rtner im Bett, wenn er sich auf einem Kongre\u00df befindet. Das zweite Foto ist von Onkel Gregor, dem Bruder der Gro\u00dfmutter, der 1930 wegen seines unseri\u00f6sen Lebenswandels von der Familie nach Mexiko geschickt wurde. Mehr wei\u00df man von ihm nicht. Es gibt zwei Freundinnen, die Jugendfreundin Christiane und die j\u00fcngere Sandra, die studierte Betriebswirtin und auf der  Suche nach dem Traummann ist.<br \/>\nMit ihnen geht Marie gelegentlich essen und lebt das Leben einer nicht ganz zufriedenen, emanzipierten Frau der Mittelschicht. Au\u00dferdem soll der Job in ihrem Gesundheitszentrum wegrationalisiert werden, ihr Chef Andreas schl\u00e4gt ihr aber sowieso vor, sich selbstst\u00e4ndig zu machen, was sie sich also \u00fcberlegt.<br \/>\nSo weit so gut und nicht gerade au\u00dfergew\u00f6hnlich, im Leben der Generation f\u00fcnfzig plus. Doch dann taucht Onkel Gregor auf und bietet Marie an, herauszufinden, wie ihr Leben verlaufen w\u00e4re, wenn sie sich f\u00fcr Paul entschieden h\u00e4tte und pl\u00f6tzlich befindet sie sich in Berlin in der Praxis des praktischen Arztes, in der sie Physiotherapeutin ist, wenn sie nicht gerade die Sprechstundenhilfe vertritt, denn Paul verr\u00e4t Onkel Gregor, ist nur durch Maries Abweisung so erfolgreich geworden, mit ihr w\u00e4re er praktischer Arzt mit einem Swimmingpool im Keller, die gleichen Mittelschichtfreunde gibt es aber und einen Sohn, der statt Sebastian, Martin hei\u00dft.<br \/>\nMit dieser Erkenntnis soll sich  entscheiden, die verpasste Chance  zu korrigieren und am n\u00e4chsten Donnerstag nach Berlin in ihr neues Leben als Frau Wegener zu fliegen, sie tut es fast, kommt aber trotz Ticket und neuen Pass zu Hans zur\u00fcck, um ihm mitzuteilen, da\u00df sie sich von ihm trennen wird, um irgendwann ein bi\u00dfchen sp\u00e4ter zu einer Fortbildung nach Berlin zu fliegen und ein neues Leben beginnt&#8230;<br \/>\nEin flott geschriebenes Buch, das ein bi\u00dfchen ratlos macht, Widerspruch erregt, denn es sind nat\u00fcrlich viele Vorurteile drinnen, die emanzipierte Frauen gegen Machos haben und die Schicki Micki Mittelschicht ist mir zu einseitig beschrieben. Marie und ihre Freundinnen sind etwas unduldsam, haben es nicht leicht und viele Fehler gemacht und ob Marie mit ihrem Kardiologen und seinen vielen Frauenbekanntschaften  gl\u00fccklicher, als mit ihrem erfolglosen, boshaften Macholoser wird, glaube ich nicht ganz.<br \/>\nEin Buch mit dem man \u00fcber das Mittelschichtleben nachdenken kann und vieles wiederfindet, was man so kennt. So geht Christiane, als \u00c4rztin ohne Grenzen nach Afrika und die frustrierten Freundinnen buchen einen alternativen Brotbackkurs, w\u00e4hrend sich die erfolgreichen Ehem\u00e4nner f\u00fcr die moderne Kunst vielversprechender junger K\u00fcnstler interessieren.<br \/>\nElfriede Hammerl zeigt  auf, was nicht so l\u00e4uft in unserer moderen Schicki Mick Welt, so hat die von ihr beschriebene F\u00fcnfzigplus Generation ihre Kinder ziemlich verantwortungslos und egoistisch erzogen.<br \/>\nL\u00f6sungen bietet sie keine an und das Gedankenexeriment mit dem pl\u00f6tzlich auftauchenden Onkel Gregor bleibt ziemlich bla\u00df bzw. l\u00f6st es sich sehr bald wieder auf oder auch nicht, denn als Marie ihren Paul  in Berlin trifft, ist er wieder da, hebt die Hand, kneift ein Auge zu, streckt den Daumen hoch und verl\u00e4\u00dft mit seiner Begleiterin das Lokal und Marie bleibt zur\u00fcck, um es mit Paul trotz seiner Ehefrau vielleicht noch einmal zu probieren&#8230;<br \/>\nDas Bilanzziehen in der Nachmidlifekrise also und die ber\u00fchmte &#8220;Was w\u00e4re wenn Frage?&#8221;, die nicht beantwortet wird, da es ja keine Geister gibt, obwohl wir sie uns manchmal stellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Der verpasste Mann&#8221; von Elfriede Hammerl ist wahrscheinlich chick lit einer Feministin bzw. das dritte Buch, der 1945 geborenen Journalistin, die sehr erfolgreiche Frauenkolumnen in Profil und Stern hat, das Frauenvolksbegehren mitinitiierte, f\u00fcr das liberale Forum kanditierte und gesellschaftskritische Frauenromane &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3836\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-3836","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3836","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3836"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3836\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3836"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3836"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3836"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}