{"id":3842,"date":"2010-07-11T15:39:14","date_gmt":"2010-07-11T13:39:14","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3842"},"modified":"2010-07-11T15:39:14","modified_gmt":"2010-07-11T13:39:14","slug":"wochenendschreiben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3842","title":{"rendered":"Wochenendschreiben"},"content":{"rendered":"<p>Nchdem ich ab Mittwoch durch das Seminar f\u00fcr j\u00fcdische Geschichte vom Schreiben abgelenkt wurde, ich wei\u00df, ich h\u00e4tte nicht hingehen m\u00fc\u00dfen, erstens war es aber interessant, zweitens bin ich eine konsequente Person, die sich gern an Strukturen h\u00e4lt und neugierig bin ich auch, bin ich erst am Wochenende mit dem Schreiben weitergekommen.<br \/>\nIch habe mir auch vorgenommen, diesmal langsam zu schreiben, damit ich nicht schon wieder mit dem Jahrhundertroman in einem Monat fertig bin und dann denke, das ist nicht gut genug, weil zu schnell.<br \/>\nMittwoch fr\u00fch ist der Alfred weggefahren, heute um halb neun hat er mich aufgeweckt und mir mitgeteilt, da\u00df er an einem Hafen von St. Nokolai oder so sitzt und auf ein Schiff wartet und der Wiener Sommerfilm am Karlsplatz hat es auch in sich. Zwar ist das Badewannenlesen dadurch ein bi\u00dfchen eingeschr\u00e4nkt, aber wenn ich um halb acht hingehe, bleibt mir eine halbe Stunde Zeit f\u00fcr den Sommerkrimi und dann kommen die Filme, die in Wien spielen, mit einem Vorprogramm, wo junge Musiker spielen oder schon \u00e4ltere Personen, \u00fcber die Wien-Filme, die man dann sehen wird, erz\u00e4hlen. Wahrscheinlich damit die ausl\u00e4ndischen Touristen auch was davon haben, sind sehr viele auf Englisch. So gab es am Montag &#8220;Bevore sunrise&#8221;, wo sich zwei junge Leute, eine Franz\u00f6sin und ein Amerikaner im Zug treffen und dann eine Nacht lang durch Wien spazieren und sich ineinander verlieben. Am Freitag pr\u00e4sentierte Christoph Fuchs sein neues Buch &#8220;come &amp; shoot in Austria&#8221; und erz\u00e4hlte was zu dem 1963 gedrehten Film &#8220;Das R\u00e4tsel der roten Quaste&#8221; mit Dietmar Sch\u00f6nherr und Vivi Bach, der einzige Film bis jetzt, der nicht in Wien spielt, sondern irgendwo am Meer, ein Spionagefilm aus dem kalten Krieg und den gabs dann auch gestern, n\u00e4mlich &#8220;Scorpio&#8221; aus dem Jahr 1973.  Vorher erz\u00e4hlte der Direktor des Wien Museums was vom Karlsplatz bzw. vom U-Bahnbau in den Siebzigerjahren, denn der Film spielt zum Teil in den Baugruben und da rennen  Burt Lancester und Alain Delon durch die H\u00f6fe des sechsten Bezirks und versuchen sich zu erschie\u00dfen.<br \/>\nEin paar Bekannte treffe ich meistens dort und die Atmosph\u00e4re ist sehr angenehm. Am Freitag hatte ich Manfred Hagels &#8220;Die eigene literarische Stimme finden&#8221; mit, werde das Buch aber nicht extra besprechen und die \u00dcbungen, wie ich, wie James Joyce oder Franz Kafka schreibe, werde ich auch nicht machen, denn ich schreibe realistisch, dabei bleibts und das geht eigentlich sehr gut.<br \/>\nDenn ich bin, auch wenn mans mir nicht glaubt, eine konsequente Person und so habe ich gestern fr\u00fch dort weitergeschrieben, wo ich Dienstagabend aufgeh\u00f6rt habe, n\u00e4mlich mit der Szene drei, wo ein wei\u00dfhaariger alter Mann zum offenen B\u00fccherschrank geht und dort einen Zettel mit einer Warnung an einen wei\u00dfhaarigen alten Mann findet, nicht so gierig zu sein und sich so unversch\u00e4mt zu bedienen. Man sieht, woher ich das Material nehme, aber der Bernhard Listringer ist eine eigenst\u00e4ndige Figur, obwohl ich schon viel von wei\u00dfhaarigen alten M\u00e4nnern, ihrer B\u00fccherliebe und ihren Demenzen geschrieben habe.<br \/>\nDanach ging es mit den Roman &#8220;Das Haus im Gr\u00fcnen&#8221; mit dem ersten Kapitel weiter, wo der kleine Benno geboren wird und seine Mutter Jennifer beschlie\u00dft, mit ihm zu Patrick zu ziehen und nicht mehr in das Haus der Mutter, Gro\u00df- Ur- und Ururgro\u00dfmutter zur\u00fcckzukehren. F\u00fcr Interessierte, das Haus befindet sich in der Sanatoriumstra\u00dfe Nummer achtzehn und die Ururgro\u00dfmutter, die mit zwanzig mit dem T\u00f6chterkriegen angefangen hat, war damals Medizinstudentin und ist jetzt pensionierte \u00c4rztin. Dann gehts weiter mit Szene vier, das ich heute Vormittag geschrieben habe, das geht wieder zu Fritzi Jelinek zur\u00fcck, die liest das Kapitel durch und bekommt ein Mail von Jan, den sie vor zwei Jahren in Warschau im Zuge eines Erasmusstipendiums kennenlente, damals ist sie vor ihm davongelaufen, jetzt schickt er ihr ein Mail mit der Mitteilung, da\u00df er geheiratet hat und nach Wien zur Hochzeitsreise kommen will. So weit bin ich bis jetzt. F\u00fcr Interessierte, es sind vierundzwanzig Seiten und dreizehntausendsiebenhundertdreiundachtzig Worte, vier Szenen und das Kapitel eins. Ein paar  weitere Szenen habe ich im schon in meinem schwarzen Moleskine aufnotiert. Die n\u00e4chste wird in Warschau spielen und von Olga Warszinska erz\u00e4hlt werden. Dann beginnt Bernd Jelinek mit den Worten &#8220;Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden k\u00f6nnen!&#8221;, diesen Satz zu widerlegen und im zweiten Romankapitel wird Dora Prohaska f\u00fcr Johannas Schwester gehalten. Die Vorschau f\u00fcr Szene sieben habe ich auch schon, da geht sich Fritzi Jelinek bei der Caritas vorstellen und organisiert f\u00fcr Jan die Wohnung ihrer Freundin Barbara, die im Sommer leerstehen wird.<br \/>\nSo weit so gut, eine Schneeflockenmethodenarbeiterin und Vorausplotterin, wo schon jede Szene feststeht, bevor ich zu schreiben beginne, bin ich nicht. Das will ich, glaube ich, auch nicht werden, will ich mich in meinem diesj\u00e4hrigen Sommerschreiben ja bewu\u00dft auf die Figurentwicklung einlassen und Spa\u00df beim Schreiben haben und bin damit auch zufrieden. Egal, wie f\u00fcchterlich meine Satzmelodie und meine Rechtschreibung wird und ich kn\u00fcpfe nat\u00fcrlich auf die vorhandenen f\u00fcnfundzwanzig B\u00fccher und mein bisheriges Schreiben an.<br \/>\nNeu ist aber,  da\u00df ich Spa\u00df daran habe und denke, das ist gut, auch wenn ich wieder keinen Verlag finden werde, aber den suche ich, glaube ich, auch nicht mehr sehr. Auch wenn ich schon \u00fcberlegt habe, ob ich das Buch f\u00fcr den R\u00fcckseitentext nicht einen bekannten Schriftsteller geben soll, aber die lehnen das ja meistens ab und haben keine Zeit. Ich habs schon versucht. Die Idee f\u00fcrs Titelbild habe ich auch schon im Kopf. Wolken k\u00f6nnten das sein, wird der Roman ja  &#8220;Absturzgefahr&#8221; hei\u00dfen. Alfred fotografiert in  der hohen Tatra  immer die Wolkenformationen am Himmel und dort fahren wir im August wieder hin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nchdem ich ab Mittwoch durch das Seminar f\u00fcr j\u00fcdische Geschichte vom Schreiben abgelenkt wurde, ich wei\u00df, ich h\u00e4tte nicht hingehen m\u00fc\u00dfen, erstens war es aber interessant, zweitens bin ich eine konsequente Person, die sich gern an Strukturen h\u00e4lt und neugierig &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3842\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-3842","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3842","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3842"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3842\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3842"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3842"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3842"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}