{"id":3867,"date":"2010-07-15T00:46:23","date_gmt":"2010-07-14T22:46:23","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3867"},"modified":"2010-07-15T00:46:23","modified_gmt":"2010-07-14T22:46:23","slug":"grinzinger-friedhof","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3867","title":{"rendered":"Am Grinzinger Friedhof"},"content":{"rendered":"<p>Mein geplanter Recherchetag hat mich auf den Grinzinger Friedhof gef\u00fchrt, denn da fand am Mittwoch das Begr\u00e4bnis von Andreas Okopenko statt. Vorher habe ich in Richard Miklins &#8220;Literarische Spazierg\u00e4nge&#8221;  nachgesehen und bin seltsamerweise auf ein Andreas Okopenko Spontangedicht &#8220;Mei Wienerlied&#8221; gesto\u00dfen, der beim Heurigen so gern das tut, was man angeblich nicht soll, n\u00e4mlich Bier trinken und die letzte Strophe f\u00fchrt auch noch auf den Friedhof hinaus.<br \/>\n&#8220;Die gst\u00f6\u00f6de Wirtin pfnaust &#8220;Geh, sei net frech&#8221;<br \/>\nder lieabe Herrgott zahlt f\u00fcr mi die Zech<br \/>\nUnd im Dusel siech i glech<br \/>\nmeine wundersch\u00f6ne Leich&#8230;&#8221;<br \/>\n&#8220;Bei einem Rundgang durch den Grinzinger Friedhof kann man sich davon \u00fcberzeugen, wie viele &#8220;Geistesmenschen&#8221; dort begraben sind&#8221;, schreibt Richard Miklin, Thomas Bernhard, Heimito von Doderer und nun auch Andreas Okopenko, das steht nat\u00fcrlich noch nicht in dem Buch, ein weiterer Beweis, warum Google dem Gedruckten vielleicht vorzuziehen ist. Den Friedhof kannte ich auch schon, obwohl ich nie hineingegangen bin. Wohnte doch Valerie Szabo-Lorenz, bei der ich mich mit Hilde Langthaler und Elfriede Haslehner ja sehr lange traf,  in einer Nobelgemeindebausiedlung in der Wenckebachgasse, die direkt beim Friedhof liegt, ist selber aber im Ehrengrab von Wilhelm Szabo am Zentralfriedhof begraben, beim Gerstl und beim Pataki Begr\u00e4bnis habe ich jeweils hingeschaut, ist das Grab ja leicht zu finden, da es neben dem von Hermann Sch\u00fcrrer liegt.<br \/>\nAlso bin ich trotz Hitze mit meinem schwarzen Notizblock und einer Wasserflasche aufgebrochen und gem\u00e4chlich in Richtung Grinzing marschiert. Beim Thalia auf der Mariahilfer Stra\u00dfe habe ich endlich einmal in die &#8220;How I fucked Jamal&#8221;-Anthologie hineingeschaut und in Clemens Berger &#8220;Streichelinstitut&#8221;. Das dicke Buch von Oswald Egger gibt es dort auch. Am Westbahnhof sollte laut den Gratiszeitungen Eistee verteilt werden, damit die Reisenden nicht wegen der Hitze kollabieren. Ich war zu fr\u00fch daran,  bin also ich weiter \u00fcber die Brunnengasse, der B\u00fccherschrank  ist im Augenblick wieder abgebaut und der Yppenplatz habe ich im Leporello geh\u00f6rt, soll zu einem neuen Soho werden, mit Neubauten und \u00fcppigen Mieten.<br \/>\n&#8220;Wieso sind die Mieten so hoch?&#8221;, stand schon an den W\u00e4nden gesprayt.<br \/>\nDas Begr\u00e4bnis fand in der gr\u00f6\u00dften Hitze um zwei Uhr Nachmittag stand. Haupts\u00e4chlich Autoren und Literaturbeamte. So habe ich Silvia Bartl, Robert Huez, Gerhard Ruiss,  Dine Petrik, Christian Katt,  Hermann J. Hendrich, Mechthild Podzeit-L\u00fctjen ect. gesehen. Die Frauen in d\u00fcnnen schwarzen Kleidern und Strohh\u00fcten mit dunklen B\u00e4ndern, die sich verzweifelt mit F\u00e4chern Luft zuf\u00e4chelten, die M\u00e4nner in kurzen wei\u00dfen Hemden. Christine Huber hat mit einem Nachruf Andreas Okopenkos auf sich selbst begonnen und dann Rolf Schwendters Abschiedsbrief verlesen, der sich in Kassel befindet. Nach einer literarischen W\u00fcdigung wurde am Grab der Sarg ruckweise hinuntergelassen, dazwischen gab es Okopenko-Texte von Herbert J. Wimmer, Ralph Klever, Karin Ivancsics und Kurt Neumann zu h\u00f6ren. Eine S\u00e4ngerin hat ein Wiegenlied gesungen.<br \/>\nZum Heurigen bin ich  nicht mitgegangen, sondern habe die Gruppe einundzwanzig, Reihe sechs, den Geheimtip zu finden versucht, was mir aber nicht gelungen ist, so da\u00df ich, weil auch niemand anderer dorthin wollte, zur Stra\u00dfergasse hinuntergegangen bin, wo ich 1973 in der HBLA maturiert habe, die jetzt renoviert wird. Danach habe ich beim Mc Donald einen Kaffee getrunken und ein Eis gegessen, die Kinder beim Baden im W\u00e4hringer Park beobachtet,  koreanische Sch\u00fcler aus Bussen klettern gesehen und bin vor dem Karlsplatz noch mit Friederike Mayr\u00f6ckers &#8220;Und sch\u00fcttelte einen Liebling&#8221; in die Badewanne gestiegen, wo es um den Tod von Ernst Jandls geht. Am Karlsplatz gab es am Mittwoch in den USA gedrehte Wien Filme von Josef von Sternberg. Ein k\u00fcrzlich gefundenes Stummfilmfragment \u00fcber den Prater und &#8220;Dishonored&#8221;, wo Marlene Dietrich eine Spionin aus dem ersten Weltkrieg auf eine Art und Weise spielt, die wohl als Parodie zu betrachten ist und am Dienstag gabs &#8220;Wienfilm 1896-1976&#8221; mit altem Filmmaterial und neueren Texten von Artmann bis Jandl und Mayr\u00f6cker, dazwischen erkundigte sich Peter Weibl, wem Wien geh\u00f6rt und Joe Berger ging mit einem Affen spazieren.<br \/>\nOb ich Donnerstag und Freitag, wie geplant auch in Wien herumspaziere, glaub ich eher nicht. Das Schreiben lockt, Material habe ich vorl\u00e4ufig genug, au\u00dferdem ist es sehr hei\u00df.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein geplanter Recherchetag hat mich auf den Grinzinger Friedhof gef\u00fchrt, denn da fand am Mittwoch das Begr\u00e4bnis von Andreas Okopenko statt. 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