{"id":3876,"date":"2010-07-16T00:13:39","date_gmt":"2010-07-15T22:13:39","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3876"},"modified":"2010-07-16T00:13:39","modified_gmt":"2010-07-15T22:13:39","slug":"abend-im-museumsquartier","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3876","title":{"rendered":"Abend im Museumsquartier"},"content":{"rendered":"<p>Bei den O-T\u00f6nen war am Donnerstag Clemens Berger mit seinem Roman &#8220;Das Streichelinstitut&#8221;, das wollte ich mir im Fr\u00fchling einmal im Literaturhaus anh\u00f6ren, bin aber igendwie nicht hingekommen, einen Auszug habe ich aber in \u00d61 geh\u00f6rt. Leselustfrust hats besprochen und in Leipzig habe ich Clemens Berger auch geh\u00f6rt. Clemens Berger ist ja noch sehr jung, 1979 in Burgenland geboren, Anfang 2009 gabs in den Tonspuren eine Sendung \u00fcber ihm, dann war er bei dieser Verlagspr\u00e4sentation, wo ich mich gerade mit der &#8220;Sophie Hungers&#8221; herumqu\u00e4lte im Literaturhaus, in der alten Schmiede habe ich ihn im Vorjahr auch geh\u00f6rt. Im Fr\u00fchjahr ist jetzt dieser Unterhaltungsroman erschienen, wo ein gescheiterter Philosophiestudent, auch Clemens Berger hat Philosophie studiert, beschlie\u00dft in das Wirtschaftsleben einzusteigen, in der Mondscheingasse im gr\u00fcnen Bezirk der, wie er es nennt Lumpenbourgeoisie, ein sogenanntes Streichelinstitut er\u00f6ffnet, weil Streicheln das Einzige ist, was er kann, so geht er auf das Magistratische Bezirksamt, zu einer Brot essenden Dame, die hunderttausend Stofftiere in ihrem B\u00fcro aufgebaut hat und holt sich von ihr einen Gewerbeschein f\u00fcr Lebensberatung, wie die Hobbypsychologen, Handleger und Kaffeesudleser. Heute, glaube ich, mu\u00df man daf\u00fcr eine eigene Ausbildung machen, die gar nicht mehr so ohne ist, die Zeiten, wo die Lebensberaterkonzession so billig, wie die  der Maronibrater zu bekommen war, sind vorbei. Das nur als Detail am Rande. Ansonsten gibt es eine herrliche Beschreibung der Esoterikszene in der Neubaugasse, ein bi\u00dfchen \u00fcbertrieben zwar, aber das mu\u00df ein Roman ja sein, wenn er unterhalten will. Es gibt auch eine Freundin Anna, die philosophische Seminare h\u00e4lt und erotische Phantasien des Sebastians. Adorno und seine Theorien kommen auch irgendwie vor.<br \/>\nDie Lesung war im Staatsrathof, das ist ganz hinten, gleich  beim Ausgang Volkstheater. Klaus Zeyringer hat eingeleitet und das mit der Philosophie und Adorno erkl\u00e4rt. Es war wieder sehr voll. Ich habe aber einen Platz und sogar einen F\u00e4cher bekommen. Den Standard und einen Volltext, den ich, glaube ich, schon hatte. Sabine Gruber hatte ihren Platz neben Clemens Berger und Klaus Zeyringer. Der Autor sagte, wenn es zu regnen beginnt, h\u00f6re ich zu lesen auf, aber da war das Wetter noch sehr sch\u00f6n und im Publikum waren sicher einige Leute, die sich bei der Beschreibung der alternaiven gr\u00fcnen Lumpenbourgeoisie, man kann es wohl auch akademisches Prekariat nennen, angesprochen f\u00fchlten und ich habe mich auch angesprochen gef\u00fchlt, habe ich ja auch einmal eine Praxis er\u00f6ffnet, allerdings nicht als Hobbypsychologin und einen  Gewerbeschein habe ich auch nie gebraucht. Im Falter habe ich fr\u00fcher aber auch Gratisinserate aufgegeben und so habe ich wohl einige der Erfahrungen gemacht, die Clemens Berger ironisch abgehoben beschreibt, zum Beispiel, die Frage &#8220;Arbeiten Sie mit der Kankenkasse, ich studiere noch und habe wenig Geld!&#8221;<br \/>\nDanach, das wurde schon bei der Einleitung angek\u00fcndigt, ging es in den Haupthof zur Er\u00f6ffnung des Impuls Tanz Festival, da kam ich gerade zur Rede von Stadtrat Mailath-Pokorny, der den Steuerzahlern f\u00fcr ihre Steuern dankte, zurecht. Ich dr\u00e4ngte mich nach vorn und stand dann eine Stunde ziemlich unbequem in der einzigen Art von St\u00f6ckelschuhe, die ich habe und die ich mir unbedingt anziehen mu\u00dfte. Es gab eine Originalmusik von Mauro Pawlowski und eine Choreografie von Wim Vandekeybus mit dem Titel &#8220;What`s the prediction&#8221;. Ein T\u00e4nzer trat auf und schmi\u00df eine Frau auf die B\u00fchne, danach trugen ein paar Leute Babys herein, die sie auf ihren H\u00e4nden balancieren lie\u00dfen, ein Mann schrie etwas von &#8220;Peace and all together&#8221; und wurde von den anderen \u00fcberrannt, ein paar T\u00e4nzer zeigten stolz ihre T\u00e4towierungen, eine T\u00e4nzerin ihr Kopftuch und am Schlu\u00df traten  noch Hunde auf. Das Ganze war sehr laut, engagiert und mit Begeisterung vorgetragen. Ich kannte mich aber programmlos nicht ganz so aus, so habe ich mich sp\u00e4ter mit einem Programm auf die Stufen gesetzt, um es mir anzusehen, bis mich ein Security Mann mit dem Satz, da\u00df Wetterarlarm gegeben worden sei und die Fluchtwege freigehalten werden m\u00fc\u00dfen, vertrieb. Es fing  auch bald zu blitzen und zu sch\u00fctten an. Ich wurde wieder einmal patschna\u00df, es war aber ein sch\u00f6nes warmes Sommerbad.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei den O-T\u00f6nen war am Donnerstag Clemens Berger mit seinem Roman &#8220;Das Streichelinstitut&#8221;, das wollte ich mir im Fr\u00fchling einmal im Literaturhaus anh\u00f6ren, bin aber igendwie nicht hingekommen, einen Auszug habe ich aber in \u00d61 geh\u00f6rt. 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