{"id":3903,"date":"2010-07-19T19:05:12","date_gmt":"2010-07-19T17:05:12","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3903"},"modified":"2010-07-19T19:05:12","modified_gmt":"2010-07-19T17:05:12","slug":"und-ich-schuttelte-einen-liebling","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3903","title":{"rendered":"Und ich sch\u00fcttelte einen Liebling"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Und ich sch\u00fcttelte einen Liebling&#8221;, ist, glaube ich, das erste Friederike Mayr\u00f6cker Buch, das ich gelesen habe, obwohl ich die Dichterin schon lange kenne und bei einigen ihrer Lesungen war, war mein Weg zu ihrer Literatur eher lang und weit. Denn am Anfang meines Schreibens habe ich ja nicht viel von der experimentellen Literatur gehalten. Ich kann mich erinnern, da\u00df ich so Mitte der Siebzigerjahre, als ich nicht recht gewu\u00dft habe, wie ich schreiben soll, in eine Buchhandlung gegangen bin, da ein Buch von Gert Jonke gefunden und durchbl\u00e4ttert habe und mir irgendwie dachte, so will ichs eigentlich nicht. Dann habe ich mit den Bindestrichen angefangen, die ja nicht begeistert aufgenommen wurden. Das nur als Detail am Rande.<br \/>\nDenn nat\u00fcrlich habe ich Mayr\u00f6cker B\u00fccher in meinem Besitz. &#8220;Die Abschiede&#8221;, &#8220;Ein Lesebuch&#8221;, &#8220;In langsamen Blitzen&#8221; steht in meinen Katalog, aber ich scheine ziemlich lang gedacht zu haben, da\u00df ich Mayr\u00f6cker nicht lesen kann.<br \/>\nAber wenn man in Wien lebt, seit drei\u00dfig Jahren in die Alte Schmiede geht und seit 1987 GAV-Mitglied ist, kommt man, um diesen Namen nicht herum und soll es auch nicht. Denn das ist ja die gro\u00dfe alte Dichterin, zuerst als Paar mit Ernst Jandl wahrgenommen, obwohl ich bei den GAV-GVs von Marie Therese Kerschbaumer und Gerhard Kofler h\u00f6rte, da\u00df es die Fritzi auch nicht leicht mit ihrem Ernstl hat und der sie, wie alle Stars beim Schreiben in den Schatten stellt, so da\u00df es gut ist, da\u00df sie nicht mit ihm zusammenwohnt, wenn ich mich da recht erinnere.<br \/>\n2000 ist Ernst Jandl gestorben und das Buch ist ein Requiem darauf, obwohl mir einige Elemente daraus durch die Lesungen aus &#8220;dieses J\u00e4ckchen(n\u00e4mlich) des Vogel Greif&#8221; bekannt erschienen. Das Bild der alten \u00c4rztin z.B. und dann die Passage der Russlandreise mit Wendelin Schmidt-Dengler, der dort mit W\u00f6rterb\u00fcchern spazierengeht und Stra\u00dfennamen entziffert, was ich bei der Schmidt-Dengler Vorlesung in der Gesellschaft f\u00fcr Literatur h\u00f6rte.<br \/>\nUnd es hat mein Mayr\u00f6cker Bild auch ver\u00e4ndert und mich ein bi\u00dfchen verwirrt, denn diese, wie in der Beschreibung steht &#8220;Erinnerungen und Tr\u00e4ume, Gespr\u00e4che und Zitate, Eindr\u00fccke und Beobachtungen auf Notizbl\u00e4ttern  gesamelt, sind eigentlich ein einziger Endlosmonolog aus dem Alltag, die ich mir zumindest sehr ehrlich und realistisch interpretiert habe und da habe ich auch an das Portrait gedacht, das beim Bachmannpreis gezeigt wurde, wo sich die Mayr\u00f6cker sehr gegen das Erz\u00e4hlen stellt und meint, sie w\u00fcrde sowas nicht lesen.<br \/>\nHier finde ich erz\u00e4hlt sie sehr viel, auch vermeintlich Banales, in einer wundersch\u00f6nen Sprache und es ist vielleicht das, was ich mir bei Andrea Winkler w\u00fcnschen w\u00fcrde und so habe ich mir gedacht, es geht also schon die Poesie mit dem Realismus zu verbinden, nat\u00fcrlich geht es, auch wenn Friederike Mayr\u00f6cker einen Sonderstatus hat, sich wiederholen und dasselbe schreiben darf, das Wort klein Abk\u00fcrzen und sz verwenden.<br \/>\nEs geht so interpretiert es sich die Psychologin, um den Alltag einer alten Frau, der das Schreiben sehr sehr wichtig ist, die immer noch, um die Form und den Ausdruck ringt, Angst vor dem Sterben hat, auch das hat sie, glaube ich, schon in dem Portrait ge\u00e4u\u00dfert, sich, was ich auch schon wu\u00dfte, aber eigentlich  erstaulich finde, auch bei den j\u00fcngeren Literaten auszukennen scheint, so wird Peter Pessl zweimal erw\u00e4hnt und Bettina Galvagni. Bodo Hell nat\u00fcrlich und sehr oft Gertrude Stein, da taucht das Bild der kleinen Gerti mit der Ziege mehrmals auf und sie schreibt sehr oft vom Tod der Mutter und ihren Schuldgef\u00fchlen, die sie sich macht, dabei nicht geschickt gewesen zu sein. Was ich nicht immer verstanden habe, war, wenn sie E. J. zitierte,  ob sie jetzt von dem Toten oder noch Lebenden spricht, aber die Literaturwissenschaft interpretiert das Buch ohnehin als Traumdeutung und die \u00dcberg\u00e4nge von Traum und Wirklichkeit scheinen sehr flie\u00dfend zu sein. Und dann immer wieder  sch\u00f6ne Wendungen, zum Beispiel, die von &#8220;der geriatrischen Sicht der Dinge&#8221;, hat mir gut gefallen und auch, da\u00df Ernst Jandl und Friederike Mayr\u00f6cker gerne Coca Cola tranken, soviel Alltag h\u00e4tte ich den beiden Gro\u00dfen gar nicht zugetraut.<br \/>\nEine sehr interessante Lekt\u00fcre also, die mir den Zugang zu der gro\u00dfen alte Dame wieder etwas mehr ge\u00f6ffnet hat, obwohl ich den ja inzwischen auch gefunden habe. So gehe ich ja ziemlich regelm\u00e4\u00dfig zu den Lesungen in die Alte Schmiede, war beim &#8220;Scardanelli&#8221; und beim &#8220;Vogel Greif&#8221; und wahrscheinlich auch bei der Pr\u00e4sentation von diesem Buch. Aus &#8220;Br\u00fctt oder die h\u00e4ngenden G\u00e4rten&#8221;, habe ich sie 1998 in M\u00fcrzzuschlag beim Fest f\u00fcr Friederike Mayr\u00f6cker lesen geh\u00f6rt und wenn man auf Wikipedia geht, kann man \u00fcber das lange Werkverzeichnis nur staunen und in der Alten Schmiede \u00fcber die Mayr\u00f6cker Fangemeinde. Angelika Kaumann, Bodo Hell geh\u00f6ren dazu und mit einer \u00e4lteren Dame, die sie zu  Lesungen begleitet und  ihre Texte abtippt und archiviert, bin ich im Literaturhaus und in der Alten Schmiede auch ins Gespr\u00e4ch gekommen.<br \/>\nEin sehr interessantes Buch, das ich jeden nur empfehlen kann, der so, wie ich glaubte, da\u00df Friederike Mayr\u00f6cker zu schwer, zu experimentell, zu unverst\u00e4ndlich zu lesen ist, die Psychologin in mir hat viel gelernt dabei und die besessen Schreibende auch, denn da war ich einmal bei einer Lesung aus den &#8220;Magischen Bl\u00e4ttern&#8221; in der Alten Schmiede und  habe mir einen Satz aufgeschrieben, der ungef\u00e4hr so lautete &#8220;Da hat man sich sein ganzes Leben f\u00fcr Literatur eingesetzt und es ist noch immer nichts dabei herausgekommen&#8221;, was ja auch f\u00fcr mich zutreffen k\u00f6nnte.<br \/>\nBei einem der Feste in M\u00fcrzzuschlag, als ich mit dem Sammeltaxi von Neuberg nach M\u00fcrzzuschlag gefahren bin, in dem Jahr, in dem Elfriede Jelinek den B\u00fcchner Preis bekommen hat, habe ich von der Mayr\u00f6cker Fangemeinde, die mit mir im Taxi sa\u00df, geh\u00f6rt, da\u00df der ja der Fritzi zugestanden w\u00e4re und 2004 war sie, glaube ich, ja  f\u00fcr den Nobelpreis nominiert und da auf die Reporterfragen, auch sehr ehrlich geantwortet und die J\u00fcngere, hat es sich  sehr leicht gemacht, als sie erstaut &#8220;Also ich h\u00e4tte gratuliert!&#8221;, den Reportern antwortete. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Und ich sch\u00fcttelte einen Liebling&#8221;, ist, glaube ich, das erste Friederike Mayr\u00f6cker Buch, das ich gelesen habe, obwohl ich die Dichterin schon lange kenne und bei einigen ihrer Lesungen war, war mein Weg zu ihrer Literatur eher lang und weit. &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3903\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-3903","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3903","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3903"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3903\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3903"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3903"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3903"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}