{"id":3960,"date":"2010-07-25T09:58:35","date_gmt":"2010-07-25T07:58:35","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3960"},"modified":"2010-07-25T09:58:35","modified_gmt":"2010-07-25T07:58:35","slug":"fortschrittsbericht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3960","title":{"rendered":"Fortschrittsbericht"},"content":{"rendered":"<p>Andrea Stift hat in ihrem Blog von der <a href=\"http:\/\/www.andreastift.at\/2010\/07\/19\/die-magie-der-halbzeit\/\">&#8220;Magie der Halbzeit&#8221;<\/a> gespochen. Da passiert auf Seite f\u00fcnfzig eines Textes, meint sie, immer etwas ganz Wunderbares. Man sieht das Kindesk\u00f6pfchen, wei\u00df, das bald geboren werden kann und hat Angst, da\u00df etwas schiefgegangen ist.<br \/>\nDem kann ich mich nur anschlie\u00dfen und als ich ihren Blogeintrag gelesen habe, war ich bei &#8220;Absturzgefahr&#8221; auch auf Seite f\u00fcnfzig oder leicht dar\u00fcber. Erinnern wir uns, vor etwa einem Monat, habe ich damit begonnen und nach der nochmaligen Lekt\u00fcre von &#8220;Ein Roman in einem Jahr&#8221; einen euphorischen Bericht \u00fcbers Sommerschreiben verfa\u00dft. Dann kam das Wochenende, ich schrieb und schrieb, kam zuerst auf vierundzwanzig, dann auf achtundvierzig Seiten. Vor einer Woche bin ich, glaube ich, wieder dagesessen, die Psychiater nennen das wahrscheinlich, die manisch depressive Schwankung und habe gedacht, ich kann es nicht, wiederhol mich nur,  mache alles falsch, in dem ich mich fr\u00f6hlich unbeholfen ins Abseits schreibe und mir die Pointen selbst zerst\u00f6re. Dann mu\u00df ich, das kenn ich schon, korrigieren, in Wien, wo mein Drucker steht, bin ich aber nur bis Szene sechs damit gekommen. Am Mittwoch habe ich es in Harland erst mal fertig gemacht, kann es aber nicht ausdrucken.<br \/>\nDie neuen Ideen sind aber trotzdem, nach einer ziemlich niedergeschlagenen Nacht gekommen, nachdem ich die vierundf\u00fcnfzig Seiten, die ich vor einer Woche hatte, ersteinmal auf einundf\u00fcnfzig verringert habe. Dann habe ich \u00fcber meine Figuren nachgedacht und mir die Handlungsst\u00e4nge angestrichen, die sich entwickeln lassen und  begonnen eine Szene mit Margrets Traumatisierung zu schreiben. Da habe ich ja eine Vorlage, aber die will ich sehr entfremden und das ist mir, glaube ich, auch gelungen.  Dann sind die Mails an Fritzi auch viel glaubhafter,  die ihre Liebe zu dem polnischen Priester Janusz Warszinski entwickelt, der am Schlu\u00df die Kirche verl\u00e4\u00dft, um mit ihr nach Linz zu ziehen, wo beide Psychotherapeuten werden&#8230;.<br \/>\nBernhard Listringer sammelt inzwischen eifrig die B\u00fccher vom offenen B\u00fccherschrank  und bringt sie nach Hause, eine t\u00fcrkische Komparatistikstudentin stellt da ihre Rezensionsexemplare, zum Beispiel Andrea Winkler, hinein, er findet aber auch einen Sack alter Krimis, soweit so gut.<br \/>\nDas Entwickeln neuer Handlungen ist eine sch\u00f6ne Sache, f\u00fcr mich jedenfalls, da ich damit immer noch ein wenig experimentiere und das Spannende ist, wie weit ich mich von der Vorlage entferne. Da habe ich eine Idee, zum Beispiel was gesehen, erlebt oder geh\u00f6rt und denke, dar\u00fcber will ich schreiben. Dann fange ich an, verwende das erlebte Material und sehe, ich bin wenn ich es geschrieben habe, im off und wei\u00df nicht weiter, denn jetzt mu\u00df ich die Handlung kommen lassen. Da hat mir Anni B\u00fcrkl, als ich am &#8220;Haus&#8221; geschrieben habe, einmal einen guten Tip gegeben.<br \/>\n&#8220;Show, not tell!&#8221;, aber auch weg von der Vorlage, was Neues machen und das ist, glaube ich, am Donnerstag bei einer meiner Fritzi Szenen passiert. Denn da war ich ja im Mai bei der Muttertagseinladung der Bezirksvorstehung Mariahilf im Haus des Meeres. Das hei\u00dft, ich bin vorher im Estherhazypark gesessen und habe mich \u00fcber das Verbot Tauben zu f\u00fcttern, ge\u00e4rgert und dar\u00fcber, da\u00df die Parkw\u00e4chter von den alten Frauen, die das trotzdem tun, abkassieren, aber das hatte ich schon vorher in der Bezirkszeitung gelesen. Im Park sa\u00df eine Kindergartengruppe mit einer Englisch sprechenden Betreuerin, die Knabberstangen an die Kinder mit den gelben M\u00fctzen verteilte und als diese dann den Tauben zum Opfer fielen, engagiert &#8220;No food for birds, only food for kids!&#8221;, vor sich hin tr\u00e4llerte.<br \/>\nKann sein, da\u00df etwas \u00c4hnliches in &#8220;Absturzgefahr&#8221;  zu finden sein wird, dann sitzt die Fitzi im Burggarten mit ihren Laptop,  liest ihre Mails von Jan und macht das Textcoaching f\u00fcr Harald Hoffmanns F\u00fcnffrauenroman.<br \/>\nDas Szenenschreiben ist wirklich spannend und macht T\u00fcren auf, ich mu\u00df es nur festhalten, da\u00df ich es nicht verliere und  nicht in Eigentore abgleite. Thomas Wollinger  schreibt in seinem wunderbaren Blog &#8220;Schreiben&#8221; auch gerade \u00fcbers Szenenschreiben und macht sehr deutlich, wie das gehen kann.<br \/>\nMan findet ein <a href=\"http:\/\/www.wollinger.info\/?p=4305\">Schweineherz<\/a> in einer Fleischerei, macht ein Foto, hat aber noch keine Szene, denn dann mu\u00df man erfinden und das ist das Spannende am Schreiben. Die Schreibratgeber meinen dann, da\u00df man \u00fcbertreiben und gestalten soll, denn das Alltagsleben interessiert ja niemanden. Im Roman mu\u00df es schon ein bi\u00dfchen schillender, gl\u00e4nzender, ungew\u00f6hnlicher sein. Mag sein, da\u00df das stimmt, ich denke trotzdem, man mu\u00df nicht \u00fcbertreiben, denn das, was mir meine Klienten so erz\u00e4hlen, ist spannend genug, da brauche ich keinen Mord und Totschlag, um zu zeigen, was Traumatisierung ist.<br \/>\nMal sehen, wie es wird, ein Textcoach, der mich an der Schulter nimmt, wenn ich zum Eigentorschie\u00dfen anfange, w\u00e4r nat\u00fcrlich gut, aber zum Gl\u00fcck gibt es die Autorenblogs mit den Ratschl\u00e4gen f\u00fcr die Schreibenden und Andrea Stift hat sicher recht, wenn sie mahnt, nicht so schnell zu sein, da gibt es einen sch\u00f6nen Film von ihr, in dem sie \u00fcber ihr Schreiben spricht.<br \/>\nZeitlassen, ein Roman kann ruhig ein zwei Jahre dauern und mu\u00df nicht in einem Monat fertig sein, wie es mir, bei meinen Erz\u00e4hlungen, wie meine Leser wissen,  \u00f6fter mal passiert. Macht aber auch nichts, schnell sein ist kein Manko, nur kommt man weiter, beim Zeitlassen, das habe ich schon bemerkt, habe aber einige tausend Seiten gebraucht, bis ich daraufgekommen bin&#8230;<br \/>\nSo sollte ich also diesen Sonntag zum Weiterschreiben n\u00fctzen, wems interessiert, sechsundsechzig Seiten, sechzehn Szenen und einige Romankapitel sinds inzwischen schon. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andrea Stift hat in ihrem Blog von der &#8220;Magie der Halbzeit&#8221; gespochen. Da passiert auf Seite f\u00fcnfzig eines Textes, meint sie, immer etwas ganz Wunderbares. 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