{"id":3991,"date":"2010-07-28T22:06:14","date_gmt":"2010-07-28T20:06:14","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=3991"},"modified":"2010-07-28T22:06:14","modified_gmt":"2010-07-28T20:06:14","slug":"wie-es-leuchtet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=3991","title":{"rendered":"Wie es leuchtet"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Wie es leuchtet&#8221; von Thomas Brussig ist ein Schelmenroman der Wende oder wie die Welt am Sonntag schreibt &#8220;Ein Karneval, der sich zum Zeitroman weitet&#8221;.<br \/>\nSechshundertsieben Seiten, sieben B\u00fccher, ein Zeitrahmen zwischen den Sommern 1989 und 1990, einem Vorwort und einem Beginn am Mittag des 11. Augusts 1989 im Karl-Marx-St\u00e4dter Hauptbahnhof, eine Stadt, die ein Jahr sp\u00e4ter wieder Chemnitz hei\u00dfen wird und einem Ende in Thailand auf der Insel Ko Samui, wo ein ehemaliger DDR H\u00e4ftling, der durch die Strahlen in der Zelle an Leuk\u00e4mie erkrankte, in dem Sommer, den die ganze DDR mit ihren Westmarks au\u00dferhalb der DDR verbringt,  dorthin zum Sterben f\u00e4hrt.<br \/>\nDazwischen passiert nat\u00fcrlich viel, wir wissen es inzwischen und haben es vielleicht  in anderen dicken Wendew\u00e4lzern erfahren, so habe ich mich vor zwei Jahren durch Ingo Schulzes &#8220;Neue Leben&#8221; gelesen, jetzt war es &#8220;Wie es leuchtet&#8221; des 1965 in Berlin geborenen Thomas Brussig, der auch &#8220;Sonnenallee&#8221; geschrieben hat.<br \/>\nDas Vorwort hei\u00dft &#8220;Verschwommene Bilder&#8221; und da wird von einem Fotografen erz\u00e4hlt, der mit einer  Leica das Geschehen knipst und nur Lena gro\u00dfer Bruder genannt wird. Lena ist Physiotherapeutin, neunzehn Jahre alt und wartet  an jenem 11. August am  Hauptbahnhof auf ein Paulchen, der aber nicht ankommen wird, da in jenem Sommer Ungarn ja die Grenze nach \u00d6sterreich \u00f6ffnete.<br \/>\nLena wird im Laufe des Buches mit Rollschuhen durch die Wende rasen, ein Lied erfinden, das Kultcharakter bekommen wird und von ihrem sexuellen Mi\u00dfbrauch als Schulm\u00e4dchen in einem Lift berichten, es passiert aber auch sonst sehr viel.<br \/>\nCarola Schreiter, die Tochter eines Ostbonzen wird mit ihrem Thilo ebenfalls in den Westen fl\u00fcchten, dort zuerst Psychologie, Ethnologie und Publizistik studieren und sich nach der Wende im Yellowstonepark vor der Wildnis und den B\u00e4ren f\u00fcrchten.<br \/>\nEs gibt aber auch den F\u00fcnf-Sterne-Palasthotel Direktor Alfred Bunzuweit und den Devisen ins Landbringer Valentin Eich, der die Idee mit den Intershops hatte. In der Mitte des Jahres siedeln sich alle im Berliner Palasthotel ein, der Journalist Leo Lattke, der die Reportagen \u00fcber die Ver\u00e4nderung schreibt und Lenas gro\u00dfer Bruder, aber auch der Albino Werner Werner Schiedel, angeblich Sonderbeauftragter von VW, ein Wort das f\u00fcr die sich wendenden Ostler, so verlockend klingt, da\u00df er von Alfred Bundzuweit, der an der Wende mitnaschen will, als  very impotant person behandelt wird und als Hochstapler 24670 DM Schulden macht, die die Gro\u00dfmutter bei der Gerichtsverhandlung, f\u00fcr ihn bezahlt, nachdem sie ihr Haus in der Friedrichsstra\u00dfe um 25 000 DM verkaufte, w\u00e4hrend die Ossis endlich f\u00fcr Ostgeld im Intershop einkaufen wollen und mit der Warenvielfalt nicht zurechtkommen&#8230;<br \/>\nDer \u00dcbergangsgesundheitsminister Prof. Dr. R\u00fcdiger J\u00fcrgends h\u00e4lt Audienztage ab, wo er die Geschichten von den M\u00e4nnern erz\u00e4hlt bekommt, die sich zu Frauen umoperieren lassen wollten, damit aber nicht zu Ende kamen, weil die Operateure vorher in den Westen verschwanden, im Aufbau Verlag stapeln sich inzwischen die Manuskripte zu Berge, w\u00e4hrend der Fontane-Kenner Dr. Erler in Waldemar Budes Manuskript das Besondere erkennt.<br \/>\nSo gibt es endlos Geschichten in den sieben B\u00fcchern, die durch das Jahr begleiten, vom \u00d6ffnen der ungarischen Grenze, den Fall der Mauer, den Wahlen und schlie\u00dflich vom Sommer 1990 erz\u00e4hlen, wo alle ihre DDR Mark eins zu eins, eins zu zwei oder zu was auch immer umtauschten, sich das westliche Vokablar anlernten und das des Ostens verga\u00dfen, Wirtschaft statt Jahresplan und schlie\u00dflich  mit Ausnahme von Dr. Erler im  Westen Urlaub machten, w\u00e4hrend der westdeutsche Architekten und Grundst\u00fcckmakler auf Fontanes Spuren durch die Mark Brandenburg f\u00fchrt&#8230;<br \/>\nEin k\u00f6stliches Buch dieser Zeitroman der Wende, aufgrund seiner Personen und Handlungsf\u00fclle nicht immer leicht zu lesen und ein bi\u00dfchen von der Geschichte sollte man schon wissen, um es nicht mitzuverstehen, aber ich habe mich in den letzten  Jahren durch den Ingo Schulze und den Uwe Tellkamp gelesen und war auch zweimal in der DDR.<br \/>\nDas erste Mal 1985 ganz trist und sachlich mit Zwangsumstausch und Verwandtenbesuch, das zweite Mal genau in jenem Sommer 1990, als das Land noch so hie\u00df, es aber schon die Westmark gab und man in Berlin zwischen Ost und West und durch die noch existierenden Mauer fahren konnte.<br \/>\nInzwischen haben wir zwanzig Jahre Wende gefeiert und ich habe einige dicke Wendeb\u00fccher gelesen, gab es die ja vor zwei Jahren bei Thalia in der Kremsergasse bei diesen 3.99 Abverkauf, es werden aber, wie alle wissen, die den Bachmannpreis verfolgen, noch immer neue geschrieben, so da\u00df uns die Lekt\u00fcre nicht ausgehen wird und Kerstin Hensel haben wir im Sommer 1990 auch in der Ostberliner Linienstra\u00dfe besucht und im vorigen Jahr habe ich ihren Wenderoman &#8220;L\u00e4rchenau&#8221; gelesen, den ich bei Poetry fix gewonnen habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Wie es leuchtet&#8221; von Thomas Brussig ist ein Schelmenroman der Wende oder wie die Welt am Sonntag schreibt &#8220;Ein Karneval, der sich zum Zeitroman weitet&#8221;. 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