{"id":4057,"date":"2010-08-14T09:01:52","date_gmt":"2010-08-14T07:01:52","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=4057"},"modified":"2010-08-14T09:01:52","modified_gmt":"2010-08-14T07:01:52","slug":"wir-mussen-uns-irgendwie-ahnlich-sein","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=4057","title":{"rendered":"Wir m\u00fcssen uns irgendwie \u00e4hnlich sein"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Wir m\u00fcssen uns irgendwie \u00e4hnlich sein&#8221;, ist der erste oder zweite Roman, der 1973 in Tschechien geborenen Marketa Pilatova, der von Michael Stavaric \u00fcbersetzt, 2010 bei Residenz erschienen ist.<br \/>\nMarketa Pilatova hat Romanistik und Geschichte studiert, reiste 2005 nach Brasilien, wo sie den Nachfahren tschechischer Einwanderer Tschechischunterricht gab und lebt heute in S\u00fcdamerika oder Prag.<br \/>\nDie sp\u00e4rlichen \u00fcber Google erh\u00e4ltlichen Angaben variieren. Der Roman wurde jedenfalls von Kritik und Publikum in Tschechien, wie auf den Klappentext steht, gefeiert und auch von Residenz sehr gelobt.<br \/>\nEs ist auch ein sehr erfrischendes Prosawerk in einer jungen lebendigen Sprache, das die Tschechen und Prag von einer ganz anderen Seite zeigt. Geht es in dem Buch doch um vier Frauen, zwei alte und zwei junge und den j\u00fcdischen Doppelspion Jaromir, der immer ganz anders sein wollte. In Auschwitz oder sonstwo von der Zigeunerin Johana, den Tod aus der Hand gelesen bekam und von ihr mit den Resten der Nazigelage gen\u00e4hrt wurde.<br \/>\nJaromir ist danach nach Sao Paulo gegangen, wo er die Tochter deutscher Einwanderer Luiza heiratete, aber dennoch unentwegt seiner Jugendliebe Maruska, die in einem Prager Ministerium als Sekret\u00e4rin arbeitete, Briefe schrieb und von ihr in abendteuerlicher Weise auch welche hinausgeschmuggelt bekam, herrschte in Prag ja der Kommunismus und so sind auch Lena und Marta, Kinder tschechischer Auswanderer, in Brasilien aufgewachsen. Lena als Cowgirl in den braslianischen Weiten, w\u00e4hrend Marta von ihrer unm\u00f6glichen Mutter in die Steiner Schule geschickt wurde und dort die k\u00fcnstlerische Ader und das soziale Handeln gelehrt bekam.<br \/>\nSo beginnt das Buch auch mit dem Tod von Frau Hrubesova aus dem Club Novy Slovan in Sao Paulo, die sie betreute, um dann nach Prag zu fl\u00fcchten, wo sie Schals und M\u00e4ntel mit schwarzen V\u00f6gel strickt und Lena kennenlernen wird, die auch nach Prag kommt, um dort bei Tante Ludmila zu wohnen.<br \/>\nDas Ganze ist nicht chronologisch erz\u00e4hlt, sondern in Kapitel, die unterschiedliche Namen tragen und von dem jeweiligen Protagonisten geschildert werden. Jaromirs Briefe an Maruska tauchen auf und das Tagebuch des alten Erdkundelehrer Jandls.<br \/>\nJaromir, der seit seiner Zeit als Doppelspion immer eine Kapsel Zyankali im Mund oder in der Tasche trug, schluckt sie schlie\u00dflich 1987, so da\u00df Luiza nach seinem Tod nach Prag f\u00e4hrt, um dort endlich ihre Nebenbuhlerin kennenzulernen.<br \/>\nAber die haben schon vorher Marta und Lena kennengelernt, da Lena das Blauauge Vladimir liebt, der sie als Hilfstherapeutin in eine Psychiatrische Klinik bringt, um in seiner Dissertation zu erforschen, ob Therapien von Laien erfolgreicher, als die von Psychoanalytikern sind, wo Maruskas Depressionen behandeln werden.<br \/>\nAm Schlu\u00df dreht und wendet sich alles, Maruska, die nie zu Jaromir nach Brasilien kommen wollte, zieht dorthin und unterrichtet auf Lenas Farm, die Kinder der Landarbeiter, w\u00e4hrend Marta mit ihrer Mutter endg\u00fcltig nach Prag geht, um dort ein neues Leben zu beginnen, vorher nimmt sie aber an einer spiritistischen Sitzung teil, um mit Jaromirs Geist zu sprechen und ihn zu fragen, was sie Luiza von ihm mitteilen soll. Ein wirklich flott dahingeschriebenes Buch, leicht und spritzig, in dem immer wieder sehr sch\u00f6ne poetische Wendungen auffallen, obwohl es  nicht wirklich viel Neues erz\u00e4hlt, zumindestens in den Jaromir Passagen, wo es um den Faschismus und den Kommunismus geht nicht, Lena und Martas lockerer spritziger Feminsmus und auch die Art, wie sich Marketa Pilatova \u00fcber die Psychiatrie und sonst noch einiges  lustig macht, klingt aber neu und vor allem die Art, wie die brasilanischen Tschechen Prag sehen k\u00f6nnten, ist erfrischend und amusant zu lesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Wir m\u00fcssen uns irgendwie \u00e4hnlich sein&#8221;, ist der erste oder zweite Roman, der 1973 in Tschechien geborenen Marketa Pilatova, der von Michael Stavaric \u00fcbersetzt, 2010 bei Residenz erschienen ist. 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