{"id":4183,"date":"2010-08-29T19:42:11","date_gmt":"2010-08-29T17:42:11","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=4183"},"modified":"2010-08-29T19:42:11","modified_gmt":"2010-08-29T17:42:11","slug":"mordsonate","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=4183","title":{"rendered":"Mordsonate"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;S\u00e4mtliche Figuren des Romans sind frei erfunden. Jede \u00c4hnlichkeit mit lebenden oder toten Personen ist zuf\u00e4llig&#8221;, steht im Vorspann von O. P. Ziers soebenen erschienener &#8220;Mordsonate&#8221; und dann gibt es einen  F\u00fchrer, der im Suff in den Tod raste, einen ehemaligen Autoverk\u00e4ufer und Mitglied der Feschistenpartei, der zum Vorstanddirektor des Energiekonzerns wurde, den man dort aber wieder loswerden will. Das Ganze spielt in Salzburg, nicht in K\u00e4rnten, deshalb beginnt es mit Mozarts Tr\u00e4nen, denn die wurden dem Denkmal mit Lack aufgemalt, exakt drei St\u00fcck und der Aufh\u00e4nger der Geschichte ist die Entf\u00fchrung des zehnj\u00e4hrigen Wunderkindes Birgit Aberger, das sich gerade auf einen internationalen Klavierwettbewerb vorbereitet und da erscheint und auch wieder viel bekannt.<br \/>\nDenn am Morgen des Entf\u00fchrungstags hat sich Birgit mit ihrem Vater wegen einer Telefonwertkarte zerstritten und geschworen, nie wieder nach Hause zu kommen und um ein wei\u00dfes Lieferauto gibt es auch.<br \/>\nAnsonsten dominiert das Erfundene, denn Birigit wird in ein H\u00e4uschen eingesperrt, das sie sehr an das Sommerhaus ihrer besten Freundin Anja, der Tochter jenen Feschisten, die mit ihr Klavierspielen lernt, aber bei der Vorauswahl nur zweite wurde, erinnert, es erinnert sie auch das Rasierwasser des Entf\u00fchrers an Hans Weger und der wei\u00df auch haargenau, da\u00df Birgits Lieblingsspeisen Nu\u00dfschnecken und Pizza Margarita sind. Ansonsten verspricht er ihr ihre Finger weltber\u00fchmt zu machen, streut ihr Juckpulver in den R\u00fccken und setzt sie an ein verstimmtes Klavier und w\u00e4hrend Birgit ihm eine Mozartsonate vorspielen mu\u00df, h\u00e4lt er Monologe an eine Mutter oder bekommt Vorw\u00fcrfe von dieser, nicht gut genug zu spielen.<br \/>\nW\u00e4hrenddessen freut sich Hans Weger \u00fcber das Verschwinden Birgits, kann ja nun seine Tochter zu dem Wettbewerb und dadurch wird er, glaubt er, f\u00fcr die Feschisten und den Konzern unantastbar. Er kommt indessen nicht mehr zu den Vorstandsitzungen, bzw. f\u00e4ngt er eine Beziehung zu der Chefsekret\u00e4rin Gerlinde Brunner an, die auch ihr kleines Geheimnis hat, f\u00e4hrt betrunken mit dem Auto und wird von der Polizei erwischt, was an sich nicht so etwas Besonderes ist, mu\u00df man doch, erf\u00e4hrt man in dem Buch, mindestens eins Komma f\u00fcnf Promille im Blut haben, um es in dieser Partei zu etwas zu bringen. Das passiert im ersten Satz, das Buch hat, wie die Mozartsonaten drei und im zweiten wird es ein St\u00fcck brutaler, werden da ja drei von Birgits Fingern in Salzburg verteilt, am Bahnhof, in der Sparkassenstra\u00dfe, beim Landestheater. Die anderen Finger, die beispielsweise vor Mozarts Geburtshaus auftauchen sind Attrappen. Im dritten Satz wird die Musiklehrerin ermordet und wir erfahren, da\u00df der Misset\u00e4ter ein Mutters\u00f6hnchen mit narzistischer Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung war und das Ganze ein Gesamtkunstwerk, bis wir aber dort angekommen sind, haben wir viel gelernt von der erfundenen Sumpflandschaft der Bananenrepublick \u00d6sterreich, beziehungsweise der Festspielstadt Salzburg.<br \/>\nEinen Ermittler gibt es auch, n\u00e4mlich Chefinspektor Erich Laber mit dem roten Parteibuch von Linz nach Salzburg gekommen und von der Frau Landeshauptfrau den Blauen und den Schwarzen in die Polizeiarbeit hineingesetzt.<br \/>\nAuch sonst ist das Buch bzw. O. P. Zier h\u00f6chst politisch und von den Unsitten, die momentan bei uns herrschen erf\u00e4hrt man ebenfalls sehr viel. So kommen die prek\u00e4ren Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse, wo gut ausgebildete Akademiker jahrelang aus den Taschen ihrer Onkel oder Tanten leben m\u00fcssen, weil der Staat oder die Radiosender keine Fixanstellung f\u00fcr sie haben, vor und es laufen auch die feschen Parteisekret\u00e4re mit den gegelten Haaren herum und teilen Listen aus, auf denen die Namen derer stehen, die sie in den Vorstandsetagen bzw. im Polizeidienst haben wollen. Es gibt einen blauen Inspektor namens Sigi Koller, der beauftragt wird, den unbequemen Chefinspektor auffliegen zu lassen, sein Pech ist nur, da\u00df dessen Mutter gerade im Sterben liegt, so da\u00df er ihm nicht zuh\u00f6rt bzw. statt mitzuintrigieren nur anschreit.<br \/>\nO. P. Zier hat f\u00fcr den Roman offenbar ausgezeichnet recherchiert und kein Detail ausgelassen, so sitzen im Journaldienst Beamte, die von der Post ausrangiert wurden und die sind so gebildet, da\u00df sie das Wort Google zwar richtig schreiben, aber es war  doch ein Irrtum, beziehungsweise eine Falle.<br \/>\nZwei kleine Dinge fallen mir auf, die nicht ganz zu stimmen scheinen, so d\u00fcrfte die Psychologin von der Krisenintervention, die mit den Beamten mitgeht, um die Todesnachrichten zu verk\u00fcnden, keine Medikamente austeilen, denn Psychologen haben \u00fcblicherweise nicht Medizin studiert und wenn sie es doch getan haben, sind sie wahrscheinlich Psychotherapeuten oder Psychiater, bzw. wei\u00df ich nicht genau, ob es stimmt, da\u00df man bei der Polizeieinvernahme Medikamente nur unter \u00e4rztlicher Aufsicht einnehmen darf. Ansonsten ist es packend erz\u00e4hlt und so spannend, da\u00df ich mein heutiges Mittagessen erst am Nachmittag eingenommen habe, weil das Buch ausgelesen werden wollte.<br \/>\nIn einem Interview vom 26. August wollten die Salzburger Nachrichten vom Autor wissen, ob man sich unter Chefinspektor Laber, den Kurt Wallander Salzburgs vorstellen kann? Nach dem ich das Buch gelesen habe, kann ich dem einiges abgewinnen, so k\u00f6nnt die Idee mit den Hinweisen, die die abgeschnittenen Finger geben, aus einem dieser Krimis stammen, ansonsten hat Erich Laber mindestens eine Eigenschaft, die ihn wohltuend von der momentan so \u00fcblichen Ermittlerszene abhebt, er kocht n\u00e4mlich nicht, sondern geht ins Restaurant essen und scheint auch sehr sozial denkend zu sein. So hat er eine Lieblingsnichte, jene prek\u00e4r jobende gut ausgebildete Radiosassistentin und, und das ist auch sehr ungew\u00f6hnlich f\u00fcr einen Kriminalroman, er veliebt sich in eine Zeugin, was ihr, allerdings nicht gut bekommt.<br \/>\n&#8220;Wird O. P. Zier ein Krimiautor?&#8221;, fragen die Salzburger Nachrichten und der Autor anwortet, da\u00df man die schonungslose Gesellschaftskritik sehr gut in die spannende Handlung und die raffinierte Dramaturgie einbauen kann, so da\u00df er Leser hat, die sich sonst nicht so f\u00fcr das Genre Krimi interessieren. Was f\u00fcr mich nicht zutrifft, lese ich ja  gerne einen Krimi, auch wenn ich beim eigenen Schreiben vor der Aggressivit\u00e4t des Mords zur\u00fcckschrecke und alle meine Leichen nat\u00fcrlich steben lasse.<br \/>\nGenau das scheint O. P. Zier bei der &#8220;Mordsonate&#8221; gereizt zu haben, wie er in dem Interview antwortet und ich f\u00fcge noch hinzu, da\u00df ich den 1954 in Schwarzach im Pongau geborenen und in St. Johann lebenden Autor, von den Generalversammlungen der IG Autoren und der GAV, wo er ein regelm\u00e4\u00dfiger Teilnehmer ist, kenne und dort auch gern mit ihm plaudere. Ich war auch schon bei seinen Lesungen in Wien, habe ihn einmal bei Thalia Landstra\u00dfe getroffen, als ein ber\u00fchmter Amerikaner dort gelesen hat und einmal im Linz beim Stra\u00dfenfestival. Seinen Gedichtband &#8220;Vom Diesseits der W\u00fcnsche jenseits ihrer Erf\u00fcllung&#8221; habe ich im Literaturgefl\u00fcster auch besprochen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;S\u00e4mtliche Figuren des Romans sind frei erfunden. Jede \u00c4hnlichkeit mit lebenden oder toten Personen ist zuf\u00e4llig&#8221;, steht im Vorspann von O. P. 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