{"id":42265,"date":"2016-03-03T00:02:33","date_gmt":"2016-03-02T23:02:33","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=42265"},"modified":"2016-03-03T00:02:33","modified_gmt":"2016-03-02T23:02:33","slug":"y","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=42265","title":{"rendered":"Y"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt eine Fr\u00fchjahrsneuerscheinung aus dem <a href=\"http:\/\/www.aufbau-verlag.de\/index.php\/y.html\">&#8220;Aufbau-Verlag&#8221;<\/a>, n\u00e4mlich Jan B\u00f6ttchers Y, eine Geschichte, die von Entwurzelung,\u00a0 dem Aufwachsen zwischen den verschiedensten Kulturen Europas und dem eines Kindes, f\u00fcr das seine Eltern, egal, ob im Krisengebiet des Kosovo oder dem computerverseuchten Berlin, keine Zeit haben, erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>&#8220;Die Geschichte beginnt!&#8221;, schreibt der Erz\u00e4hler, ein Schriftsteller, der mit seiner Frau und seinem vierzehnj\u00e4hrigen Sohn in Berlin lebt, als der, Benji, eines Abends einen schweigsamen Freund nach Hause bringt und ihn bei sich \u00fcbernachten l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Der Vater stellt den Sohn zur Rede und der Leka genannte Junge verschwindet dann auch wieder. Nicht nur aus der Wohnung des Schriftstellers, sondern \u00fcberhaupt aus Berlin und als Benji seinen Vater vorwurfsvoll anblickt, beginnt der nach ihm zu suchen und trifft Jakob Sch\u00fctte, einen Nerd, Workoholic und Computerspielerfinder und der beginnt ihm seine Geschichte zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Er ist mit Arjeta, einem Fl\u00fcchtlingsm\u00e4dchen aus dem Kosovo zur Schule gegangen, hat sie Jahre sp\u00e4ter, in den Neunzigern wieder getroffen, eine Beziehung begonnen, sie\u00a0 auch bei ihren Eltern und ihren Br\u00fcder besucht. Die Beziehung klappte irgendwie nicht, haben Moslems doch andere Moralvorstellungen, au\u00dferdem hatte im Kosovo, der Krieg schon begonnen, so da\u00df zuerst die S\u00f6hne zum K\u00e4mpfen zur\u00fcckgingen, sp\u00e4ter die ganze Familie mit Arjeta, die dem Erz\u00e4hler\u00a0 ihre Sicht der Dinge erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Jakob Sch\u00fctte folgte der Familie in den Kosovo, wo Arjeta, die in Deutschland studierte, Deutsch und Englisch Unterricht gibt und mit Leuten, die im Rundfunk einen neuen Kosovo aufbauen wollen, in Kontakt kommt. Sie wurde dann auch von Jakob schwanger. Heiratete aber nicht ihm, sondern einen Mann namens Bedri, denn der Deutsche, der sich schon mit Computerspielen zu besch\u00e4ftigen beginnt, war ihr viel zu verr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Jakob k\u00fcmmert sich eine Weile noch um den kleinen Leka, eine Abk\u00fcrzung von Alexander, dann geht er nach London. Kommt aber wieder, als Leka sechs Jahre alt ist und kauft ihm einen Computer. Als er in einer Bibliothek B\u00fccher mitgehen l\u00e4\u00dft, um sie zu kopieren, wird er von der Securty zusammengeschlagen, sein Schl\u00fc\u00dfelbein wird gebrochen, er fliegt verletzt nach Berlin und kommt\u00a0 nie mehr in den Kosovo.<\/p>\n<p>Sein Sohn ist dann vierzehnj\u00e4hrig nach Berlin gekommen, ob er sich, von der Mutter allein gelassen, die sich inzwischen einem K\u00fcnstler angeschlossen hat und mit ihm Videos dreht, selber auf die Suche nach seinen Vater macht oder von ihm entf\u00fchrt wird, bleibt unklar.<\/p>\n<p>Leka ist auch nicht lange in Berlin geblieben, sondern hat sich selber der Poloizei gestellt und zur\u00fcckbringen lassen.<\/p>\n<p>Der Erz\u00e4hler und sein Sohn werden ihm, es sind noch Ferien, in den Kosovo folgen. Dort wird er sich mit Arjeta und ihrem neuen Freund ihre Kunstprojekte ansehen.<\/p>\n<p>Da sto\u00dfen wir auch auf den Namen des Buchs, das Geheimnisvolle &#8220;Y&#8221;, ein Symbol f\u00fcr das aufstrebende Kosova vielleicht. Wir begegnen aber auch dem Computerspiel, mit dem Jakob Karriere machte und vom Krieg im Kosovo profitierte und der Erz\u00e4hler beginnt, als er mit seinem Sohn wieder in Berlin ist und die Fahnen f\u00fcr den Roman, den er dar\u00fcber geschrieben hat, \u00fcber sein eigenes Leben,\u00a0 seine Beziehung zu seinen Eltern, im Nachkriegsdeutschland und in den Zeiten, als die DDR zusammenbrach, zu reflektieren.<\/p>\n<p>&#8220;Jan B\u00f6ttcher hat einen gro\u00dfartigen europ\u00e4ischen Roman geschrieben. Einen Roman, der einige der dr\u00e4ngensten Fragen unserer Zeit neu stellt: Wie frei k\u00f6nnen wir sein, ohne die eigene Herkunft zu verleugnen? Wieviel Verantwortung \u00fcbernehmen wir im Leben f\u00fcreinander, f\u00fcr unsere Kinder, f\u00fcr die Gesellschaft? Und was macht uns eigentlich zu guten Eltern?&#8221;, steht so auch im Klappentext.<\/p>\n<p>Jan B\u00f6ttcher von dem ich vor kurzem seinen ersten Roman Lina oder: das kalte Moor&#8221; im Schrank gefunden habe, wurde 1973 in L\u00fcneburg geboren und hat 2007 beim &#8220;Bachmannpreis&#8221; gewonnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt eine Fr\u00fchjahrsneuerscheinung aus dem &#8220;Aufbau-Verlag&#8221;, n\u00e4mlich Jan B\u00f6ttchers Y, eine Geschichte, die von Entwurzelung,\u00a0 dem Aufwachsen zwischen den verschiedensten Kulturen Europas und dem eines Kindes, f\u00fcr das seine Eltern, egal, ob im Krisengebiet des Kosovo oder dem computerverseuchten &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=42265\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[26,431,1424,2873],"class_list":["post-42265","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-neuerscheinung","tag-aufbau-verlag","tag-deutsche-literatur","tag-jan-boettcher"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42265","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=42265"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42265\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=42265"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=42265"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=42265"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}