{"id":4250,"date":"2010-09-06T15:38:14","date_gmt":"2010-09-06T13:38:14","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=4250"},"modified":"2010-09-06T15:38:14","modified_gmt":"2010-09-06T13:38:14","slug":"evelyns-fall","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=4250","title":{"rendered":"Evelyns Fall"},"content":{"rendered":"<p>Im zw\u00f6lften  Mira-Valensky-Krimi &#8220;Evelyns Fall&#8221; greift Eva Rossmann im europ\u00e4ischen Jahr zur Bek\u00e4mpfung der Armut und sozialen Ausgrenzung&#8221; und in Zeiten der Wirschaftskrise ein aktuelles Thema auf.<br \/>\nEvelyn Maier, zweiundvierzig, Sozialhilfeempf\u00e4ngerin, \u00fcber hundert Kilo schwer, Diabetikerin mit kaputten Gelenken, die, seit sie aus ihrer Sozialwohnung delogiert wurde, in dem H\u00e4uschen der verstorbenen Tante, das noch ein Plumpsklo hat, in Lissenberg wohnt, wof\u00fcr sie bei der Cousine, die es ihr vermietete, putzen mu\u00df, ist gegen den Ofen gefallen und daran verstorben.<br \/>\nF\u00fcr die Polizei und das &#8220;Magazin&#8221; zu unwichtig, um sich extra damit zu besch\u00e4ftigen, f\u00fcr Evelyns Tochter Celine, die Gesang und Psychologie studiert und mit Vesna Krainers Tochter Jana befreundet ist, ist es das nicht.<br \/>\nSie ist fest davon \u00fcberzeugt, da\u00df ihre Mutter ermordet wurde, ist doch auch ihr Handy verschwunden und so bittet sie Mira Valensky und Vesna Krainer, sich mit dem Fall zu besch\u00e4ftigen.<br \/>\nMira Valensky l\u00e4\u00dft sich von der Polizei die Handyspeicherkarten geben und erf\u00e4hrt, das Evelyn Maier, die einmal jung und sch\u00f6n, sowie ein aufstrebendes Gesangstalent war, das sich bei den &#8220;three friends&#8221; die ersten Loorbeeren ersungen hat, am Schlu\u00df so einsam wurde, da\u00df sie mit ihren Handy kommunizierte, es &#8220;Liebling&#8221; nannte und sich selbst beim Essen von Reis und Ketschup filmte.<br \/>\nSo weit so trist, aber vielleicht nicht ungew\u00f6hnlich, die Caritas wird mehrere solcher Geschichten erz\u00e4hlen k\u00f6nnen, aber als Mira das kleine H\u00e4uschen nach Spuren untersucht, wird sie niedergeschlagen und zu  einer toten Ratte gesperrt.<br \/>\nSie l\u00e4\u00dft sich davon nicht abschrecken, spricht mit einer Nachbarin, die von vermehrten Alkoholkonsum und M\u00e4nnerbesuchen mit gro\u00dfen schicken Autos spricht. Das erstere ist erlogen, war Evelyn seit ihre Karriere durch den Tod von Hubert Osthof, einer der drei Freunde und damaliger Liebling, so geschockt, da\u00df sie nie mehr Alkohol anr\u00fchrte, ein Maybach, das ist ein Rollce Royce \u00e4hnlicher Luxus Mercedes, wie ich mir sagen lie\u00df, ist aber mehrmals vor dem sch\u00e4bigen alten H\u00e4uschen, das man eigentlich in einer Romasiedlung oder im Kosovo vermuten w\u00fcrde, gestanden.<br \/>\nMira und Vesna finden heraus, das er dem dritten Liebling und inzwischen erfolgreichen Autoh\u00e4ndler Hans Tobler geh\u00f6rt, der Evelyn zuf\u00e4llig in einen Supermarkt wiedertraf und ihr helfen wollte, was sie sich aber nicht lie\u00df.<br \/>\nTrotzdem bekommt Mira bei einem Treffen mit einem Gerichtsvollzieher heraus, da\u00df Evelyn in ihren letzten Tagen sehr zuversichtlich war, von pl\u00f6tzlichen Reichtum und einer \u00c4nderung in ihrem Leben gesprochen hat.<br \/>\nSo weit die Handlung, die uns ein wenig in das arme \u00d6sterreich f\u00fchren soll, von dem die Caritas und Armutsforscher Schenk schon lange sprechen.<br \/>\nDas &#8220;Magazin&#8221; besch\u00e4ftigt sich in Zeiten, wie diesen mit der Wirtschaftskrise und will eine Serie \u00fcber &#8220;Krisengewinner&#8221; herausbringen. So besucht Mira schicke Secondhandboutiquen in denen Ministerinnen und andere Promis ihre fast ungebrauchten Markenkleider verkaufen und macht Interviews mit Ministern, die mit dem Fahrrad, statt mit dem Dienstwagen zur Arbeit fahren oder mindestens so tun. W\u00e4hrenddessen veranstaltet der Maybachfahrer Hans Tobler eine superschicke Party in seinem Autohaus, bei der man sowohl Hotdogs, als auch Hummer, Garnelen und Champagner genie\u00dfen kann und Mira Valensky, die ja auch der Mittelschicht angeh\u00f6rt, verw\u00f6hnt ihren Luxuskater Gismo mit schwarzen Oliven und kocht zum Abendessen warmen Ziegenk\u00e4se auf Fladenbrot, Tr\u00fcffelnudeln und rosarot gebratenes Lamm mit Kirschparadeisern, geh\u00f6rt das ja zu den Markenzeichen der Valensky-Krimis.<br \/>\nTrotzdem ist das Buch hervorragend recherchiert, man erf\u00e4hrt einiges \u00fcber das Leben in \u00d6sterarm, obwohl das Ganze vielleicht in eine nicht sehr glaubw\u00fcrdige Klischeegeschichte gepackt ist, denn die T\u00f6chter der Sozialhilfeempf\u00e4ngerinnen studieren \u00fcblicherweise nicht Psychologie und gewinnen auch keine Gesangswettbewerbe, Luxusautos stehen selten vor ihren T\u00fcren, Lottogewinne sind eher eine unerf\u00fcllte Illusion und das \u00dcbergewicht, meistens die Begleiterscheinung von Psychopharmaka gegen Depression und Angstst\u00f6rungen.<br \/>\nTrotzdem ist es wichtig dar\u00fcber Bescheid zu wissen, der Krimi ist, auch wenn er am Klischee vorbeimarschiert, spannend zu lesen und Eva Rossmann eine sehr engagierte Autorin, die wichtige Themen in ihre Geschichten packt, dabei nur sanft andeutet und nie wirklich gewaltt\u00e4tig wird, was mir sehr sympathisch ist. So habe ich auch alle zw\u00f6lf Mira-Valensky-B\u00fccher gelesen und greife immer wieder gern danach, auch wenn das Schema, nachdem sie geschrieben werden, zu erkennen ist.<br \/>\n &#8220;Wahlkampf&#8221; und &#8220;Freudsche Verbrechen&#8221; haben mir am besten gefallen. &#8220;Kaltes Fleisch&#8221; und &#8220;Leben lassen&#8221; weniger. Bei diesen wei\u00df ich nicht so genau. Denn die neue oder alte Armut ist ein Thema, das mich sehr interessiert, die Geschichte spannend, die Handlung ein bi\u00dfchen trivial, die Figur der Evelyn sehr realistisch beschrieben.<br \/>\nDa\u00df die eigentlichen Hauptpersonen dann wieder die Autoh\u00e4ndler mit ihren Bodyguards und die Wirtschaftsforscher, die ihre Frauen schlagen und die m\u00e4chtigen Ex-Minister werden, entt\u00e4uscht vielleicht und ein bi\u00dfchen hat die Wirklichkeit, die Realit\u00e4t durch die bedarfsorientierte Grundsicherung, die es seit 1. 9. bei uns gibt, \u00fcberholt. Zumindest werden jetzt alle eine E-Card haben und sich vor den Sprechstundenhilfen nicht mehr genieren m\u00fc\u00dfen und das Buch wird am Mittwoch  im Caritslager Carla  am Mittersteig und nicht in einem superschicken Autosalon vorgestellt.<br \/>\nUnd in Zeiten, wo nicht mehr alle studieren oder aufs Gymnasium d\u00fcrfen, Unternehmensberater Betriebe durch Entlassungen gesundschrumpfen und man ab F\u00fcnfzig, sowieso keine Arbeit mehr findet, geh\u00f6ren \u00fcbergewichtige Frauen mit kaputten Gelenken wahrscheinlich mehr zur Norm, als schicke Maybach fahrende Autoh\u00e4ndler, zumindestens kenne ich von den ersteren mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im zw\u00f6lften Mira-Valensky-Krimi &#8220;Evelyns Fall&#8221; greift Eva Rossmann im europ\u00e4ischen Jahr zur Bek\u00e4mpfung der Armut und sozialen Ausgrenzung&#8221; und in Zeiten der Wirschaftskrise ein aktuelles Thema auf. 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