{"id":42741,"date":"2016-04-01T10:45:07","date_gmt":"2016-04-01T08:45:07","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=42741"},"modified":"2016-04-01T10:45:07","modified_gmt":"2016-04-01T08:45:07","slug":"verstand-und-gefuehl","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=42741","title":{"rendered":"Verstand und Gef\u00fchl"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt endlich etwas von Jane Austen, der von 1775 bis 1817 lebenden britischen Schriftstellerin, von deren <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/03\/11\/ebner-eschenbach-symposium\/\">\u00f6sterreischen Pendant,<\/a> ich vor kurzem sehr viel h\u00f6rte, ebenso mit ihr auf <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/02\/10\/ein-date-mit-mr-darcy\/\">Datingfang<\/a> gegangen bin und so mich schon ein bi\u00dfchen in ihre Charaktere eingelesen habe und ihr <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/02\/21\/eine-dame-von-welt\/\">amerikanisch-britischer Zeitgenosse<\/a> hatte vor kurzem auch seinen hindersten Todestag.<\/p>\n<p>Zwar sind Henry James und Marie von Ebner Eschenbach hundert Jahre sp\u00e4ter gestorben, der Vergleich zu Jane Austen kam aber immer wieder und einen Zusammenhang zu<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/03\/21\/buchmessenreport-2\/\"> Leipzig<\/a>, wohin ich das Buch nicht mitnehmen wollte, gibt es auch, ist es doch im &#8220;Reclam Verlag-Leipzig&#8221;, der ostdeutschen Variante, des gro\u00dfen Verlags erschienen und dem Nachwort von Christian Grawe entnehme ich, da\u00df &#8220;Verstand und Gef\u00fchl&#8221; f\u00fcr ein eher schw\u00e4cheres Werk gehalten wird, mit dem man nicht zu Lesen anfangen soll.<\/p>\n<p>Zu Unrecht wie Grawe meint, ist es doch sehr sozialkritisch und zeigt genau, wie die Leute damals lebten und dachten und welche Vorurteile sie hatten.<\/p>\n<p>Das ist zwar ein anderer Roman, der hier zeigt sehr sch\u00f6n, den Gegensatz von Ratio und Schw\u00e4rmerei und so hat auch Hedwig Courths Mahler, meine &#8220;s\u00fcndige Jugendlesevorliebe&#8221;, die jungen M\u00e4dchen, Waisen und M\u00fcndel immer davor gewarnt, sich zu sehr auf ihr Herz zu verlassen, statt nach Geld zu heiraten oder war es umgekehrt?<\/p>\n<p>Sehr wohl, das war es nat\u00fcrlich und auch hier geht es darum zu einer Zeit, wo die Frauen, wenn sie arm waren, danach trachten mu\u00dften sich gut zu verheiraten, weil sie sonst ewig ihren Verwandten auf der Tasche lagen und darum geht es hier auch.<\/p>\n<p>Zu Beginn stirbt ein Herr und hinterl\u00e4\u00dft seinem Erben das Verm\u00e4chtnis f\u00fcr eine Witwe und drei unm\u00fcdige M\u00e4dchen zu sorgen. Er verspricht das auch und denkt daran je tausend Pfund f\u00fcr sie zu opfern, dann kommt seine gesch\u00e4ftst\u00fcchtige Frau daher und redet ihm ein, da\u00df er, wenn er ihnen gut zuredet und ihnen f\u00fcr den Umzug ein paar alte M\u00f6bel schnenkt und ihnen sonst einmal einen Fisch oder einen Hasen zukommen l\u00e4\u00dft, auch f\u00fcr sie sorgt.<\/p>\n<p>So geschieht es dann auch und Missis Dashwood zieht mit Elianor, Marianne und der j\u00fcngsten Tochter Margret in ein Cottage in die N\u00e4he von Exeter.<\/p>\n<p>Marianne ist siebzehn und zu Zeiten, wo Goethe mit seinem Werter alle gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig lahmlegte, auch dem Gef\u00fchl verschrieben, w\u00e4hrend die \u00e4lteste Elionor sich eher dem Verstand verschreibt und so den verm\u00f6genslosen Edward, in dem sie verliebt scheint, nicht heiraten wird.<\/p>\n<p>In dem Cottage kommen die Damen, die trotz ihrer Armut, einige Dienstboten halten, auch mit der Gesellschaft in Verbindung und wird von ihr aufgenommen und hier lernen die Fr\u00e4uleins einen Oberst Brandon, einen Herrn von \u00fcber f\u00fcnfunddrei\u00dfig kennen, der sich sofort in Marianne verliebt, die aber scherzt und unkt, da\u00df nur ein altes Fr\u00e4ulein einen so alten Herrn heiraten, beziehungsweise zu seiner Pflegerin werden kann.<\/p>\n<p>Der Obert reist auch ab und Marianne geht alleine spazieren, hat dabei einen Unfall und wird dabei von einem Herrn namens Willoughby &#8220;gerettet&#8221;, in dem sie sich unsterblich verliebt, so da\u00df ihre Mutter sie schon f\u00fcr seine heimliche Braut h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Aber auch er mu\u00df abreisen und nun kommt Edward Ferrars zu Besuch und tr\u00e4gt eine Locke in seinem Ring, den Marianne f\u00fcr die von Elionor h\u00e4lt. Es taucht aber ein Fr\u00e4ulein namens Lucy auf, das Elionor erz\u00e4hlt, da\u00df sie schon vier Jahre heimlich verlobt mit Edward ist.<\/p>\n<p>Die beiden M\u00e4dchen werden von Missis Jennings, einer etwas taktosen Dame, eingeladen, mit ihr nach London zu kommen, die gef\u00fchlvolle Marianne stimmt in der Hoffnung dort Willoughby zu treffen zu, schreibt ihm viele Briefe, da er sich nicht meldet, um ihn dann auf einem Fest in der Gesellschaft einer Dame zu finden, mit er sich, weil sie reich und er verschuldet, verlobt hat.<\/p>\n<p>Marianne ger\u00e4t in ein Nervenfieber, heute wird das psychosomatische Krankheit genannt und will zu ihrer Mutter zur\u00fcck, w\u00e4hrend Elionor erfahren mu\u00df, da\u00df Edward von seiner Mutter, wegen Lucy, die auch ein armes M\u00e4dchen ist, enterbt wurdeund alle Rechte auf seinen j\u00fcngeren Bruder Robert \u00fcbergingen.<\/p>\n<p>Der hilfreiche Oberst Brandon bietet Edward eine Pfarrerstelle auf seiner Besitzung an, die ihm zweihundert Pfund im Jahr einbringt, damit kann er nicht oder nicht sehr gut heiraten und so stellt sich die Nachricht, die der Diener eines Tagen den Miss Dashwoods (so wird das geschrieben), da\u00df er Missis Lucy Ferrar in der Kutsche gesehen hat, als Mi\u00dfverst\u00e4ndnis heraus.<\/p>\n<p>Sie hei\u00dft zwar Missis Ferrar, hat aber Robert, da der ja nun reich, geheiratet und Edward ist frei f\u00fcr Elionor, die ihm auch willig an die Pfarrersstelle folgt und wahrscheinlich eine t\u00fcchtige Pfarrersfrau werden wird.<\/p>\n<p>Willoughby ist auch noch gekommen und hat sich reum\u00fctig f\u00fcr sein Benehmen entschuldigt und so wird sich die gesundete Marianne von ihrem Gef\u00fchl verabschieden, das war wohl der Sinn und der moralische Hintergrund des Romans und gel\u00e4utert, die Gattin eines doppelt so alten, aber herzensguten Gatten werden und ihn wahrscheinlich zumindestens, die n\u00e4chsten paar Jahre noch nicht pflegen.<\/p>\n<p>Ein interessanter Roman aus einem vorigen Jahrhundert, wo die Frauenleben, die Moral und die Sitte noch ganz anders verliefen, obwohl ja heute Datingratgeber geschrieben werden, die sich auf Jane Austen beziehen.<\/p>\n<p>Ein Chicklit des achtzehnten Jahrhunderts k\u00f6nnte man wahrscheinlich etwas respektos sagen, f\u00fcr die heutige Schnelligkeit manchmal sehr langatmig, ein Diagogroman habe ich irgendwo gelesen. Es wird geredet und geredet, was manchmal ein bi\u00dfchen verwirrend\u00a0 ist, aber immer wieder gibt es ergreifende Szenen, die erstaunlich modern und zeitnahm wirken, was wohl der Grund auch ist, da\u00df Jane Austen\u00a0 immer noch gelesen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt endlich etwas von Jane Austen, der von 1775 bis 1817 lebenden britischen Schriftstellerin, von deren \u00f6sterreischen Pendant, ich vor kurzem sehr viel h\u00f6rte, ebenso mit ihr auf Datingfang gegangen bin und so mich schon ein bi\u00dfchen in ihre &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=42741\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[926,2886,3182],"class_list":["post-42741","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-britische-literatur","tag-jane-austen","tag-klassiker"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42741","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=42741"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/42741\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=42741"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=42741"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=42741"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}