{"id":4298,"date":"2010-09-10T00:19:43","date_gmt":"2010-09-09T22:19:43","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=4298"},"modified":"2010-09-10T00:19:43","modified_gmt":"2010-09-09T22:19:43","slug":"aus-der-mitte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=4298","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlung aus der Mitte"},"content":{"rendered":"<p>Am Donnerstag war es schwer sich zu entscheiden, denn da gab es, wie Gabriele Madeja im Hamakon Theater Nestroyhof erkl\u00e4rte, sehr viele Events und weil ich, seit ich mir gelegentlich Rezensionsexemplare bestelle, von den Verlagen zu Veranstaltungen eingeladen werde, hatte ich die Qual der Wahl.<br \/>\nDenn da kam schon vorige Woche eine Einladung von Haymon, am Donnerstag liest Lydia Mischkulnig aus &#8220;Schwestern der Angst&#8221;, das tut sie allerdings auch bei Rund um die Burg und da ich mich  vorigen Freitag zu Thalia in die Kremsergasse in St. P\u00f6lten begeben habe, wu\u00dfte ich auch \u00fcber die September-Highlights Bescheid, denn da gab es noch am Donnerstag, die Pr\u00e4sentation von Erich Hackls &#8220;Familie Salzmann&#8221; im  Nestroy Theater Hamakon, da stand allerdings auch etwas von einer Kartenreservierung unter ticket@hamakon.at  und dann wurde auf der Landstra\u00dfe  das neue Buch von Natascha Kampusch vorgestellt, das mit Hilfe eines oder zwei Ghostwriters entstanden ist und die Psychologin in mir interessierte. Dann hat noch Wolf Haas ein Kinderbuch geschrieben &#8220;Gans im Gegenteil&#8221; und pr\u00e4sentierte es in diesem Badeschiff, in dem  Cornelia Travnicek bevorzugt und begeistert liest.<br \/>\nDa hatte ich die Qual die Wahl, beziehungsweise habe ich mich  schnell entschieden, was w\u00fcrden meine Leser sch\u00e4tzen? Also ich habe im Hamakon Theater angerufen und mich erkundigt, ob die Lesung etwas kostet, in Deutschland ist das \u00fcblich und bei  besonderen Veranstaltungen, zum Beispiel bei der Lesung von Michael K\u00f6hlmeier im Schauspielhaus, auch bei uns.<br \/>\n&#8220;Nat\u00fcrlich nicht!&#8221;, sagte mir die freiundliche Dame und da habe ich mich angemeldet. Buchpr\u00e4sentationen des 1954  in Steyr geborenen Erich Hackl sind auch besonders interessant. Ist er ja auf irgendeine Art und Weise ein Ghostwriter, obwohl er sich glaube ich, nicht als solcher betrachtet, hat elf B\u00fccher bei Diogenes, dem ber\u00fchmten Schweizer Krimi Verlag, wo die B\u00fccher von Donna Leon erscheinen, herausgebracht und  sp\u00e4testens 1989 mit &#8220;Abschied von Sidonie&#8221; ber\u00fchmt geworden oder war das schon zwei Jahre fr\u00fcher bei &#8220;Auroras Anla\u00df&#8221;?<br \/>\n1989 bin ich jedenfalls in meinem literarischen Zimmer in der Gumpendorfer Stra\u00dfe gesessen, habe die Verlagspost f\u00fcr die &#8220;Hierarchien&#8221; verfa\u00dft und nebenbei von dem Senkrechtstarter geh\u00f6rt. Ein Autor der seine B\u00fccher Erz\u00e4hlungen und nicht Romane nennt, wie Gabriele Madeja im Hamakon Theater erkl\u00e4rte und ein Chronist, dem sowohl das Pers\u00f6nliche, als auch das Politsche sehr interessiert und  der manchmal von Personen, wie beispielsweise von Hugo Salzmann angerufen wird, die ihm ihr Leben erz\u00e4hlen und es von ihm aufgearbeitet haben wollen. So gibt es inzwischen Erich Hackl  Nummer 11, auch das ist ein Vorschlag von Gabriele Madeja, neben &#8220;Abschied von Sidonie&#8221;, der Geschichte von dem Zigenuerm\u00e4dchen, das die F\u00fcrsorge in der NS-Zeit der bem\u00fchten Pflegefamilie weggenommen und in den Tod geschickt hat, zu &#8220;Entwurf einer Liebe auf den ersten Blick&#8221;, &#8220;Hochzeit in Auschwitz&#8221;, &#8220;Anprobieren eines Vaters&#8221; u. u. u.<br \/>\nIch habe gerade nachgeschaut, ich habe nur ein einziges Erich Hackl Buch, das 2007 erschienene &#8220;Als ob ein Engel&#8221;, wo es um eine argentinische Studentin, Tochter einer j\u00fcdischen Fl\u00fcchtlingsfamilie geht, die am 8. April 1977 im Alter von 22 Jahren verschwunden und wahrscheinlich von der argentinischen Milit\u00e4rbeh\u00f6rde gefoltert und ermordet wurde.<br \/>\nTrude Kloiber hat mir das Buch zu meinen Geburtstag geschenkt und Otto Lambauer, der es auch gelesen hat, meinte, da\u00df es ihm zu wenig Literarisch ist. Mir hat es dagegen gefallen und das Schicksal der Gisi hat mich auch beeindruckt, denn 1977 habe ich in Wien Psychologie studiert und ganz ehrlich nicht viel Ahnung gehabt, was da in Argentinien passierte.<br \/>\nDas mit  zuwenig Literarisch scheint auch ein Trauma von Erich Hackl zu sein, zumindest hat er  in der Diskussion so angedeutet, vom Literaturbetrieb nicht wahrgenommen zu werden, aber elf B\u00fccher bei Diogenes und alle sind Erz\u00e4hlungen nach realen Vorlagen, meist Schilderungen von NS Opfern und so hat sich Hugo Salzmann an Erich Hackl gewandt, der nach seiner Pensionierung, die Briefe seiner Mutter Juliane, die in Ravensbruck ermordet wurde und dort auch Rosa Jochmann kennenlernte, aufgearbeitet haben wollte.<br \/>\n  Erich Hackl hat daraus eine &#8220;Erz\u00e4hlung aus unserer Mitte&#8221; gemacht und eine Familiengeschichte beschrieben, die fast beinahe hundert Jahre umfa\u00dft. Denn Hugo Salzmann Senior wurde 1903 geboren,  hat in Deutschland gegen Hitler gek\u00e4mpft, der Sohn ist in Frankreich und in der Schweiz aufgewachsen, wurde 1945 von der Tante Ernestine aufgezogen und war auch in der DDR, bis er nach Graz gekommen ist und dort zwei Kinder hat. Sein Sohn Hanno wurde in den Neunzehnhundertneunzigerjahren in der steirischen Krankenkassa gemobt, weil er erw\u00e4hnte, da\u00df seine Gro\u00dfmutter in einem KZ umgekommen ist. Die Lesung drehte sich  haupts\u00e4chlich um Hanno Salzmann und Gabriele Madeja interviewte  sowohl den alten Mann, als auch den Autor und die Geschichte von dem jungen Mann, der schlie\u00dflich entlassen wurde und nicht einmal die SP\u00d6 hat ihm geholfen, ist auch sehr beeindruckend. Die Mutter gibt ihn inzwischen den Rat nie mehr von der Gro\u00dfmutter zu erz\u00e4hlen, aber jetzt hat Erich Hackl alles  genau dokumentiert und der Vater empfindet es als Genugtuung, weil er den Tod der Mutter nie \u00fcberwunden hat.<br \/>\nNachher gab es was zu trinken, Erich Hackl und Hugo Salzmann haben viele B\u00fccher signiert. Gabriele Madeja hat darauf hingewiesen, da\u00df Erich Hackl auch in Schulb\u00fcchern zu finden und ein beliebtes Maturathema ist. Antonio Fian habe ich im Publikum gesehen und da gab es vor einem Jahr die Pr\u00e4sentation von seinem Buch im Hamakon Theater   und von Erich Hackl ist noch zu sagen, da\u00df er vor einigen Jahren der Laudator bei der Theodor Kramer Preisverleihung war. Ich bin an seinem Tisch gesessen, mit ihm in Gespr\u00e4ch gekommen und er hat mir  die zwei B\u00fccher abgekauft, die ich immer in der Handtasche habe. Diesmal habe ich die &#8220;Heimsuchung&#8221; der Maria Lautischer verkauft und habe mir das Diognes Magazin Nummer vier mitgenommen, in dem es auch sehr viel zu lesen gibt und interessant war auch das, was Erich Hackl \u00fcber die Schwierigkeiten beim Schreiben realistischer beziehungseise chroinstischer Texte erz\u00e4hlte, denn das habe ich mir bei der heutigen Korrigierarbeit in etwa auch gedacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Donnerstag war es schwer sich zu entscheiden, denn da gab es, wie Gabriele Madeja im Hamakon Theater Nestroyhof erkl\u00e4rte, sehr viele Events und weil ich, seit ich mir gelegentlich Rezensionsexemplare bestelle, von den Verlagen zu Veranstaltungen eingeladen werde, hatte &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=4298\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-4298","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4298","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4298"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4298\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4298"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4298"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4298"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}